11. September Die ominösen Besuche des Terrorplaners in Hamburg

Jüngsten Ermittlungen zufolge soll Chalid Scheich Mohammed, der vermutlich maßgeblich an der Planung der Terroranschläge vom 11. September beteiligt war, im Jahr 1999 mehrmals Hamburg besucht haben. Dort traf er sich laut Zeugen auch mit der Terror-Zelle um Mohammed Atta. Auch über diesen gibt es neue Erkenntnisse.

Washington - Bisher ist die Meldung über den Hamburg-Aufenthalt des angeblichen Drahtziehers noch sehr vage. Mehrere amerikanische Zeitungen berichteten am Donnerstag, es gebe Hinweise, dass sich der vermeintliche Chefplaner der Terror-Attacken, Khalid Shaikh Mohammed, im Jahr 1999 mehrmals in Hamburg aufgehalten haben soll. Die "Los Angeles Times" zitiert gar einen anonymen Geheimdienstagenten, der von "häufigen Besuchen" an der Elbe spricht. Über den genauen Zeitpunkt oder andere Details schwiegen sich die Quellen jedoch offenbar aus.

Der gebürtige Kuweiter Mohammed, der inzwischen die pakistanische Staatsbürgerschaft besitzen soll, gilt als enger Vertrauter von Osama Bin Laden und wurde von den US-Ermittlern erst kürzlich als ein möglicher Drahtzieher der Anschläge vom 11. September identifiziert. Er befindet sich nach Erkenntnissen der US-Ermittler in Afghanistan und steht ganz oben auf der Fahndungsliste des FBI. Mohammed soll unter anderem die finanziellen Mittel für die Attentäter besorgt haben. Er sei von dem inhaftierten al-Qaida-Mitglied Abu Zubaydah als Organisator der Anschläge genannt worden, hieß es.

Kontakte zu Attas Männern?

Wegen des jetzt bekannt gewordenen Aufenthalts in Hamburg wurden sofort Spekulationen über einen Kontakt zu der Hamburger Terror-Zelle um Mohammed Atta laut. Es gebe mittlerweile mehrere Zeugen, die Khalid Shaikh Mohammed in der Wohnung der Hamburger Terror-Piloten in der Marienstraße 54 im Stadtteil Harburg gesehen haben wollen, berichteten amerikanische Medien.

Auf Seiten der deutschen Ermittlungsbehörden gab es zunächst keine Stellungnahme zu den neuen Erkenntnissen aus den USA, doch sie eröffnen eine ganz neue Perspektive bei der Fahndung nach den Hintermännern der Anschläge vom 11. September. Erst am Donnerstag hatte der FBI-Direktor Robert F. Mueller überraschend in einem Interview mit der "Washington Post" erklärt, die Anschläge seien - entgegen der immer wieder aus US-Kreisen verbreiteten Ansicht - nicht in Deutschland geplant worden. Mueller betonte, dass die Männer um Mohammed Atta zwar eine wichtige logistische Rolle bei der Planung gespielt hätten. Die wirklichen Drahtzieher aber hätten in Afghanistan gesessen.

Atta wollte Kleinflugzeug kaufen

Nicht nur wegen der neuen Erkenntnisse gehört Khalid Shaikh Mohammed mittlerweile neben Bin Laden selber zu den meistgesuchten Männern der Welt, über den die US-Behörden immer mehr Details bekannt geben. Die USA bieten 25 Millionen Dollar Belohung für Hinweise, die zu seiner Festnahme führen. Nach US-Angaben besuchte Mohammed, der laut Interpol 37 Jahre alt ist, Mitte der achtziger Jahre ein College in den USA und wechselte dann eine andere Hochschule in den USA, wo er seinen Abschluss als Ingenieur machte. Mohammed ist laut Interpol 1,55 Meter groß, 72 Kilogramm schwer und trägt zuweilen Bart und Brille.

"Ich dachte, ich helfe einem neuen Einwanderer"

Auch über Mohammad Atta selbst, den mutmaßlichen Anführer der 19 Flugzeugentführer vom 11. September, gibt es neue Erkenntnisse: Etwa ein Jahr vor den Anschlägen habe er mit einem Kredit den Kauf einer zweimotorigen Maschine finanzieren wollen, sagte die Kreditsachbearbeiterin im US-Landwirtschaftsministerium Johnell Bryant in einem US-Fernsehinterview am Donnerstag. Er habe gesagt, er sei Ingenieur. Bryant zufolge wollte Atta die sechs Sitze ausbauen und einen chemischen Tank einbauen, so dass nur noch Platz für den Piloten gewesen wäre. Nach den Anschlägen habe sie zu ihrem Entsetzen das Bild Attas in den Nachrichten gesehen und die US-Bundespolizei FBI informiert, berichtete der US-Sender ABC.

Der Kredit über 650.000 Dollar (686.000 Euro) sei nicht bewilligt worden, aber sie habe sich etwa eine Stunde mit Atta unterhalten. Atta habe sie nach US-Sehenswürdigkeiten gefragt und von dem Muslimextremisten Osama Bin Laden und dessen al-Qaida gesprochen. "Er sagte, dieser Mann (Bin Laden) werde einmal als großartigster Anführer der Welt bekannt werden."

Mit Sprengstoff vollgepackte Kleinflugzeuge

Atta habe unbedingt eine Luftaufnahme von Washington, die an ihrer Bürowand hing, kaufen wollen, erzählte Bryant. Er habe nach dem Weißen Haus und dem Verteidigungsministerium gefragt, und sie habe darauf gezeigt. Außerdem habe er nach den Sicherheitsvorkehrungen am World Trade Center gefragt, sagte Bryant weiter. Auch habe er wissen wollen, was sie über Chicago, Seattle und Los Angeles wisse. Großes Interesse habe Atta an einem offenen Stadion in Texas gezeigt.

Es sei ihr nicht eingefallen, die Begegnung jemanden zu melden, sagte Bryant. "Ich dachte, ich helfe einem neuem Einwanderer, das Land kennen zu lernen."

US-Ermittlungsbehörden bestätigten die Aussagen von Bryant. Befragungen eines engen Verbündeten von Bin Laden hätten die Aussagen unterstützt. Dieser hatte den Ermittlungsbehörden gesagt, Bin Laden habe ursprünglich Anschläge mit Kleinflugzeugen vollgepackt mit Sprengstoff geplant. Nachdem der Kredit für Atta nicht bewilligt worden sei, habe Bin Laden sich für die Entführung von Passagierflugzeugen entschieden.

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