Äffare um PR-Geschäfte Scharpings dubiose Deals mit Hunzinger

PR-Mann Moritz Hunzinger ist ein Meister seines Fachs, wenn er zwischen Politik und Wirtschaft vermittelt. Doch im Fall Rudolf Scharping ging die politische Landschaftspflege weiter als bei seinen anderen Kunden, wie der "Stern" enthüllte.


Affären-Minister Scharping: Dubiose Geschäfte
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Affären-Minister Scharping: Dubiose Geschäfte

Berlin - Die Illustrierte zitiert aus Dokumenten, die aus einer Akte Hunzingers über Scharping stammen sollen. Daraus geht unter anderem hervor, dass die Hunzinger PR GmbH, die auch Rüstungsunternehmen berät, im September 1999 auf ein Konto von Scharping 60.000 Mark überwiesen hat und kostenlos ein umfangreiches PR-Konzept für den Minister erstellte.

Insgesamt flossen rund 140.000 Mark auf ein 1998 beim Bankhaus Sal. Oppenheim auf Scharpings Namen geführtes Kontokorrentkonto und Wertpapierdepot. Das Konto habe Scharping zwei Tage vor der Bundestagswahl 1998 eröffnet, schreibt das Blatt. Die Firma Hunzinger habe von ihm dafür eine Vollmacht bekommen.

Dem "Stern" sagte der umtriebige PR-Berater, bei den 60.000 Mark habe es sich um Honorare für drei Vorträge Scharpings auf Hunzinger-Veranstaltungen 1996, 1997 und 1998 gehandelt - vor dessen Amtszeit als Verteidigungsminister. Bei den restlichen 80.000 Mark handele es sich "um den üblichen Vorschuss für die erteilte Lizenz des Autors im Zusammenhang mit der Veröffentlichung seiner späteren Erinnerungen". Die Bankvollmacht werde erlöschen, wenn der Text verabschiedet sei.

"Gut getimete Wahlkampfscheiße"?

Scharpings Sprecher Cholin bemühte sich am Dienstag abend noch um Schadensbegrenzung: Das vom "Stern" benutzte Material werde seit längerem gegen Bezahlung angeboten, sei aber von anderen Medien nach Prüfung nicht aufgegriffen worden, sagte Cholin. Scharping biete jedem Journalisten an, Einblick in seine Unterlagen zu nehmen. Auf Nachfrage von SPIEGEL ONLINE erklärte Cholin allerdings am Mittwoch, dass der Minister die notwendigen Dokumente "noch nicht zusammengestellt" habe und er auch nicht wisse, wie lange das noch dauern könnte.

Moritz Hunzinger: Dubiose Geschäfte mit Scharping?
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Moritz Hunzinger: Dubiose Geschäfte mit Scharping?

Hunzinger sagte der "Frankfurter Rundschau" bei den Zahlungen auf das Scharping-Konto sei alles mit rechten Dingen zugegangen. Angaben in dem Bericht, wonach bei ihm eine Akte über Scharping geführt werde, bezeichnete er als konstruiert. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung verrate, dass es sich dabei um eine "gut getimete Wahlkampfscheiße" handele, wiegelte er ab.

Fraglich ist aber, ob Hunzinger und sein prominenter Kunde damit den Vorwurf aus der Welt schaffen können, "dass sich Scharping auf politisch riskante Weise mit einem Firmenlobbyisten eingelassen hat, der gegen Honorar auch die Interessen von Rüstungsunternehmen pflegt", wie der "Stern" urteilte.

Fragwürdig ist zum Beispiel die Tatsache, dass Hunzinger im September 1999 60.000 Mark Vortragshonorar an Scharping überwies, obwohl die dazu passenden Vortragstermine in Hunzingers "Politischem Salon" bis zu dreieinhalb Jahre zurück lagen. Grundsätzlich dürfen Bundesminister keine Honorare für Vorträge während ihrer Amtszeit annehmen, das bestätigte der Düsseldorfer Staatsrechtlers Martin Morlok dem Blatt noch einmal in einem Gutachten. Hunzinger erklärte dazu dem "Stern", das Honorar sei so spät überwiesen worden, weil die ausstehenden Summen erst bei internen Überprüfungen aufgefallen seien. Tatsächlich aber hatte Scharping auch im September 1999 als Verteidigungsminister bei Hunzinger referiert. Dafür sei aber natürlich kein Honorar bezahlt worden, beteuert der PR-Berater.

Shopping-Tour für 54.000 Mark

Nicht minder merkwürdig sind die Umstände eines gemeinsamen Einkaufsbesuchs von Scharping und Hunzinger bei dem noblen Frankfurter Herrenausstatter Möller & Schaar in Frankfurt im März 1999. Bei dieser Gelegenheit soll Scharping ausweislich der auf seinen Namen ausgestellten Rechnung Mantel, Anzüge, Hemden und Krawatten im Wert von über 54.000 Mark erworben haben - unter anderem vier Hemden zum Stückpreis von 548 Mark sowie vier Anzüge mit Zweithose zu Preisen deutlich oberhalb 5000 Mark pro Set. Dazu erklärte Hunzinger, der Rechnung liege eine Verwechslung zu Grunde, weil darin auch seine eigenen Einkäufe enthalten seien, selbstverständlich habe Scharping seinen Anteil selbst bezahlt. Komisch nur, dass die Rechnung nicht bei Scharping sondern in den vom "Stern" präsentierten Unterlagen aus Hunzingers Firma abgelegt war. Merkwürdig auch, dass Hunzinger sich persönlich um den Versand der teuren Klamotten kümmerte. "Wann kann ich Ihnen die Sachen von Möller & Schaar ausliefern? Wohin?", fragte er zwei Wochen nach der teuren Shopping-Tour beim Minister nach.

Der PR-Berater ist auch Rüstungslobbyist

Hunzingers großzügige Hilfe beim Image-Lifting für den Minister stand nach den Recherchen des "Stern" auch im Zusammenhang mit der Tätigkeit des PR-Unternehmens für die Rüstungsunternehmen Ferrostaal und Howaldswerke Deutsche Werft (HDW). So soll Hunzinger gleich nach dem Besuch beim Herrenausstatter dem Minister in einem nahe gelegenen Edelrestaurant den damaligen Ferrostahl-Manager und heutigen HDW-Vorstand Hanfried Haun zum vertraulichen Gespräch zugeführt haben.

U-Boot der Firma HDW: Werbung für den Agypten-Deal
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U-Boot der Firma HDW: Werbung für den Agypten-Deal

Aus Briefen Hauns an das Verteidigungsministerium, die ebenfalls in der Hunzinger-Akte abgelegt waren, geht hervor, dass Haun damals intensiv für eine Unterstützung der Bundesregierung für die angestrebte Lieferung von U-Booten nach Ägypten warb. Nach Angaben des Stern soll Scharping noch im selben Monat darüber auch bei einem Besuch in Ägypten mit seinen Gastgebern darüber gesprochen haben. Der Deal kam allerdings wegen der rot-grünen Waffenexport-Richtlinien bis heute nicht zu Stande.

Scharpings Sprecher Cholin sagte am Dienstag abend, sein Chef habe dem Magazin angeboten, auf Grundlage seiner Papiere, einschließlich seiner Steuerunterlagen, alle diese Fragen durchzusprechen und das Blatt nicht habe dies nicht wahrgenommen. Der "Stern" wies die Darstellung aber zurück. Das Ministerium habe mehrere Tage lang ausreichend Zeit gehabt, auf die Vorwürfe einzugehen, sagte Frank Thomsen, Ressortleiter Politik und Wirtschaft des Blattes.



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