Mängel an Transportflugzeug A400M Schrauben locker

Während die Verteidigungsministerin über neue Auslandseinsätze redet, kämpft die Bundeswehr mit den Tücken ihrer Ausrüstung: Nach SPIEGEL-Informationen wurde beim Truppentransporter A400M ein neuer, gravierender Mangel entdeckt.

Airbus A400M auf dem Vorfeld des Fliegerhorsts Wunstorf
Christophe Gateau/ DPA

Airbus A400M auf dem Vorfeld des Fliegerhorsts Wunstorf

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Die Bundeswehr hat wegen neuer Qualitätsmängel am Truppentransporter A400M drastische Konsequenzen gezogen.

Wegen Problemen an den Propellern weigert sich die Truppe nach SPIEGEL-Informationen jetzt vorerst, bereits für die Transportflotte der Luftwaffe produzierte A400M vom Hersteller Airbus abzunehmen.

Kurz zuvor war bei einem A400M in Frankreich entdeckt worden, dass sich an den Propellern des Flugzeugs wichtige Schrauben gelöst hatten. Daraufhin wurden umfangreiche Inspektionen bei allen A400M-Kunden angeordnet. Die führen nun auch in Deutschland zu Ausfällen von A400M-Fliegern und Einschränkungen der Einsatzbereitschaft der Luftwaffe.

Das Verteidigungsministerium bestätigte den Vorgang auf SPIEGEL-Nachfrage. Ein Sprecher sagte, Hersteller Airbus müsse "vor Auslieferung sicherstellen, dass der A400M uneingeschränkt einsatzbereit ist, das beinhaltet auch die Beseitigung des Mangels am Propeller". Weil das noch nicht geschehen sei, sei auch "die Übernahme des einen anstehenden A400M aktuell nicht erfolgt".

Der Mangel betrifft 24 Befestigungsmuttern, sogenannte dowel bolt nuts, sie verbinden die vom Propellergetriebe abgehende Welle mit dem Propeller. Lösen sich die Muttern wie bei dem A400M in Frankreich, könne dies "zu schwerwiegenden strukturellen Schäden am Propeller und der Welle führen", so der Ministeriumssprecher.

Befestigungsmuttern an 31 Bundeswehrflugzeugen werden überprüft

Die Bundeswehr ordnete wegen des Problems zudem umfangreiche Überprüfungen der 31 bereits ausgelieferten A400M an. Pro Maschine brauchen die Techniker dazu mindestens 30 Stunden, die betroffenen Flieger fallen damit mindestens einen Tag aus. Trotz der Ausfälle aber könne die Luftwaffe ihre Einsatzflüge derzeit noch stemmen, heißt es aus dem Ministerium.

Hersteller Airbus reagierte zurückhaltend auf eine SPIEGEL-Anfrage zu den neuen Problemen. Airbus arbeite mit allen Kunden daran, die gesteckten Ziele für den A400M zu erreichen, sagte ein Sprecher. Mit Deutschland befinde man sich derzeit "in Diskussionen über die speziellen Auslieferungskriterien". Dies sei aber "Teil des Standardprozesses".

Für Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer kommen die neuen Probleme zur Unzeit. Seit Amtsantritt macht die CDU-Chefin mit Ankündigungen für neue Auslandsmissionen der Bundeswehr Schlagzeilen. So kündigte sie an, Deutschland wolle sich an einer Schutztruppe für Nordsyrien beteiligen oder sie gar anführen.

Dass es nun ausgerechnet beim A400M, der logistisch für jede Mission der Bundeswehr für den Transport von Soldaten und Material unabdingbar ist, wieder erhebliche Probleme gibt, wirkt da wie ein Realitätscheck für Kramp-Karrenbauers außenpolitische Ambitionen und die Frage, ob ihre Truppe neue Missionen leisten kann.

Der A400M gilt seit Jahren als eines der traurigen Beispiele für das Chaos beim Einkauf von Rüstungsgütern. Gestartet als europäisches Projekt, gab es immer neue Probleme. Am Ende wurden die Flieger erheblich teurer als geplant und mit jahrelangem Verzug ausgeliefert und hatten dazu noch erhebliche Mängel.

In den letzten Monaten aber gab es hoffnungsvolle Nachrichten vom modernen Truppentransporter. Schritt für Schritt gelang es, wichtige Fähigkeiten des Fliegers zu etablieren, dazu gehörte vor allem der für Flüge in Krisengebiete wichtige Schutz vor Raketenangriffen oder die Möglichkeit, Soldaten aus der Luft abzusetzen.



insgesamt 122 Beiträge
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sandnetzwerk 13.11.2019
1. Das ist alles nur die Folge
unerträglichen Lobbyismus. Die Berater kassieren nicht nur Milliarden, sie wirtschaften auch ausschließlich in die eigene Tasche. Die Folgen muss die Truppe ausbaden.
Nonvaio01 13.11.2019
2. Staats auftraege sind mittlerweile
ein freibrief fuer schlamperei. Ob BER, Bundeswehr ausruestungen, oder sonstiges...der Staat zahlt ja.
deduck 13.11.2019
3. Schraube locker
ja, gravierender Mangel wenn so wichtige Teile, wie der Propeller betroffen sind. Aber auch schnell behebbar, wenn man das Problem erkannt hat. Kein Grund das ganze technische Material der BW erneut in Frage zu stellen.
wolfabc 13.11.2019
4.
Aha, Befestigungsschrauben sind also "dowel bolt nuts". Gut, dass das mal gesagt wurde. Vielen Dank für die Aufklärung, jetzt verstehe ich die Probleme um das Transportflugzeug viel besser.
gunpot 13.11.2019
5. AKK soll ja durch Schlagzeilen
glänzen, aber doch nur durch solche, dass sie der Nichteinsatzbereitschaft ganzer Waffensyteme mit einem wohldurchdachten und abgestimmten Plan zu Leibe rückt, Hierfür die Kosten und die Realisierungszeiträzume nennt. Wie kann die Frau nur Bundeswehreinsätze im Ausland anbieten und nicht ihr Haus in Ordnung bringen. Mangelden Realistätssinn kann man ihr wohl bescheinigen.
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