SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

22. Februar 2012, 18:29 Uhr

Abstürze und Notlandungen

Wie die Bundeswehr 17 Drohnen verlor

Die Bundeswehr will ihre Drohnenflotte massiv ausbauen, doch die Risiken der unbemannten Flugmaschinen sind enorm. 17 deutsche High-Tech-Geräte sind in den vergangenen fünf Jahren zerstört worden - bei Abstürzen, Notlandungen oder Unfällen am Boden.

Berlin - Die Bundesregierung schwärmt von der "Vielfältigkeit der möglichen Verwendungsmöglichkeiten". Die Rede ist von Drohnen, also unbemannten, mit Kameras ausgestatteten Aufklärungsfliegern. Die Bundeswehr will ihre Drohnenflotte denn auch rasant ausbauen. Doch unproblematisch ist der Umgang mit den High-Tech-Fliegern nicht: In den vergangenen fünf Jahren sind 17 Bundeswehr-Drohnen in Deutschland und Afghanistan zerstört worden. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Schäden bei Dritten seien durch die Unfälle nicht entstanden. Interessant sind aber die Details über die Unfallumstände, die der Antwort der Regierung zu entnehmen sind. So musste in Afghanistan eine mittelgroße Drohne vom Typ "Heron 1" nach einer Notlandung wegen eines Triebwerkschadens vernichtet werden, nachdem ein Bergungsversuch fehlschlug. Eine weitere "Heron 1" stieß in Afghanistan am Boden mit einer parkenden Transall-Transportmaschine zusammen und beschädigte diese leicht. Das unbemannte Flugobjekt wurde bei dem Crash zerstört.

Insgesamt verfügt die Bundeswehr über 331 "fliegende Kameras" mit einem Gewicht zwischen 1,3 und 168 Kilogramm und einer Reichweite von bis zu 100 Kilometern. 2010 lieh die Bundeswehr zudem drei "Heron"-Drohnen in der Größe eines Segelflugzeugs für den Afghanistan-Einsatz aus. Am Hindukusch sind 70 Drohnen im Einsatz, in Deutschland fliegen die Drohnen ausschließlich über Truppenübungsplätzen.

Nun soll die Drohnenflotte rasch ausgebaut werden. So will sich die Bundeswehr laut Bundesregierung 16 sogenannte Hubschrauber-Drohnen vom Typ SAATEG VTOL anschaffen. Bekannt war bereits, dass auch fünf Aufklärungsdrohnen des Typs "Euro Hawk" gekauft werden sollen, jenem aus Karbon gefertigten Riesenvogel, der bis zu 25.000 Kilometer zurücklegen und aus einer Höhe von bis zu 20.000 Metern Signale am Boden orten, Radio- und Fernsehsendungen mitschneiden, Funksprüche und Telefonate abhören oder SMS mitlesen kann.

Die Bundespolizei beschaffte den Regierungsangaben zufolge zwischen 2006 und 2009 vier Drohnen. Über die Zahl der Überwachungsflugzeuge bei den Landespolizeien wurden keine Angaben gemacht. Die Drohnen könnten unter anderem zur Fahndung, Verkehrsüberwachung sowie zum Objektschutz und der Überwachung von Bahnstrecken eingesetzt werden.

Die Linke fordert nun eine stärkere Kontrolle des Einsatzes von Drohnen. Fliegende Kameras könnten zwar beispielsweise für Feuerwehr und Katastrophenschutz hilfreich sein, erklärten die Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko und Ulla Jelpke. "Dem Aufbau einer Spionageflotte für Polizei und Militär erteilen wir jedoch eine klare Absage."

jok/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung