Kritik an "desaströser Situation" SPD-Abgeordneter Bülow tritt aus Partei aus

Der SPD-Abgeordnete Marco Bülow gilt als Kritiker von Parteichefin Andrea Nahles. Nun verlässt er die Partei. Dem Bundestag will er aber weiter als fraktionsloser Abgeordneter angehören.

Marco Bülow (Archivbild)
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Marco Bülow (Archivbild)


Der Abgeordnete Marco Bülow tritt aus der SPD aus. Er wolle dem Bundestag aber weiter als fraktionsloser Abgeordneter angehören, sagte er am Montag vor der Dortmunder SPD. Zuerst hatte der "Tagesspiegel" über Bülows Entscheidung berichtet. Am Dienstag will er bei einer Pressekonferenz in Berlin über den Schritt sprechen - sowie "über die aktuelle, desaströse Situation in der SPD und über seine zukünftige Arbeit", heißt es in einer Pressemitteilung von Bülows Büroleiter.

Der 47-jährige gelernte Journalist vertritt den Wahlkreis Dortmund I. Laut seiner Homepage trat er 1992 in die SPD ein. Seit 2002 ist Bülow Mitglied des Bundestags. Innerhalb der SPD galt er zuletzt als isoliert.

Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Achim Post forderte Bülow nun auf, sein Mandat zurückzugeben. "Die Entscheidung von Marco Bülow ist der Schlusspunkt einer längeren Entwicklung, die für viele keine Überraschung ist", sagte Post dem Redaktionsnetzwerk Deutschland

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Bülow kritisiert seit Monaten die SPD und den Kurs von Parteichefin Andrea Nahles. Er gilt als entschiedener Gegner der Großen Koalition. Vor wenigen Monaten schloss er sich der "Aufstehen"-Bewegung von Linksfraktionschefin Sahra Wagenknecht an (mehr zu den Hintergründen erfahren Sie hier in einem Gastbeitrag Bülows).

Ein Verlust für Sahra Wagenknecht

Ob Bülow mit seinem Austritt zum jetzigen Zeitpunkt im Sinne seiner Mitstreiter bei "Aufstehen" handelt, darf zumindest bezweifelt werden. Bislang war die Strategie der Gruppe darauf ausgerichtet, Unterstützer aus dem Umfeld von SPD, Grünen und Linken gerade dadurch anzusprechen, dass eigene Frontleute wie Bülow zugleich Mitglieder dieser Parteien sind.

Zwar konnten die "Aufstehen"-Leute bislang nicht glaubhaft den Verdacht ausräumen, dass sie am Ende nicht doch eine eigene Partei gründen wollen. Allerdings befindet sich die Organisation derzeit noch im Aufbau. Ein Programm wird gerade entwickelt, erst im Frühsommer soll ein Bundeskongress entscheiden.

Zuletzt stagnierte jedoch der Zuwachs an Aufstehen-Unterstützern weitgehend. Politiker bei SPD und Grünen lehnten Avancen ab. Mit Bülow verliert Wagenknechts Bewegung nun ihren einzigen aktiven Bundespolitiker in den Reihen der Sozialdemokraten.

aar/kev/dpa



insgesamt 80 Beiträge
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Seite 1
joha0412 27.11.2018
1. Respekt Herr Bülow,
hoffentlich gibt es noch einige aufrechte Sozialdemokraten Ihres Stils, ich hoffe man hört noch viel Gutes von Ihnen.
lordofaiur 27.11.2018
2. Unbekannt
Ich habe noch nie von diesem Mann gehört. Hätte mir gewünscht welche Differenzen der Mann mit Nahles genau hatte. Das geht aus dem Artikel nicht hervor. Schade.
rolfm 27.11.2018
3.
Guter Mann! Ich hoffe es folgen ihm noch einige SPD Abgeordnete, damit es mal ein "Aufwachen" bei der SPD gibt! Nahles muss weg!
dasfred 27.11.2018
4. Wenn er sich verbessern kann, gerne
Die SPD von heute ist nur noch etwas für Menschen, die den Glauben an eine bessere Welt längst aufgegeben haben. Einige sind noch auf ihre Ämter angewiesen, weil sie nichts gelernt haben, was der Arbeitsmarkt gerade sucht. In der Reihenfolge der SPD Vorsitzenden hat die Partei mit Andrea Nahles den Tiefpunkt erreicht, ohne Aussicht auf Besserung. Mit den Linken will man nicht, weil da zuviel abtrünnige Ehemalige drin sind, mit Grün allein reicht es fast nirgends und von der CDU lässt sich die Partei jedes positiv besetzte Thema wegnehmen. Für die SPD sehe ich nur eine Chance, wenn sich die CDU auf Merz einigt und sie dann mit den anderen Mitte Links Parteien den Schulterschluss sucht.
ncpw 27.11.2018
5. Gelernter Journalist?
Herr Bülow hat zwar lange verschiedenes studiert, ohne je einen Abschluss zu erlangen (das sollte man ihm nicht vorhalten- da wäre er nicht der erste Politiker), aber Journalist kann sich jeder nennen wer will. Der "Verlust" von Frau Wagenknecht hält sich arg in Grenzen, da Herr Bülow nicht gerade zu den Schwergewichten der SPD gehörte und in seinem Heimatwahlkreis (Dortmund) hauptsächlich gewält wurde wegen seiner Parteizugehörigkeit und nicht wegen seiner Politik.
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