Abzock-Debatte Ver.di-Chef fordert höhere Steuern auf Managergehälter

Was tun gegen überhöhte Managergehälter? Ver.di-Chef Bsirske fordert, die Bezüge stärker zu besteuern. Die SPD drängt weiter auf Gesetzesänderungen. Die Großverdiener selbst formieren sich zum Widerstand.


Berlin - Die Diskussion um die Multimillionen-Gehälter hochbezahlter Manager ist in vollem Gange. Die Herangehensweise von Ver.di-Chef Frank Bsirske: Er verlangt eine höhere Besteuerung von Managergehältern und großen Privatvermögen. "Wenn Firmeneigner durchsetzen, dass die Bezüge ihrer Vorstände explodieren sollen, dann bitte sehr. Aber aus meiner Sicht sollten diese Managergehälter wenigstens vernünftig besteuert und für die Gesellschaft abgeschöpft werden", forderte der Gewerkschaftsvorsitzende. Das Geld werde dringend zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben gebraucht, etwa für Bildung, soziale Sicherung sowie Infrastruktur und Forschung.

Ver.di-Chef Bsirske: Kampflustig gegen Spitzenverdiener
DPA

Ver.di-Chef Bsirske: Kampflustig gegen Spitzenverdiener

Auch die SPD sieht Handlungsbedarf und drängt weiter auf Gesetzesänderungen, um gegen überhöhte Managergehälter vorzugehen. Fraktionschef Peter Struck forderte in der Berliner "B.Z.", dass künftig alle Vorstandsbezüge ohne Ausnahme öffentlich gemacht werden müssten. Dazu solle eine Klausel abgeschafft werden, wonach die Hauptversammlung eines Unternehmens dies mit Drei-Viertel-Mehrheit verhindern kann.

Zudem sollten überhöhte Abfindungen künftig nicht mehr als Betriebsausgaben von der Steuer absetzbar sein. Allerdings räumte SPD-Chef Kurt Beck ein, dass Union und SPD in diesen Fragen noch weit auseinander lägen. Er drängte Bundeskanzlerin Angela Merkel, ihren Worten auch Taten folgen zu lassen. "Der Staat darf gegenüber wirtschaftlichen Entwicklungen nicht hilflos sein. Das schadet sonst der Demokratie", sagte Beck der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Wirtschaftsvertreter wehren sich nun gegen die Vorwürfe, Managergehälter seien überhöht. Der Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, forderte laut "Bild"-Zeitung 15.000 Unternehmer zum Widerstand auf. "Moral lässt sich nicht in Zahlen gießen, aber wir folgen dem Leitbild des ehrbaren Kaufmanns."

Thumann warb für ein aktives Gegensteuern: "Lassen Sie uns gemeinsam klarmachen, wer in Deutschland Wohlstand und Wachstum erwirtschaftet: die vielen Unternehmen mit ihren hoch qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern." Er warnte die Koalition vor Überlegungen, die Bezüge von Managern gesetzlich zu begrenzen.

ffr/AP/Reuters

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.