Fest zum 70. Geburtstag Kohl will nicht mit Schäuble feiern

Es wurde munter spekuliert über eine Chance zur späten Versöhnung. Nun steht fest: Helmut Kohl wird bei der Feier zum 70. Geburtstag Wolfgang Schäubles nicht dabei sein. Die Bundestagsfraktion von CDU und CSU hat den Altkanzler eingeladen - doch der sagte ab.
Schäuble und Kohl im Jahr 1996: "Wir haben unsere Beziehung beendet"

Schäuble und Kohl im Jahr 1996: "Wir haben unsere Beziehung beendet"

Foto: picture-alliance / dpa

Berlin - Es soll eine richtig große Feier zum 70. Geburtstag von Wolfgang Schäuble werden, ein Fest, "wie es noch nie eines für einen Politiker gegeben hat" - so hat es Volker Kauder jüngst angekündigt. Zu Ehren des Bundesfinanzministers lädt der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für den 26. September zur Party ins Deutsche Theater in Berlin ein. Zahlreiche Promis aus Politik, Kultur und Gesellschaft sollen dabei sein, Kanzlerin Angela Merkel hält die Geburtstagsrede, dazu ist ein buntes Programm geplant. Die Überraschung, so heißt es, werde für Schäuble perfekt sein.

Zu dieser Überraschung sollte wohl auch ein besonderer Gast gehören, der in den vergangenen Jahren nicht gerade zu den engsten Freunden Schäubles gehörte: Helmut Kohl. Doch aus dem Coup einer späten, zumindest symbolischen Versöhnung wird nichts. Denn der Altkanzler will nicht zur Schäuble-Ehrung kommen. "Der Bundeskanzler a. D. hat eine Einladung des Fraktionsvorsitzenden erhalten", heißt es aus Kohls Berliner Büro. Und weiter kurz und knapp: "Er hat abgesagt." So wird es auch in der Bundestagsfraktion bestätigt.

Der Besuch Kohls auf dem Schäuble-Empfang wäre eine politische Sensation gewesen. Das Verhältnis zwischen den beiden ist seit Jahren zerrüttet. Kohl hatte Schäuble Mitte der Achtziger zum Minister gemacht, später verbaute er ihm den Weg zur Kanzlerschaft, während der CDU-Spendenaffäre kam es zum Zerwürfnis - politisch und menschlich. Die Versöhnung blieb bis heute aus. Zuletzt verteidigte Schäuble den Altkanzler zwar gegen Vorwürfe, dieser sei Mitschuld an der Euro-Krise. Er betonte aber auch: "Wir haben unsere Beziehung beendet."

Kohl fit für öffentliche Auftritte - aber nicht bei Schäuble

Daran wird sich nun vorerst nichts ändern. Über die Gründe für Kohls Absage schweigt sich sein Büro aus. Manch einer in der Union verweist auf den angeschlagenen Gesundheitszustand des Altkanzlers, der jeden öffentlichen Termin zu einer großen Anstrengung mache. Allerdings scheint sich Kohl derzeit durchaus fit genug für derartige Auftritte zu fühlen: Gleich zwei davon sind im unmittelbaren Umfeld der Schäuble-Feier geplant, beide in Berlin.

Am Tag nach dem Geburtstagsempfang für den Finanzminister findet im Deutschen Historischen Museum eine Feier zum 30. Jahrestag des Beginns der Ära Kohl statt. Dieser will dort auch selbst sprechen. Kanzlerin Merkel soll zu diesem Anlass auch eine Sonderbriefmarke mit Kohls Konterfei vorstellen - normalerweise der Job des Finanzministers.

Schäuble könnte den alten Kontrahenten aber auch am Tag vor seinem eigenen Fest treffen. Am 25. September nämlich will Kohl die Bundestagsfraktion von CDU und CSU besuchen - zum ersten Mal seit zehn Jahren.

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