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02. Oktober 2013, 12:07 Uhr

CSU-Gedenken an Franz Josef Strauß

Der ewige Übervater

Von , München

Vor 25 Jahren starb Franz Josef Strauß, für die CSU ist er bis heute Lichtgestalt. Seine Familie, die Christsozialen und der Freistaat Bayern gedenken ihres Übervaters jetzt bei vielen Veranstaltungen. So viel Erinnerung war selten. Die Skandale werden konsequent ignoriert.

Sein Name fehlt in kaum einer Rede von CSU-Chef Horst Seehofer. Darin taucht er etwa als der Mann auf, der Bayern vom Agrar- zum Industrieland machte. Oder als begnadeter Rhetoriker, dessen Sentenzen eigentlich immer passen. "Man muss einfach reden, aber kompliziert denken - nicht umgekehrt", ist so ein Satz, den Seehofer gern von ihm zitiert. An diesem Mittwoch ist Franz Josef Strauß der CSU mal wieder besonders nah: Die Partei und der Freistaat gedenken anlässlich seines 25. Todestages ihres langjährigen CSU-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten - es wird eine Feier mit reichlich Brimborium.

Es beginnt an diesem Mittwoch mit einem Symposium in der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung zu Ehren von Strauß, der am 3. Oktober 1988 als 73-Jähriger in einem Regensburger Krankenhaus nach einer Notoperation an Herz-Kreislauf-Versagen gestorben war. Abends gibt Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) einen Empfang im Kaisersaal der Residenz München. Rund 500 Gäste werden erwartet, CDU-Chefin Angela Merkel lässt sich durch ihren Generalsekretär Hermann Gröhe vertreten.

"Weg mit den roten Deppen"

Das Leben und Wirken von Strauß ist bis heute essentiell für die CSU. Er habe "den genetischen Code" der CSU geprägt, sagt Horst Seehofer. Strauß war es, der als Generalsekretär in den frühen fünfziger Jahren die Weichen dafür stellte, dass sich die CSU von der Honoratioren- zur Massenpartei entwickelte. Strauß war es, der die Partei ab 1961 als Vorsitzender zu glänzenden Wahlerfolgen führte: 47,5 Prozent bei der bayerischen Landtagswahl im Jahr 1962 waren nur der Auftakt, die 50-Prozent-Marke knackte er 1970, und wie: 56,4 Prozent. Vier Jahre später ging es noch weiter nach oben: 62,1 Prozent. Nie war die CSU kraftstrotzender.

Strauß war es, der den oft als Hinterwäldler verschrienen Bayern durch seine Kanzlerkandidatur im Jahr 1980 Selbstbewusstsein gab, auch wenn er die Wahl verlor. Zwar hatte Jahre zuvor bereits der in Fürth geborene Ludwig Erhard im Kanzleramt gesessen. Aber was gilt im Freistaat schon ein Franke gegenüber einem Oberbayern? Strauß war Münchner. Strauß war es, der regelmäßige Kraftproben wagte, mal mit der Schwesterpartei, mal überhaupt mit denen in Bonn. Strauß war es, der so herzhaft poltern konnte wie kaum ein anderer. "Weg mit den roten Deppen", sagte er etwa über die SPD, als sie mit der FDP regierte. Über die Grünen: "Melonenpartei - außen grün, aber innen rot."

Facetten hatte er viele: Sohn eines Metzgers, der zum Klassenprimus am renommierten Münchner Maximiliansgymnasium wird und später Altphilologie und Geschichte studiert. Hochintelligent und gleichzeitig derber Bierzeltredner. Leidenschaftlicher Radsportler (süddeutscher Straßenmeister im Jahr 1934), Jäger, waghalsiger Pilot und dazu ein Mann, der, ja, unglaublich fressen und saufen konnte. Eine Urgewalt von einem Mann also, und damit der Idealtypus für diese bayerische Partei, die Glanz, Größe und Stärke will.

"Größter politischer Sohn Bayerns nach dem Zweiten Weltkrieg"

Ihr einziges Fundament ist der Freistaat, damit unterscheidet sich die CSU von allen anderen etablierten Parteien. Also braucht sie bei Wahlen diese stete Rückversicherung, dass ihre Stärke bis in die Bundeshauptstadt strahlt und dass sie nicht einfach eine kleine Regionalpartei mit zu großem Mundwerk ist. Strauß verlieh der CSU diese Kraft.

Das Präludium für die heutigen Feiern gab es bereits vor wenigen Wochen. Die CSU hatte Anfang September zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich Strauß' 98. Geburtstag geladen. "Ich glaub', es würde ihm gefallen, so wie sein Bayern, sein Freistaat heute in der Welt dasteht", sagte Seehofer.

Vor ein paar Tagen dann ein opulenter "Report" in der Parteizeitung "Bayernkurier": 18 Seiten über FJS. Die CSU habe sich unter Strauß "zu einem Solitär in der deutschen Parteienlandschaft entwickelt", schrieb Seehofer. "Der größte politische Sohn Bayerns nach dem Zweiten Weltkrieg" lebe in den Herzen der Menschen weiter, schrieb der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber. Es gab Bilder von Strauß' Privatpilotenlizenz, von seinem Sprechfunkzeugnis und der Ehrendoktorurkunde der Münchner LMU. Kein Wort dagegen zu seiner Rolle als Verteidigungsminister in der SPIEGEL-Affäre, die ihn 1962 zum Rücktritt zwang.

100.000 Menschen kamen 1988 zum Trauerzug. Die Zeiten des großen Trauertourismus in Rottal am Inn sind vorbei, aber an besonderen Jahrestagen wird die Erinnerung an FJS von der CSU weiterzelebriert. Heute also der 25. Todestag. Man mag sich gar nicht ausmalen, was im Freistaat los sein wird, wenn sich der Tag zum 50. Mal jährt.

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