Ärger über Libyen-Politik Airbus-Chef Enders tritt aus CSU aus

Thomas Enders steigt aus: Frustriert von der deutschen Haltung im Libyen-Konflikt und der überraschenden Atom-Wende von Kanzlerin Merkel gibt der Airbus-Chef sein CSU-Parteibuch zurück.
Airbus-Vorstandsvorsitzender Enders: Unerwarteter Austritt aus der CSU

Airbus-Vorstandsvorsitzender Enders: Unerwarteter Austritt aus der CSU

Foto: dapd

Berlin - Am Ende war es die Libyen-Politik der schwarz-gelben Regierung, die den deutschen Top-Manager zu diesem Schnitt bewog: Im Uno-Sicherheitsrat enthielt sich der deutsche Botschafter bei der Abstimmung über Militäraktionen gegen den libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi - und Thomas Enders fasste den Entschluss, aus der Regierungspartei CSU auszutreten.

Es war allerdings nicht nur der Libyen-Kurs von Kanzlerin Angela Merkel, der ihm die Unionsparteien entfremdete. Auch die plötzliche Wende in der Atompolitik soll beim Airbus-Vorstandsvorsitzenden auf wenig Verständnis gestoßen sein, berichten jene, die Enders gut kennen.

Den Christsozialen bleibt nun noch seine schon seit Jahren kommunalpolitisch aktive Frau Friederike Enders erhalten. Sie ist die stellvertretende Vorsitzende des Ortsverbands Tegernsee, dem Enders angehörte.

Von Airbus hieß es lediglich, das politische Engagement sei Enders private Angelegenheit. Der Manager ist seit 2007 Vorstandsboss des Flugzeugherstellers. Seit 2005 ist er auch Präsident des Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie.

In der Libyen-Frage enthielten sich auch Russland und China im Uno-Sicherheitsrat, die mit ihrem Veto das Vorhaben hätten zu Fall bringen können. Die deutsche Abgrenzung von den anderen Nato-Staaten sorgte für Diskussionen - und teils massive Kritik. So bezeichnete Ex-Außenminister Joschka Fischer (Grüne) die Enthaltung als "skandalösen Fehler". Enders dürfte das ähnlich sehen.

Und in Sachen Atompolitik hatte der Manager auch an jener Sitzung des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) vom 14. März teilgenommen, die nun für mächtigen Wirbel kurz vor den für CDU und FDP so wichtigen Landtagswahlen in Baden-Württemberg sorgt. Auf der Sitzung hatte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) laut dem SPIEGEL ONLINE vorliegenden Protokoll deutlich gemacht, das Atom-Moratorium der Koalition sei wahltaktisch motiviert.

Brüderle wies die Vorwürfe am Donnerstag zurück, die Sicherheit der Kernkraftwerke habe für die schwarz-gelbe Regierung absolute Priorität. Der BDI spricht von einem Protokollfehler.

jok/sef