45-Prozent-Ziel Schröder wittert Eigentor der Union

Bundeskanzler Schröder hat der Union vorgehalten, die eigene Kanzlerkandidatin zu demontieren. Das ausgegebene Ziel von 45 Prozent der Stimmen hält er für zu hoch. Bei seiner Aufstellung als SPD-Kanzlerkandidat hatte Schröder 1998 noch anders argumentiert.


Berlin - Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zeigte sich in Berlin verwundert, dass die Union ihrer Kanzlerkandidatin Angela Merkel "eine Messlatte hinhält, die sie kaum überspringen können wird". Wenn man die Hürde so hoch hänge, schaffe man die Voraussetzung für Schuldzuweisungen nach dem Wahltag. Die Union habe mit dieser Forderung ein Eigentor geschossen. Auch SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter sagte in Berlin, ein Wahlziel von 45 Prozent für die Union sei unrealistisch und ein "gezielter Angriff auf die Spitzenkandidatin".

Die Marke von 45 Prozent der Stimmen hatte zuvor CSU-Generalsekretär Markus Söder in Berlin ausgegeben. CSU-Chef Edmund Stoiber hatte dem Magazin "Stern" gesagt, das Potential der Union liege "bei 42 bis 45 Prozent". Mit ihm als Kanzlerkandidaten hatte die Union bei der Bundestagswahl vor drei Jahren 38,5 Prozent erzielt.

Was Gerhard Schröder heute als Affront gegen Merkel wertete, nutzte er bei den Bundestagswahlen 1998 noch zu seinem Vorteil. Um sich als Kanzlerkandidat parteiintern gegen Mitbewerber Oskar Lafontaine durchzusetzen, legte er bei der vorangehenden Landtagswahl in Niedersachsen die Messlatte besonders hoch. Er dürfe nicht mehr als zwei Prozentpunkte verlieren, gab er als selbst gestecktes Ziel aus. In Zahlen hieß das: mindestens 42 Prozent.

Führende Sozialdemokraten in Nordrhein-Westfalen forderten damals sogar, er müsse die absolute Mehrheit im niedersächsischen Landtag verteidigen. Schröder schaffte beides. Als amtierender Ministerpräsident holte er bei den Landtagswahlen 47,9 Prozent der Stimmen und baute die absolute SPD-Mehrheit sogar noch weiter aus.



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