Ägyptens Präsident Deutsche Luxusklinik als Mubarak-Exil im Gespräch

Kommt Husni Mubarak als Patient nach Deutschland? Die Überlegungen für einen möglichen Krankenhausaufenthalt des ägyptischen Präsidenten sind offenbar konkreter als bislang bekannt. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wird dafür die Max-Grundig-Klinik bei Baden-Baden favorisiert.
Von Björn Hengst und Christoph Schwennicke
Ägyptens Präsident Husni Mubarak: Zur ärztlichen Behandlung nach Deutschland?

Ägyptens Präsident Husni Mubarak: Zur ärztlichen Behandlung nach Deutschland?

Foto: ? Amr Dalsh / Reuters/ REUTERS

Hamburg/Berlin - Das Planspiel der US-Regierung für ein Ende des politischen Chaos in Ägypten geht offenbar so: Machthaber Husni Mubarak reist zu einem "verlängerten Gesundheitscheck" nach Deutschland, so könnte dem 82-Jährigen ein würdevoller Abgang aus dem Präsidentenpalast ermöglicht werden. Die "New York Times" hatte von entsprechenden Geheimverhandlungen der US-Regierung mit ägyptischen Militärs berichtet.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sind die Überlegungen für einen möglichen Krankenhausaufenthalt Mubaraks in Deutschland schon viel konkreter als bisher angenommen. Demnach werden bereits Sondierungsgespräche mit geeigneten Krankenhäusern geführt. In erster Linie soll es dabei um die Max-Grundig-Klinik "Bühlerhöhe" im baden-württembergischen Bühl bei Baden-Baden gehen, wie SPIEGEL ONLINE aus dem Umfeld der Privatklinik erfuhr. Die Klinik-Leitung wollte sich dazu auf Anfrage nicht äußern.

Die Luxusklinik genießt einen hervorragenden Ruf und wirbt auf ihrer Internetseite damit, neben "erstklassiger medizinischer Versorgung" den "Komfort und Service eines Spitzenhotels" zu bieten. Die Patienten werden in "großzügigen Räumlichkeiten" von 20 bis 200 Quadratmeter untergebracht. In der Vergangenheit ließen sich dort unter anderem der frühere ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko und der frühere russische Wirtschaftsminister German Gref behandeln.

Die "Bühlerhöhe" verfügt unter anderem über eine onkologische Abteilung. In der Vergangenheit hatte es Gerüchte über eine Krebserkrankung Mubaraks gegeben. Im Frühjahr 2010 ließ sich Mubarak in der Heidelberger Uni-Klinik die Gallenblase und einen Darmpolypen entfernen. Der Krebsverdacht wurde damals von den Heidelberger Spezialisten entkräftet. Die Heidelberger Uni-Klinik zeigte sich in der Debatte über einen möglichen erneuten Krankenhausaufenthalt Mubaraks in Deutschland offen: "Er kann, wie jeder unserer Patienten, kommen", sagte eine Kliniksprecherin.

Derzeit hält sich Mubarak im ägyptischen Badeort Scharm al-Scheich in einer Ferienvilla auf. Politiker der schwarz-gelben Koalition hatten sich zuletzt offen für einen Krankenhausaufenthalt Mubaraks in Deutschland ausgesprochen. "Wir brauchen einen friedlichen Übergang in Ägypten. Wenn Deutschland damit einen konstruktiven Beitrag im internationalen Rahmen leisten kann, dann sollten wir Husni Mubarak aufnehmen - wenn er das will", sagte Unionsfraktionsvize Andreas Schockenhoff. Elke Hoff, sicherheitspolitische Sprecherin der FDP sagte: "Ich würde eine baldige Ausreise Mubaraks begrüßen, wenn dies dazu beitragen kann, die Verhältnisse in Ägypten zu stabilisieren."

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