CSU-Gedenken an Franz Josef Strauß Der ewige Übervater

Vor 25 Jahren starb Franz Josef Strauß, für die CSU ist er bis heute Lichtgestalt. Seine Familie, die Christsozialen und der Freistaat Bayern gedenken ihres Übervaters jetzt bei vielen Veranstaltungen. So viel Erinnerung war selten. Die Skandale werden konsequent ignoriert.

AP

Von , München


Sein Name fehlt in kaum einer Rede von CSU-Chef Horst Seehofer. Darin taucht er etwa als der Mann auf, der Bayern vom Agrar- zum Industrieland machte. Oder als begnadeter Rhetoriker, dessen Sentenzen eigentlich immer passen. "Man muss einfach reden, aber kompliziert denken - nicht umgekehrt", ist so ein Satz, den Seehofer gern von ihm zitiert. An diesem Mittwoch ist Franz Josef Strauß der CSU mal wieder besonders nah: Die Partei und der Freistaat gedenken anlässlich seines 25. Todestages ihres langjährigen CSU-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten - es wird eine Feier mit reichlich Brimborium.

Es beginnt an diesem Mittwoch mit einem Symposium in der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung zu Ehren von Strauß, der am 3. Oktober 1988 als 73-Jähriger in einem Regensburger Krankenhaus nach einer Notoperation an Herz-Kreislauf-Versagen gestorben war. Abends gibt Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) einen Empfang im Kaisersaal der Residenz München. Rund 500 Gäste werden erwartet, CDU-Chefin Angela Merkel lässt sich durch ihren Generalsekretär Hermann Gröhe vertreten.

"Weg mit den roten Deppen"

Das Leben und Wirken von Strauß ist bis heute essentiell für die CSU. Er habe "den genetischen Code" der CSU geprägt, sagt Horst Seehofer. Strauß war es, der als Generalsekretär in den frühen fünfziger Jahren die Weichen dafür stellte, dass sich die CSU von der Honoratioren- zur Massenpartei entwickelte. Strauß war es, der die Partei ab 1961 als Vorsitzender zu glänzenden Wahlerfolgen führte: 47,5 Prozent bei der bayerischen Landtagswahl im Jahr 1962 waren nur der Auftakt, die 50-Prozent-Marke knackte er 1970, und wie: 56,4 Prozent. Vier Jahre später ging es noch weiter nach oben: 62,1 Prozent. Nie war die CSU kraftstrotzender.

Strauß war es, der den oft als Hinterwäldler verschrienen Bayern durch seine Kanzlerkandidatur im Jahr 1980 Selbstbewusstsein gab, auch wenn er die Wahl verlor. Zwar hatte Jahre zuvor bereits der in Fürth geborene Ludwig Erhard im Kanzleramt gesessen. Aber was gilt im Freistaat schon ein Franke gegenüber einem Oberbayern? Strauß war Münchner. Strauß war es, der regelmäßige Kraftproben wagte, mal mit der Schwesterpartei, mal überhaupt mit denen in Bonn. Strauß war es, der so herzhaft poltern konnte wie kaum ein anderer. "Weg mit den roten Deppen", sagte er etwa über die SPD, als sie mit der FDP regierte. Über die Grünen: "Melonenpartei - außen grün, aber innen rot."

Facetten hatte er viele: Sohn eines Metzgers, der zum Klassenprimus am renommierten Münchner Maximiliansgymnasium wird und später Altphilologie und Geschichte studiert. Hochintelligent und gleichzeitig derber Bierzeltredner. Leidenschaftlicher Radsportler (süddeutscher Straßenmeister im Jahr 1934), Jäger, waghalsiger Pilot und dazu ein Mann, der, ja, unglaublich fressen und saufen konnte. Eine Urgewalt von einem Mann also, und damit der Idealtypus für diese bayerische Partei, die Glanz, Größe und Stärke will.

"Größter politischer Sohn Bayerns nach dem Zweiten Weltkrieg"

Ihr einziges Fundament ist der Freistaat, damit unterscheidet sich die CSU von allen anderen etablierten Parteien. Also braucht sie bei Wahlen diese stete Rückversicherung, dass ihre Stärke bis in die Bundeshauptstadt strahlt und dass sie nicht einfach eine kleine Regionalpartei mit zu großem Mundwerk ist. Strauß verlieh der CSU diese Kraft.

Das Präludium für die heutigen Feiern gab es bereits vor wenigen Wochen. Die CSU hatte Anfang September zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich Strauß' 98. Geburtstag geladen. "Ich glaub', es würde ihm gefallen, so wie sein Bayern, sein Freistaat heute in der Welt dasteht", sagte Seehofer.

Vor ein paar Tagen dann ein opulenter "Report" in der Parteizeitung "Bayernkurier": 18 Seiten über FJS. Die CSU habe sich unter Strauß "zu einem Solitär in der deutschen Parteienlandschaft entwickelt", schrieb Seehofer. "Der größte politische Sohn Bayerns nach dem Zweiten Weltkrieg" lebe in den Herzen der Menschen weiter, schrieb der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber. Es gab Bilder von Strauß' Privatpilotenlizenz, von seinem Sprechfunkzeugnis und der Ehrendoktorurkunde der Münchner LMU. Kein Wort dagegen zu seiner Rolle als Verteidigungsminister in der SPIEGEL-Affäre, die ihn 1962 zum Rücktritt zwang.

100.000 Menschen kamen 1988 zum Trauerzug. Die Zeiten des großen Trauertourismus in Rottal am Inn sind vorbei, aber an besonderen Jahrestagen wird die Erinnerung an FJS von der CSU weiterzelebriert. Heute also der 25. Todestag. Man mag sich gar nicht ausmalen, was im Freistaat los sein wird, wenn sich der Tag zum 50. Mal jährt.



insgesamt 59 Beiträge
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ddobrodt 02.10.2013
1. Man kann über Strauß sagen...
was man will. Aber wenn, wie am 22. September geschehen, der/die aktuelle Bundeskanzler/in mehr Stimmen geholt hätte als er in seinem Königreich, so hätte er sicherlich die Wahl vom 22. angefochten....Eine Sache, die würde er nie akzeptieren...
trevorcolby 02.10.2013
2. Rofl
Zitat von sysopAPVor 25 Jahren starb Franz Josef Strauß, für die CSU ist er bis heute Lichtgestalt. Seine Familie, die Christsozialen und der Freistaat Bayern gedenken ihres Übervaters jetzt bei vielen Veranstaltungen. So viel Erinnerung war selten. Die Skandale werden konsequent ignoriert. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/25-todestag-csu-gedenken-an-franz-josef-strauss-a-925733.html
Es werden da unten bei derartigen Feierlichkeiten nicht nur die Skandale der werten Herrschaften (Patriarchen) vergessen sondern vor allem die unendliche Korruption in diesem Sumpf ! Wie sonst konnte der Meister der Korruption ein derartiges Vermögen vererben ? Seine Einkommen und Bezüge/Diäten als Abgeordneter und Staatsmann können ein derartiges Vermögen jedenfalls nicht hinterlassen haben. Wird das eigentlich mal aufgeklärt oder macht man es wie die Camorra mit dem Mantel des Schweigens in der nördlichsten Stadt Italiens ?
Beobachter123 02.10.2013
3. Franz Josef Strauß
Die Kritiker von Franz Josef Strauß haben seinen Erfolg nie verkraften können. Jetzt 25 Jahre nach seinem Tod Kritik zu äußern empfinde ich als stillos. Ich würde mir heutzutage öfter einmal Politiker mit Rückrat wünschen!
Retent 02.10.2013
4.
Zitat von sysopAPVor 25 Jahren starb Franz Josef Strauß, für die CSU ist er bis heute Lichtgestalt. Seine Familie, die Christsozialen und der Freistaat Bayern gedenken ihres Übervaters jetzt bei vielen Veranstaltungen. So viel Erinnerung war selten. Die Skandale werden konsequent ignoriert. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/25-todestag-csu-gedenken-an-franz-josef-strauss-a-925733.html
Der "Stern" fasste sie am 01.10.2008 so zusammen: Schützenpanzer HS-30: Von 1956 an liefert die Firma Hispano Suiza den Schützenpanzer HS-30 an die Bundeswehr. Das Milliarden-Projekt kommt zustande, obwohl es von dem Fahrzeug bis dahin nur Modelle gibt. Nach Medienberichten fließen Millionenbeträge an die CDU und den Referenten des damaligen Verteidigungsministers Strauß. Ein Untersuchungsausschuss kann trotz zweijähriger Arbeit keine Schmiergelder finden und keinen Verdächtigen überführen. Starfighter-Skandal: 1958 entscheidet Verteidigungsminister Strauß, die Luftwaffe mit dem Starfighter F 104 des US-Konzerns Lockheed auszurüsten. Lockheed-Repräsentant ist Ernest Hauser, ein Freund des Ministers. Noch bevor der auf deutsche Bedürfnisse umgerüstete Prototyp getestet wird, ordert Strauß 700 Maschinen. Viele Starfighter stürzen ab, das Wort vom "Witwenmacher" geht um. Der Bundesrechnungshof kritisiert Strauß wegen Verschleuderns von Milliarden. Der Verdacht von Korruption und Schmiergeldzahlungen wird nie ausgeräumt. Fibag-Affäre: Die Finanzbau-Aktiengesellschaft (Fibag) eines Strauß-Freundes bekommt 1961 den Auftrag zum Bau von Kasernen für in Deutschland stationierte US-Streitkräfte. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet über ein Empfehlungsschreiben von Minister Strauß für seinen Bekannten und sieht "Vorteilsnahme im Amt". Ein Untersuchungsausschuss kann Strauß keine Verfehlungen nachweisen. "Onkel Aloys": In einem "Spiegel"-Artikel wird Strauß vorgeworfen, einen Nennonkel seiner Frau ("Onkel Aloys") im Rüstungsgeschäft der Bundesregierung begünstigt zu haben. Der 1957 noch bankrotte Aloys Brandenstein sei durch die Auftrags-Vermittlung des Verteidigungsministers in wenigen Jahren zum Millionär geworden. In einem Zivilverfahren bis zum Bundesgerichtshof wird "Spiegel"-Chef Rudolf Augstein wegen "im hohen Grade ehrenrührig(er)" Behauptungen zur Zahlung eines Schmerzensgeldes an Strauß verurteilt. "Spiegel"-Affäre: Im Oktober 1962 berichtet "Der Spiegel" über ein NATO-Manöver. Gegen Mitarbeiter des Nachrichtenmagazins wird daraufhin ein Ermittlungsverfahren wegen Landesverrats eingeleitet. Chefredakteur Augstein und Autor Conrad Ahlers landen in U-Haft. Strauß lügt im Bundestag und bestreitet jegliche Beteiligung. Später räumt er ein, die Festnahme von Ahlers durch die spanische Polizei über die Botschaft in Madrid veranlasst zu haben. In der Folge muss er als Verteidigungsminister zurücktreten. Lediglich im weiß-blauen Königreich vergisst man alles Schlechte und nur das Gute bleibt in Erinnerung, so der Mrd-Kredit an die DDR, die eine Verlängerung dieses Staates ermöglichte!!
donrealo 02.10.2013
5. Interessant
Gestern unterhielt ich mich mit einem älteren politisch sehr engagierten Herren aus Chemnitz. Der erklärte mir wer in der früheren DDR als der wahre und wichtigste Freund des damaligen Volkes jenseits der Mauer betrachtet wurde. Es war FJS weil Milliarden von Devisen beschaffte und somit zumindest indirekt für etwas Erleichterung sorgte. Er war felsenfest der Meinung, daß der Tag der Deutschen Einheit nicht zufällig mit dem Todestag dieses Politikers übereinstimmt. Ein interessanter Gesichtspunkt
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