Abstimmung Grünen-Abgeordnete bekennt sich zu Köhler

Mindestens eine Delegierte der Grünen hat Bundespräsident Horst Köhler zu einer zweiten Amtszeit verholfen: Silke Stokar sagte der "Süddeutschen Zeitung", für Köhler gestimmt zu haben. DGB-Chef Michael Sommer kritisierte die mangelnde Unterstützung für SPD-Kandidatin Gesine Schwan.

Berlin - Die Bundestagsabgeordnete Silke Stokar gab ihre Stimme nach eigenen Angaben Horst Köhler, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet. Damit stünde das bürgerliche Lager nicht so klar wie bislang vermutet hinter Köhler.

"Ich bin seit Tagen überzeugt gewesen, dass ich im ersten Wahlgang Köhler wählen werde", sagte Stokar dem Blatt. Sie sei zudem sicher, dass weitere Vertreter der Grünen so gehandelt hätten, wollte aber keine Namen nennen. "Ich wollte bei der Bundespräsidentenwahl keine Verabredungen mit der Linkspartei", begründete die Abgeordnete aus Hannover ihre Entscheidung. An die Empfehlung der Fraktionsführung, Gesine Schwan zu wählen oder sich zumindest zu enthalten, habe sie sich nicht gebunden gefühlt: "Ich bin eine freie Abgeordnete."

Köhler war am Samstag mit 613 Stimmen gewählt worden, der exakt im ersten Wahlgang erforderlichen absoluten Mehrheit. Union, FDP und Freie Wähler hatten zusammen 614 Stimmen inne. Da Köhler die Stimme von Stokar erhalten habe, müssten mindestens zwei Vertreter aus dem bürgerlichen Lager Köhler ihre Stimme nicht gegeben haben, schlussfolgerte die Zeitung.

Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, beklagte unterdessen mangelnde Geschlossenheit der Wahlmänner von SPD und Grünen für deren Kandidatin Gesine Schwan. "Ganz offensichtlich hat das rot-grüne Lager nicht gestanden. Das kann sich ja jeder ausrechnen, der Adam Riese kennengelernt hat. Es fehlen zehn Stimmen. Da muss man mal sehen, wer das gewesen ist", sagte er dem Online-Portal des "Hamburger Abendblattes". Er persönliche habe "nie einen Hehl" daraus gemacht, dass er Horst Köhler schätze. "Ich habe trotzdem Gesine Schwan gewählt", sagte Sommer.

wit/rtr/ddp/AFP