Adlon oder Ausflug Der Senator gefällt sich in Berlin

Barack Obama ist mit seiner Berlin-Visite zufrieden: Er habe seine Botschaft vermitteln können, ist sich der US-Präsidentschaftsbewerber sicher. Am frühen Nachmittag geht es weiter nach Paris - vier Stunden später als ursprünglich geplant.


Berlin - Am Morgen ist noch Ruhe vor dem noblen Hotel Adlon. Polizisten schlendern genau so entspannt über den Pariser Platz wie die Handvoll Touristen, die sich schon früh um acht auf den Weg zum Brandenburger Tor gemacht haben, um dem Andrang zu entgehen, der hier normalerweise herrscht.

Nur die Absperrgitter, die um diese Zeit noch unbeachtet bleiben dürfen, zeugen von der Obama-Mania des Vortages, als sich hier Hunderte Schaulustige drängelten, um einen Blick auf den Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten zu erhaschen - obwohl der den ganzen Tag über den Hintereingang des Hotels bevorzugte.

Heute fliegt Barack Obama weiter nach Paris. Allerdings, so wurde am Donnerstagabend bekannt, später als geplant. Zunächst wurde 12.10 Uhr als möglicher Abflugtermin kolportiert, inzwischen ist sogar von einer weiteren Verschiebung die Rede. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll Obama sich erst um 13.30 Uhr auf den Weg zum Flughafen Tegel machen - fast vier Stunden später als geplant. Hat der US-Politstar also doch noch etwas vor in Berlin?

Den für Freitag geplanten Besuch des Lazaretts der US-Truppen im rheinland-pfälzischen Landstuhl hatte Obama am Donnerstag abgesagt. Zur Begründung erklärte ein Sprecher des demokratischen Politikers, der Senator halte es für unangemessen, auf einer aus Wahlkampfmitteln finanzierten Reise Soldaten auf einer US-Militäreinrichtung zu besuchen. Die Entscheidung sei aus Respekt vor den Soldaten gefallen, hieß es.

Am Freitagmorgen hieß es nun aus Sicherheitskreisen, Obama werde den Vormittag nach den bisherigen Plänen weitgehend im Hotel verbringen. Bei der Polizei jedenfalls sind keine weiteren Termine bekannt. Allerdings: "Wir werden flexibel reagieren auf möglichen Änderungen", sagt ein Polizeisprecher. Die Einsatzkräfte seien für mögliche Stadtausflüge Obamas gewappnet. Einstweilen wird weiter munter spekuliert: über einen Besuch am früheren US-Grenzübergang nach Ost-Berlin, Checkpoint Charlie, im Jüdischen Museum oder des Flughafens Tempelhof.

Erst einmal will Obama aber die US-Medien bedienen, die ihm nach Europa nachgereist sind. Interviews im Hotel stehen auf dem Programm. Gegenüber dem US-Sender CNBC zeigte sich der Politiker zufrieden mit seinem Besuch in Berlin und seiner gesamten außenpolitischen Reise. "Diese Reise hat mir die Möglichkeit gegeben, über die schwierigen Themen zu sprechen, vor denen wir stehen", sagte er in dem am Freitag ausgestrahlten Interview.

Er habe deutlich gemacht, dass Amerika Probleme wie den Atomstreit mit Iran oder Energiefragen und Klimaschutz nicht allein, sondern nur mit seinen Partnern lösen könne. "Bei all diesen Themen, die die Sicherheit und den Alltag der Amerikaner betreffen, kommt es auf unsere Fähigkeit an, solche Koalitionen zu schmieden."

200.000 Menschen waren am Donnerstagabend zur Berliner Siegessäule gekommen, um diese Botschaft bei Obamas einziger öffentlicher Rede auf seiner Europareise zu hören. Der Senator aus Illinois forderte dabei einen Neuanfang in den transatlantischen Beziehungen und die Überwindung alter Konflikte. Dazu beschwor er den Geist der Luftbrücke für Berlin vor 60 Jahren und forderte einen größeren Einsatz im Kampf gegen globale Probleme wie den Klimawandel und den Terrorismus. Zuvor hatte er Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) getroffen.

Nach der Show am Großen Stern ließ Obama den Donnerstag bei einem Abendessen im Restaurant "Borchardt" ausklingen. Etwa eine Stunde saß der der 46-jährige mit Mitarbeitern in dem preisgekrönten Restaurant im Stadtteil Mitte zusammen.

phw/Reuters/ddp/dpa

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