80.Geburtstag Margot Honecker wünscht Deutschland Frieden

Sie galt wegen ihrer Haartönung als "blaue Eminenz" – und wurde oft als bestgehasste Frau der DDR bezeichnet. Heute wird Margot Honecker, Witwe des ehemaligen DDR-Staatschefs, 80 Jahre alt. Zum Geburtstag wünscht sie sich für die Bundesrepublik, dass "Frieden ist".


Hamburg - Interviews gibt Margot Honecker eigentlich schon seit Jahren nicht mehr. Sie lebt zurückgezogen in einem Vorort von Santiago de Chile. Nun fing sie ein "Bild"-Reporter vor ihrem Anwesen auf dem Weg zum Einkaufen ab und stellte ihr einige Fragen.

Margot Honecker (Archivbild von 1994): "Dass es dem Land in Zukunft besser gehen möge"
DPA

Margot Honecker (Archivbild von 1994): "Dass es dem Land in Zukunft besser gehen möge"

Die Antworten der Witwe fielen recht einsilbig aus. Luis Corvalán, Ex-Chef der kommunistischen Partei Chiles würde zu ihrem Geburtstag kommen, dazu ihre Familie. Gerüchte über einen Bruch mit ihrer Tochter Sonja, die ebenfalls in Chile lebt, bezeichnete sie als "Gerede".

Ihre Wünsche für Deutschland beschrieb sie so: "Schreiben Sie doch, dass ich mir für Deutschland wünsche, dass es dem Land in Zukunft besser gehen möge. Dass kein Sozialabbau mehr stattfindet. Und das Frieden ist. Ja. Das wünsche ich mir."

Honecker wurde 1927 in Halle an der Saale als Tochter eines Schuhmachers geboren, der wegen seiner Tätigkeit für die Kommunistische Partei während des Nationalsozialismus in KZ-Haft geriet.

Sie selbst trat nach dem Krieg der KPD/SED bei und erlebte dort einen steilen Aufstieg. 1953 heiratete sie den damaligen FDJ-Zentralrat Erich Honecker. Die Ehe hielt bis zu dessen Tod 1994, die letzten 20 Jahre der DDR galt das Paar jedoch als getrennt.

Seit 1963 bekleidete Honecker das Amt der DDR-Volksbildungsministerin. Dabei sorgte sie dafür, dass die Schulbildung der ideologischen Ausrichtung der Partei folgte. Honecker trug auch die Hauptverantwortung für die Zwangsadoptionen von Kindern, deren Eltern wegen "Republikflucht" oder Spionage verhaftet wurden. Diese wurden oft ohne die Einwilligung der Eltern zur Adoption freigegeben. Honecker behielt sich in diesen Fällen direkte Einflussnahme vor. Auch leitete sie Beschwerden an ihr Ministerium in einigen Fällen persönlich an die Stasi weiter.

Kurz vor der Wende trat Honecker, ihrem Mann nachfolgend, zurück. 1992 wanderten das Ehepaar nach Chile aus. Dort lebt sie in La Reina ("die Königin"), einem Vorort von Santiago, in dem die gehobene Mittelschicht zuhause ist. Für ihre dreißigjährige Ministertätigkeit erhält sie vom deutschen Staat rund 1500 Euro Pension monatlich, inklusive Witwenrente.

joh



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