Transportflugzeug Luftwaffe muss weiter auf A400M warten

Die geplante Modernisierung der Transportflotte stockt: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE bekommt die Bundeswehr dieses Jahr nur eine einzige neue Maschine vom Typ A400M.
Airbus A400M (in Sevilla): "Ein Schrecken ohne Ende"

Airbus A400M (in Sevilla): "Ein Schrecken ohne Ende"

Foto: MARCELO DEL POZO/ REUTERS

Die Erneuerung der alternden Transportflotte der Bundeswehr hat einen weiteren Rückschlag erlitten. Das Ministerium von Ursula von der Leyen gestand nach Informationen von SPIEGEL ONLINE am Mittwoch in der vertraulichen Sitzung des Verteidigungsausschusses ein, dass dieses Jahr vermutlich nur noch ein Modell des lang erwarteten A400M des Flugzeugbauers Airbus ausgeliefert wird.

Ob das dringend erwartete dritte A400M-Modell noch komme, sei mehr als ungewiss. "Gucken wir mal", sagte Rüstungsstaatssekretärin Katrin Suder ziemlich lakonisch.

Das Klima zwischen der Bundeswehr und Airbus wird wegen der neuen Verzögerungen immer rauer. Einen vorgelegten Lieferplan für die nächsten Maschinen habe man vonseiten der gemeinsamen Agentur der Kunden zurückgewiesen, da dieser keine klare Zeitlinie enthalten habe, hieß es von Teilnehmern der Sitzung. Mehrmals hatte Suder in der Vergangenheit mit Schadensersatzforderungen gedroht, sollte der Zeitplan weiter in Verzug geraten, der eigentlich fünf A400M für dieses Jahr beinhaltete.

Die Planung für die schrittweise Ablösung der altersschwachen Transportflugzeuge vom Typ Transall wird sich damit noch weiter als bisher befürchtet verzögern. Airbus liegt beim Zeitplan für den A400M immer weiter zurück. Deutschland hatte ursprünglich 53 der modernen Transportflieger bestellt, doch die Auslieferung verzögerte sich immer wieder. Folglich hat die Luftwaffe bereits eine Art Notflugplan für die überalterten Transalls aufgelegt, um die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr irgendwie aufrechtzuerhalten.

"Schadensersatzansprüche zügig geltend machen"

Noch größer sind die Probleme für die geschützte Variante des A400M, die über ein Abwehrsystem gegen Boden-Luft-Raketen verfügt. Maschinen dieser Art gelten als unersetzbar, sie sind für Flüge in Krisengebiete dringend notwendig. Die Transalls haben zwar teilweise solche Systeme, sind aber wegen ihres Alters wartungsanfällig. Eigentlich wollte Airbus 2016 mit der Auslieferung der ersten geschützten A400M beginnen, dies scheint wegen akuter Probleme bei der Produktion jedoch aktuell völlig unrealistisch.

Wegen des Sorgenkinds hat die Bundeswehr eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich nur noch um den A400M kümmert. Derzeit werden Verspätungen und Mängel gesammelt. Bislang seien 300 Millionen Euro Mehrkosten zusammengekommen, hieß es schon im Sommer diesen Jahres, deshalb werde man hart verhandeln. Da auch die anderen Kunden des europäischen Projekts ihre Flugzeuge viel zu spät oder gar nicht bekommen, tauscht man sich unter den Wehrressorts mittlerweile regelmäßig aus.

Der Grünen-Abgeordnete Tobias Lindner beschreibt das Debakel um den Frachtflieger als "ein Schrecken ohne Ende" und fordert gegenüber SPIEGEL ONLINE das Verteidigungsministerium auf, beim Hersteller Airbus "auf eine verbindliche Lieferplanung zu drängen und zustehende Schadensersatzansprüche zügig geltend zu machen".