Bertelsmann-Studie 29 Prozent der AfD-Wählerinnen und -Wähler sind rechtsextrem eingestellt

Fast ein Drittel der AfD-Anhängerinnen und -Anhänger vertritt rechtsextreme Positionen, folgert die Bertelsmann Stiftung aus einer repräsentativen Umfrage. Noch stärker sind chauvinistische Einstellungen vertreten.
Das Logo der Alternative für Deutschland (AfD)

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Foto: Markus Scholz / dpa

Chauvinismus, Rassismus und autoritäre Positionen sind unter den Wählerinnen und Wählern der AfD deutlich stärker vertreten als unter den Anhängerinnen und Anhängern der anderen Parteien im Bundestag. Zu diesem Ergebnis kommt die Bertelsmann Stiftung auf Basis einer repräsentativen Onlineumfrage aus dem Juni 2020.

Um rechtsextreme Einstellungen zu messen, waren die 10.055 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage aufgefordert worden, sich zu Aussagen wie »Wir sollten einen Führer haben, der Deutschland zum Wohle aller mit starker Hand regiert« oder »Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet« zu positionieren.

Den Angaben zufolge fanden sich »manifest rechtsextreme« Einstellungen bei 29 Prozent der Befragten, die beabsichtigten, die AfD zu wählen. Das Ergebnis steht in großem Abstand zu den Zustimmungswerten unter den Wählerinnen und Wählern der anderen Parteien. Unter den Anhängerinnen und Anhängern von CDU und CSU äußerten sich demnach sechs Prozent entsprechend. In der Wählerschaft von Linke und FDP lag der Anteil laut Bertelsmann Stiftung bei jeweils fünf Prozent. Bei den SPD-Wählerinnen und -Wählern stimmten vier Prozent und bei den Grünen zwei Prozent zu.

Erfolg rechtspopulistischer Wählermobilisierung während der Flüchtlingskrise

Eindeutig oder zumindest teilweise populistische Einstellungen wurden darüber hinaus der Stiftung zufolge von fast drei Viertel (73 Prozent) der AfD-Wählerschaft vertreten. Der Autor der Studie, Robert Vehrkamp, sagte dazu, der Wahlerfolg der Partei bei der Bundestagswahl 2017 sei noch »vor allem ein Erfolg rechtspopulistischer Wählermobilisierung im Schatten der Flüchtlingskrise gewesen«. Vor der Bundestagswahl 2021 zeige sich die AfD hingegen als eine Partei, deren Wählerschaft mehrheitlich manifest oder latent rechtsextrem eingestellt sei.

Mit Blick auf ein Gutachten des Verfassungsschutzes zur AfD betonte die Stiftung, das von ihr verwendete wissenschaftliche Konzept zur Messung von Wähler-Einstellungen sei nicht gleichzusetzen mit den Kategorien der Sicherheitsbehörde. Zuletzt hatte der sachsen-anhaltische Verfassungsschutz die komplette AfD in dem Bundesland ins Visier genommen und als rechtsextremen »Verdachtsfall« eingestuft. Unter allen Wahlberechtigten in Deutschland vertreten der Untersuchung zufolge 7,7 Prozent ein geschlossen rechtsextremes Weltbild.

Chauvinistische Einstellungen weiter verbreitet

Deutlich weiter verbreitet sind chauvinistische Einstellungen. Dazu zählen Forscher beispielsweise den Wunsch nach mehr »Mut zu einem starken Nationalgefühl«, nach einem »harten und energischen Durchsetzen deutscher Interessen gegenüber dem Ausland« und dem Ziel, »Deutschland die Macht und Geltung zu verschaffen, die ihm zusteht« als oberste Maxime deutscher Politik.

Unter den Wählerinnen und Wählern der Unionsparteien und der FDP stimmen solchen Aussagen bei der Befragung etwas mehr als 60 Prozent ganz oder teilweise zu. Unter den Wählerinnen und Wählern der AfD waren es 90 Prozent. Unter den Anhängerinnen und Anhängern der Grünen ist dieser Chauvinismus-Wert mit 34 Prozent geringer als bei allen anderen Parteien.

ire/dpa
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