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09. November 2009, 15:31 Uhr

9. November 1989

Franzosen lästern über Mauerspecht Sarkozy

Mit einer Hacke an der Mauer - dieses Bild hat Nicolas Sarkozy auf Facebook gepostet. Es zeigt ihn angeblich bereits am 9. November 1989 in Aktion. Ein französischer Journalist hat jetzt Zweifel geäußert. Er behauptet, der Politiker sei erst später in Berlin gewesen. Viele Franzosen spotten bereits.

Paris- Zum Festakt am Brandenburger Tor an diesem Montag hat sich auch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy angekündigt. 20 Jahre nach dem Fall der Mauer feiert Berlin mit vielen Staatsgästen das Fest der Freiheit. In Frankreich wird derzeit über einen anderen Deutschland-Besuch Sarkozys diskutiert: Es mehren sich Zweifel an der von Sarkozy verbreiteten Episode, er habe sich bereits in der Nacht des 9. November 1989 in Berlin mit einem Pickel als "Mauerspecht" betätigt. Dies sei lediglich von der PR-Abteilung des Präsidenten so hingebogen worden, schreibt Alain Auffray in einem Blog der Zeitung "Libération". Tatsächlich sei Sarkozy erst später in Berlin gewesen. Am 9. November 1989 sei er wie jedes Jahr bei einer Gedenkfeier zum Todestag von General de Gaulle gewesen.

Der Élysée konnte am Montag mehrere widersprüchliche Informationen nicht ausräumen, hält aber an der Version fest, dass Sarkozy am 9. November in Berlin war.

Sarkozy hatte auf seinem Facebook-Profil ein Foto veröffentlicht, das ihn mit einem Werkzeug in der Hand an einem buntbesprühten Mauerstück zeigt. Dazu schrieb er, er sei gemeinsam mit seinem Parteifreund Alain Juppé am 9. November nach Berlin gereist, "um bei dem Ereignis dabeizusein, das sich ankündigte". "Wir sind dann zum Checkpoint Charlie gezogen, um auf die Ostseite der Stadt zu wechseln und endlich diese Mauer zu sehen, auf die wir einige Pickelhiebe geben konnten. Um uns versammelten sich Familien, um gegen den Beton zu schlagen", heißt es weiter.

Bei Sarkozys Begleiter Juppé gehen die Daten wild durcheinander. In einem Interview sagte er kürzlich, dass er "am 10. oder 11. November" nach Berlin gereist sei. In einer Biografie heißt es, es sei erst der 16. November gewesen. Auf seinem Blog betont er nun aber, er sei wie Sarkozy am historischen 9. November in Berlin gewesen. Auf die Frage, welches Datum denn nun stimme, sagte sein Sprecher: "Eines davon."

Aus dem Archiv der Zeitung "Le Figaro" geht hervor, dass Juppé am 9. November bei einer Gedenkfeier für General Charles de Gaulle war und am 16. nach Berlin reiste. Anschließend habe er erklärt, dass es sich um ein historisches Ereignis handle, "vor dem man keine Angst haben muss". Sarkozy sei wohl erst am 16. November nach Berlin gereist, heißt es in mehreren französischen Berichten. Es könne nicht der Wahrheit entsprechen, dass Sarkozy bereits am 9. November 1989 als "Mauerspecht" an der Berliner Mauer gehackt habe.

Auf Sarkozys Facebook-Profil mehren sich unterdessen bissige Kommentare. "Lügner", schimpfte einer. "Was fällt Ihnen ein, die Geschichte umzuschreiben?", meinte ein anderer.

Auch in den Foren mancher französischer Nachrichtenseiten wird das Thema bereits ausführlich besprochen. Dort lästern viele über ihren Präsidenten. So schreibt "Recollé" im Forum von "Le Figaro", dass sicher auch der Satz "Ich bin ein Berliner" von Sarkozy stamme - der damalige US-Präsident John F. Kennedy hatte den Satz bei seinem Berlin-Besuch im Juni 1963 gesagt. Der User "Seingalt13" schreibt, er habe damals in der französischen Botschaft in Berlin gearbeitet. In der Botschaft habe damals niemand eine Ahnung davon gehabt, was am 9. November passieren würde. Es sei deshalb unglaubwürdig, wenn Sarkozy vorgebe, er habe damals von Paris aus geahnt, dass in Berlin mit einer besonderen Entwicklung zu rechnen sei.

hen/dpa/AFP

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