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Briefe

DEUTLICHE WORTE
aus DER SPIEGEL 11/1960

DEUTLICHE WORTE

Dieses Interview der »Deutschen Soldaten-Zeitung« mit dem Großrabbi Dr. Goldstein sollte in allen Tageszeitungen der Bundesrepublik abgedruckt werden! Es hätte eine weit bessere Wirkung gegen eventuell noch vorhandenen Antisemitismus als drakonische Gerichtsurteile oder die »Prügelrede« unseres Kanzlers. Beschämend nur, daß Herrn Dr. Goldstein kein anderes Sprachrohr für seine humanen Gedanken zur Verfügung steht als ausgerechnet eine Zeitschrift, die das Vernichten menschlichen Lebens glorifiziert.

Siersdorf (Kr. Jülich) PETER MONTAG

Herr Dr. Isaak Goldstein hat der jüdischen Sache einen guten Dienst erwiesen. Würden alle Juden so denken und handeln, hätte es nie einen Antisemitismus gegeben.

Berlin GÜNTER HEUSINGER

Ein Jude mit einem so gerühmten Stammbaum, wie ihn Herr Goldstein angibt, hätte niemals ein so niederträchtiges Interview - noch dazu in der DSZ - gegeben. Herr Goldstein hat sich mit diesem Interview selbst außerhalb des jüdischen Volkes gestellt. Den jüdischen Autoritäten und Rabbinern bleibt nur noch, diesen Schritt mit dem Bann offiziell zu bekräftigen.

Berlin-Grunewald EBERHARD WUST

stud. phil.

Es ist nicht zu leugnen, daß die von tiefem menschlichen Verständnis zeugenden Worte dieses mutigen Mannes den Beginn einer neuen Ära der Überwindung des seit 15 Jahren wieder herangezüchteten Antisemitismus einleiten können. Ob der Titel eines Großrabbiners nach Ansicht gewisser Leute zu Recht oder Unrecht geführt wird, ist gar nicht wichtig. Fest steht vielmehr, daß jeder beim Lesen des ungekürzten Interviews fühlt: Hier spricht ein großer Rabbiner und - ein großer Mensch.

Berlin-Charlottenburg H. SCHULTZE

Bei der Lektüre der Interview-Ausschnitte habe ich endlich das Gefühl erhalten, daß doch nicht alle Juden in Deutschland von ihrer Wertüberschätzung besessen sind. Wie können sich 30 000 Anhänger einer Religionsgemeinschaft - der auch ich angehöre - so in den Vordergrund des politischen Lebens spielen wollen? Kein anderes Land der Welt würde das dulden, was Juden in Deutschland in den letzten Monaten sich zu äußern erdreistet haben. Die Erziehung der jungen Deutschen, die deutsche Presse, das deutsche Rechtssystem und so weiter alles wurde kritisiert. Das hat immer nur gegen die Leute gesprochen, die derartige Äußerungen getan haben.

Mit Ihrem Artikel »Schrei in der Wüste« geben Sie ein schlechtes Zeichen von Opposition. Warum erkennen Sie nicht die konstruktiven Ideen, die Rabbi Goldstein entwickelt? Jeder Jude, der nicht mit Deutschland zufrieden ist, kann das Land verlassen. Bleibt er aber, so soll er auch die Rechte der Deutschen anerkennen und nicht, als Minderheit, ewig laut und dissonant seine Stimme erheben. Auch in Ihrem Magazin könnte das Wort deutsch im Titel mehr zur Wirkung kommen.

Brüssel DR. K. STEIN

Das Interview der »Deutschen Soldaten -Zeitung« hat Schwung und wird ein sehr großes Echo in der Welt haben. Da sind Könner am Werk, die selbst den SPIEGEL »überspiegeln«.

Celle OTTO SCHAGER

Sie zitierten eine von der »Deutschen Soldaten - Zeitung« falsch wiedergegebene Stellungnahme von mir zum 131er Gesetz. Ich darf darauf hinweisen, daß ich niemals gegen die Existenz eines Gesetzes, das im Grundgesetz verankert ist, polemisiert habe, wohl aber gegen den Mißbrauch und die verfehlte Anwendung von Vorschriften, die in manchen Fällen zu einer für den demokratischen Staat unheilvollen Besetzung

geführt haben. Mit dieser Beurteilung eines allgemein bekannten Sachverhalts befinde ich mich in der Gesellschaft vieler großer Tageszeitungen und maßgeblicher Politiker.

Düsseldorf 10 KARL MARX

Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland

Herausgeber

Wir deutschen Juden verwahren uns ganz entschieden dagegen, daß solche Großrabbis für uns sprechen. Es hat auch unter Hitler sogenannte Ehrenjuden gegeben, als der sich Dr. Goldstein sicher heute schon in weiser Voraussicht bei der DRP vormerken lassen will. Es ist immer gut, mehrere Eisen im Feuer zu haben. Ich glaube, daß er als Zionist gern in Israel leben würde! Ich frage aber, warum er denn nicht da ist. Finanzielle Transaktionen sind dort nicht zu machen, sondern in Israel muß man arbeiten. Ich kann ihm aber einen guten Tip geben: Um in der Wüste schreien zu können, soll er zu Nasser fahren; der sucht solche Renegaten.

Hannover WILHELM STEIN

Ich warte jetzt auf den Staatsanwalt, der den Großrabbiner Dr. Isaak Goldstein wegen Antisemitismus ins Gefängnis bringt. Hier zeigt sich wieder, daß Gold doch ein kostbares, seltenes Edelmetall ist. Analog: Hätten wir mehr davon, wie leicht wäre das Zusammenkommen.

Aschaffenburg IRMGARD V. WITTKEN

Marx

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