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Republikaner Des is a echter

Die Republikaner wollen sich auf ihrem bislang größten Parteitag zum Marsch auf Bonn formieren.
aus DER SPIEGEL 24/1992

Glaubt man dem Schönhuber Franzl, 69, dann zählt der alte Häuptling der Republikaner noch längst nicht zu den Lahmen. Er sei, sagt der Parteivorsitzende, konditionell »derzeit besser drauf als in den letzten zehn Jahren«.

Das kommt nicht nur vom Skifahren in Davos oder vom Tennis am Tegernsee, sondern vom Adrenalinstoß, den die Wahlerfolge der Reps in Baden-Württemberg (10,9 Prozent) und Berlin (8,3) beim Parteichef ausgelöst haben.

Niemand könne jetzt noch anzweifeln, so tönt er, »daß die Republikaner nunmehr fest im demokratischen Parteienspektrum verankert sind«. Jetzt werde auch sein »Lebenstraum, die Partei in den Bundestag zu führen«, endlich in Erfüllung gehen - und zwar mit einem »zweistelligen« Resultat. Schönhuber seherisch: »Wir können die Woge bis 1994 hochhalten.«

Den Anspruch soll der bislang größte und aufwendigste Parteitag der Reps am Wochenende nach Pfingsten im niederbayerischen Deggendorf demonstrieren - als große »Sammlung auf dem Weg nach Bonn« wie auch als »Trainingslager unter härtesten Bedingungen« (Schönhuber). Zu der Heerschau werden über 600 Delegierte erwartet, dafür reicht das Deggendorfer Kongreßzentrum gerade aus. Die Kameraden aus den neuen Bundesländern sollen, von Rostock bis Radebeul, mit Bussen auf Kosten der Bonner Parteizentrale herbeigeschafft werden.

Die Ausdehnung nach Osten und das Anwachsen auf bundesweit rund 20 000 Mitglieder veranlassen die Reps, ihren Bundesvorstand zu erweitern und die Zahl der Vize-Vorsitzenden von vier auf fünf zu erhöhen. In Deggendorf sollen ein Jugendverband der Partei initiiert und Einzelheiten der »Ruhstorf-Stiftung«, dem künftigen Schulungszentrum der Rechten in Bonn, erörtert werden.

Die geplante öffentlich-rechtliche Stiftung, benannt nach dem Ort eines Programm-Parteitages 1990, ist inzwischen beim nordrhein-westfälischen Innenministerium beantragt worden. Das erforderliche Kapital, 500 000 Mark, haben die Republikaner als Festgeld angelegt.

Beim Parteitag soll auch, wieder mal, eine »ganz andere Mannschaft« (Schönhuber) an der Rep-Spitze aufmarschieren und beweisen, was der baden-württembergische Landesvorsitzende Christian Käs, 32, schon kühn behauptet. »Wir sind«, so der Stuttgarter Rechtsanwalt, »raus aus dem Schmuddeleck altrechter Klischees.«

Zur neuen Elite gehören neben Käs und seinem smarten Landsmann und Anwaltskollegen Rolf Schlierer, 37, der schon als Schönhubers Kronprinz und Chefideologe ausgemacht ist, *___Werner Müller, 56: Der Wahlberliner aus Nürnberg, ein ____Ex-Sozi, der unter den Bundeskanzlern Willy Brandt und ____Helmut Schmidt als Ministerialdirektor und Chef der ____Abteilung Inland im Bundespresseamt wirkte, soll einer ____der Stellvertreter Schönhubers und »Auslandsexperte« ____werden; *___Alexander Hausmann, 40: Der Betriebswirt aus Starnberg ____gilt als der Mann, der die neue Beschwörungsformel der ____Partei, den »Sozialpatriotismus«, und die neue ____Wunsch-Rolle der Reps als »DM-Partei« intonieren kann; ____Hausmann-Kostprobe: Das »Inflationsgeld« Ecu diene ____einem »gigantischen System zur Ausbeutung der ____arbeitenden Menschen« und verurteile das deutsche Volk ____zur »ewigen Zahlknechtschaft«; *___Leo Thenn, 66: Den ehemaligen Marketing-Manager des ____Waschmittelkonzerns Lever Sunlicht hält Schönhuber für ____einen »exzellenten Salesman«; nach seiner ____"phantastischen Leistung« als Organisator des ____Landtagswahlkampfs in Baden-Württemberg will der ____Parteichef den Pforzheimer zum künftigen ____Bundeswahlkampfleiter küren lassen (Schönhuber: »Sogar ____der Pfarrer hat sehr wohlwollend über ihn gesprochen").

Hinter seinen neuen Spitzenfunktionären ortet der Rep-Vorsitzende aber auch schon die Hoffnungsträger »in der Nachwuchs-Phase«, etwa den Landesvorsitzenden von Nordrhein-Westfalen, Uwe Goller, 27, einen »sehr stabilen Arbeitersohn« und Bundeswehrsoldaten, oder den Holsteiner Kapitän zur See Peter-Michael Jensen, 40. »Das ist«, schwärmt Bayer Schönhuber, »kein Hans-Albers-Kapitän. Der is wirklich gefahren, des is a echter.«

Der Vorsitzende denkt und plant schon in großen Dimensionen. Seine Reps, träumt er, könnten »das werden, was die SPD einmal war: eine Arbeiterpartei«. Der »Sozialpatriotismus« ist seine »Vision« und die »Richtung, die in der Partei voll durchgeschlagen« habe.

Sein Vorzeigemann ist der ehemalige Würzburger SPD-Oberbürgermeister Klaus Zeitler, 62. Der Franke hat die SPD im Zorn über die parteiinterne Debatte um das Asylrecht verlassen und ist zu den Reps übergelaufen, weil er glaubt: »Die Republikaner von 1992 sind nicht mehr die von früher.«

Dennoch rechnet Schönhuber für das Marathon-Wahljahr 1994 insgeheim mit beiden Möglichkeiten: Triumph oder Niederlage. »Man kommt«, weiß der Parteichef, den trotz bester Gesundheit auch schon mal der Gedanke an einen plötzlichen Schlaganfall streift, »viel schneller wieder nach unten, als man mühselig nach oben geklettert ist.«

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