1. Mai in Deutschland Randalierer werfen Flaschen und Steine, Polizei setzt Pfefferspray ein

Die Demonstrationen zum 1. Mai sind in den meisten deutschen Städten friedlich verlaufen. In Berlin allerdings eskalierte die Lage am Abend.
Protest am 1. Mai in Berlin: Randalierer zündeten Müllcontainer und Paletten an

Protest am 1. Mai in Berlin: Randalierer zündeten Müllcontainer und Paletten an

Foto: FILIP SINGER / EPA

Bei der Demonstration linker und linksradikaler Gruppen in Berlin-Neukölln ist es am Samstagabend zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten gekommen. Auf der Sonnenallee hagelte es Flaschen und Steine gegen Beamte, wie dpa-Reporter beobachteten. Polizisten wurden angegriffen, als sie Störer aus der Menge ziehen wollten. Die Polizei setzte Pfefferspray ein.

Am späten Abend ist der Protest schließlich abgebrochen worden. Der Versammlungsleiter der Demo habe die Demonstration für beendet erklärt, nachdem er selbst aus der Menge angriffen worden sei, teilte die Polizei mit.

Randalierer hatten zuvor Müllcontainer und Paletten angezündet. Sanitäter waren im Einsatz. Mehrere Demonstranten wurden festgenommen. Die Polizei beschlagnahmte einen Lautsprecher der Demonstranten und räumte eine Kreuzung frei.

Nach Angaben der Polizei zündeten Randalierer am späten Abend auch ein Auto an. Es handele sich um einen großen Geländewagen, der im Stadtteil Neukölln stand, sagte eine Sprecherin. Rund 1000 Menschen versammelten sich zudem am Paul-Lincke-Ufer in Kreuzberg. Die Polizei gehe dort in den Einsatz, auch um auf die Ausgangssperre zu verweisen. Sie gilt ab 22 Uhr.

Revolutionäre 1.-Mai-Demo in Berlin: Polizisten halten eine Frau fest

Revolutionäre 1.-Mai-Demo in Berlin: Polizisten halten eine Frau fest

Foto: Michael Kappeler / dpa

Der Protestzug, der am Hermannplatz gestartet war und zum Oranienplatz in Kreuzberg laufen wollte, steckte zunächst fest und kam nicht weiter. Die Polizei hatte am Rathaus Neukölln einen Block mit schwarz gekleideten Demonstranten isoliert, in der Folge war der Zug zweigeteilt.

Größte revolutionäre Mai-Demo der vergangenen Jahre?

Wie die Polizei mitteilte, treten die Einsatzkräfte körperlichen Angriffen, Stein- und Flaschenwürfen, Brandstiftungen sowie dem Übersteigen von Absperrgittern entgegen und nehmen Straftäter fest.

Die Polizei ging nach anfänglicher Schätzung von rund 5000 Teilnehmern aus, später korrigierte sie die Zahl auf 8000. Beobachter sprachen hingegen von einer der größten revolutionären 1.-Mai-Demonstrationen der vergangenen Jahre. Die Organisatoren gaben die Teilnehmerzahl mit mehr als 20.000 an.

Schlagstock-Einsatz in Frankfurt

Bei der Mai-Demonstration linker Gruppen in Frankfurt am Main setzte die Polizei am Samstagabend Schlagstöcke ein. Aus dem Demonstrationszug seien Feuerwerkskörper und Nebeltöpfe geworfen worden, berichtete ein Polizeisprecher. Auch seien Beamte angegriffen worden, mehrere wurden demnach verletzt. Es habe daher erste Festnahmen gegeben. Die deutlich wahrnehmbaren Wasserwerfer setzte die Polizei zunächst nicht ein.

Mindestens zwei Demonstranten in Frankfurt mussten am Samstagabend notärztlich versorgt werden. Die Einsatzleitung bestritt Vorwürfe, dass Einsatzkräfte dafür verantwortlich gewesen seien. Ein Sprecher erklärte, dass es sich um medizinische Notfälle bei zwei Männern gehandelt habe.

Friedlicher Protest am Nachmittag (in Frankfurt am Main): Die Teilnehmenden waren bemüht, die Corona-Regeln einzuhalten

Friedlicher Protest am Nachmittag (in Frankfurt am Main): Die Teilnehmenden waren bemüht, die Corona-Regeln einzuhalten

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Die Polizei sprach von mindestens 3000 Menschen, die sich zu einem »Tag der Wut« zunächst auf dem Opernplatz versammelt hatten und dann durch das Bahnhofsviertel zogen. Laut Augenzeugen waren nahezu alle Teilnehmenden vermummt und gleichzeitig bemüht, die Corona-Regeln einzuhalten.

Friedlicher Protest am Nachmittag

Bereits am Nachmittag waren bundesweit viele Menschen zum Demonstrieren auf die Straße gegangen. Bis auf wenige Ausnahmen blieb es dabei überwiegend ruhig.

In Berlin protestierten rund 10.000 radfahrende Kapitalismuskritiker im Villenviertel Grunewald. In Lichtenberg versammelten sich rund 200 Gegner der Pandemiemaßnahmen. Im Bereich um den Ostbahnhof lief am Nachmittag eine Kundgebung für die Wiederbelebung der Kultur- und Klubszene.

Polizei kesselt Demonstranten in Hamburg ein

In Hamburg lieferten sich linke Demonstranten Auseinandersetzungen mit einem Großaufgebot der Polizei. Nachdem mehrere Demonstrationen und Kundgebungen wegen des Infektionsschutzes untersagt worden waren, versuchten kleinere Gruppen immer wieder, Demonstrationszüge zu formen oder Transparente zu entrollen.

Schon am Mittag wurde laut Polizei eine Demonstration mit rund 80 Linksextremisten zwischen Schanzenpark und U-Bahnhof Schlump gestoppt. Es kam vereinzelt zu Handgreiflichkeiten, als Beamte die Demonstrierenden aus der anarchistischen Szene von der Straße drängten. Eine Gruppe von mehr als 40 größtenteils schwarz gekleideten Demonstranten wurde wenig später in der Nähe der Messehallen von der Polizei eingekesselt. Sie seien in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Polizeisprecher.

Böller in Leipzig

In Leipzig berichtete die Polizei von Böllerwürfen auf ihre Einsatzkräfte. Demnach waren rund 200 Teilnehmer einer vorherigen Kundgebung in Richtung des Stadtteils Connewitz gezogen. Mobile Aufzüge seien derzeit allerdings nicht erlaubt, sagte ein Polizeisprecher. Daher habe die Polizei dort Kräfte zusammengezogen. Aus einer Gruppe von 20 bis 30 Menschen seien Pyrotechnik und Gegenstände auf die Polizisten geworfen worden. Daraufhin seien mehrere Verdächtige festgesetzt worden.

Weiße Rosen in Thüringen

In thüringischen Städten wurden vor Gerichten weiße Rosen als eine Reaktion auf das umstrittene Maskenurteil eines Weimarer Amtsrichters niedergelegt, zum Teil wurde der Familienrichter als »Verteidiger des Rechtsstaats« bezeichnet. Er hatte Anfang April mit einem Beschluss die Maskenpflicht an zwei Schulen in Weimar ausgesetzt. Daraufhin wurden mehrere Anzeigen gegen ihn erstattet. Die Staatsanwaltschaft geht nun der Frage nach, ob der Jurist seine Zuständigkeit überschritten hat.

An einem Autokorso in Erfurt, zu dem die Thüringer AfD am Tag der Arbeit aufgerufen hat, haben sich nach Polizeiangaben rund 240 Fahrzeuge beteiligt. An einem NPD-Aufzug in Greifswald nahmen laut Polizei etwa 230 Menschen teil, auch in Essen protestierte die Partei. Im sächsischen Plauen demonstrierte die rechtsextreme Kleinstpartei III. Weg, die Veranstalter mussten sich aber mit 25 Teilnehmern begnügen.

Motorrad-Demo in Bayern

In Bayern fand die größte Demo des Tages auf Motorrädern statt. Rund 7500 Motorradfahrer demonstrierten in Nürnberg gegen mögliche Wochenend-Fahrverbote. Der Bundesrat hatte diese vor einem Jahr der Bundesregierung für besondere Konfliktfälle nahegelegt – also in Gemeinden, in denen die Bürger stark unter Motorradlärm leiden.

Querdenker in Weimar

In Weimar kam es bei einer spontanen Kundgebung von Teilnehmenden aus dem Querdenker-Spektrum zu mehreren Festnahmen. Rund 200 Demonstrierende hatten sich vor dem Weimarer Amtsgericht versammelt und versuchten, eine Polizeikette zu durchbrechen. Die Polizei setzte gegen die Demonstranten Pfefferspray ein. Gegen Abend erklärte die Thüringer Polizei auf Twitter, es kehre langsam Ruhe ein und die Maßnahmen am Herrmann-Brill-Platz in Weimar seien größtenteils beendet. Man werde jedoch weiterhin präsent sein, um einen sicheren Übergang »in die normale Lage zu gewährleisten«.

wal/dpa