25 Jahre Wiedervereinigung So feierte Deutschland den Tag der Einheit

Es war spätsommerlich warm, Hunderttausende feierten in Berlin und Frankfurt den 25. Jahrestag der Wiedervereinigung. In seiner Festrede zog Bundespräsident Gauck Parallelen zur aktuellen Flüchtlingskrise.

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Bundespräsident Joachim Gauck wollte sich nicht auf eine Jubelrede zum Jubiläumstag der Wiedervereinigung beschränken. Ihm ist die Integration der Flüchtlinge zurzeit viel wichtiger. "Wie 1990 erwartet uns eine Herausforderung, die Generationen beschäftigen wird. Doch anders als damals soll nun zusammenwachsen, was bisher nicht zusammengehörte", sagte das Staatsoberhaupt am Samstag beim Festakt der deutschen Einheit in Frankfurt am Main (den kompletten Redetext finden Sie hier).

Der zentrale Festakt, zu dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kam, war der Höhepunkt der Einheitsfeiern. Auch in Berlin feierten Zehntausende Menschen friedlich am Brandenburger Tor ein "Festival der Einheit". Für den Abend waren Auftritte der Rockband Revolverheld und von Sängerin Lena geplant.

In Frankfurt würdigte Gauck die Leistungen der Bürgerrechtsbewegung in der DDR auf dem Weg zur Wiedervereinigung. Mit ihrem Aufbegehren hätten die Ostdeutschen den Westdeutschen ein großes Geschenk gemacht. "Die friedliche Revolution zeigt: Wir Deutschen können Freiheit", sagte der Bundespräsident.

Etliche DDR-Bürgerrechtler saßen bei der Feier in der Alten Oper in der ersten Reihe. Auch der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und der letzte DDR-Ministerpräsident Lothar de Maizière waren gekommen. Gastgeber war Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Der Festakt zum 3. Oktober findet immer in dem Bundesland statt, das aktuell den Vorsitz im Bundesrat innehat.

An Helmut Kohl, der aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein konnte, sandte Bouffier Dank für dessen historische Leistung als "Kanzler der Einheit". Auch eine Gruppe von Flüchtlingen nahm am Festakt teil. Das Bürgerfest in Frankfurt unter dem Motto "Grenzen überwinden" soll noch bis zum Sonntag dauern.

Für Unruhe sorgten am Nachmittag rund 50 Demonstranten, die das Bundesratszelt stürmten und die symbolische Übergabe der Bundesratspräsidentschaft verzögerten. Die Demonstranten verlangten ein Bleiberecht für Flüchtlinge und zeigten ein Transparent mit der Aufschrift "Nationalismus raus aus den Köpfen". Die Polizei drängte die Protestierer nach kurzer Zeit nach draußen.

Auf der Festmeile am Brandenburger Tor in Berlin blieb es laut Hauptstadt-Polizei friedlich. Wegen Überfüllung mussten Teile des Areals gesperrt werden.


Zusammenfassung: In ganz Deutschland feierten Hunderttausende den 25. Jahrestag der Wiedervereinigung. Die Festredner verloren trotz aller Freude aber auch das derzeit drängendste Problem nicht aus den Augen: Wie kann Deutschland Flüchtlinge aufnehmen, ohne die Bevölkerung zu überfordern?

mik/dpa

insgesamt 74 Beiträge
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gloradin 03.10.2015
1. Vielleicht die letzte Feier ...
denn was gibt es da bald noch zu feiern? Die Kehrwende wird aktuell schon eingeleitet. Haben wir damals dafür gekämpft, dass es so ein Deutschland geben wird, wie es sich jetzt anbahnt? Vielleicht kommt schon sehr bald die Zeit, an der wir wieder auf die Straße gehen müssen, um für den Erhalt unserer Werte zu kämpfen.
Allesdemokraten 03.10.2015
2. Mittelmäßigkeit
Eine Veranstaltung, die Millionen von Deutschen aus rechtlichen Gründen nicht im Fernsehen verfolgen können, ist für mich eine Ohrfeige der Regierenden für das Volk. Oder anders ausgedrückt. Der Bundestagspräsident Lammert nicht nicht einmal in der Lage eine Veranstaltung zu organisieren. So etwas nennt man "Mittelmäßigkeit"
malte_lubenow 03.10.2015
3. Das war also unser Nationalfeiertag!
Ja, dieses Ding heißt Tag der Deutschen Einheit, aber abgesehen davon, daß ich heute keine einzige Deutschlandfahne gesehen habe ( außer einer, die immer hängt - bestimmt ein Nazi ), hält der Herr Gauck eine Rede, als wenn unsere Nation erst 1990 ihren Anfang genommen hätte. Die Einheit ist nur Anlaß für den Termin dieses Feiertages - ein Nationalfeiertag umfaßt allerdings die ganze Geschichte einer Nation, eines Volkes. Kein einziges Wort davon. Und nun sollen wir ohne Vergangenheit eine Zukunft gestalten. Alles in allem enttäuschend, wenn auch nicht anders erwartet. Allen, denen etwas daran liegt, wünsche ich noch einen besinnlichen und auch fröhlichen deutschen Nationalfeiertag.
fwittkopf 03.10.2015
4. Genau,
die Parallele sieht so aus, daß die DDR ihre Grenzen aufgegeben hat und damit dem Untergang geweiht war. Die Einladung Merkels und die Aufhebung der Grenze durch Schabowski führen zum gleichen Ergebnis. Die letzte Feier, freuen wir uns.
Kappy 03.10.2015
5. Ost-West-Achse
Unter Foto 4 steht: "Die Straße (des 17. Juni) ist Teil der Ost-West-Achse, die einst Berlin teilte." Na das stimmt ja so nun nicht wirklich.
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