Medienbericht 40 Prozent der AfD-Mitglieder im Osten gehören rechtem "Flügel" an

Der "Flügel" der AfD ist im Osten besonders stark. Nun fordern mehrere Landesvorsitzende aus dem Westen, der Gründer der Gruppe, Björn Höcke, solle als Parteichef kandidieren - aus Kalkül.
"Flügel"-Begründer Höcke: Machtfrage gestellt

"Flügel"-Begründer Höcke: Machtfrage gestellt

Foto: Carsten Koall/ Getty Images

Mehr als 40 Prozent der AfD-Mitglieder im Osten sind Anhänger des rechtsextremen "Flügels". Dies berichtet "Bild am Sonntag" mit Verweis auf interne Analysen der Sicherheitsbehörden. Demnach sei die Zahl bei den Parteimitgliedern im Westen niedriger, im Osten sei die Tendenz steigend.

Bei der Europawahl wurde die AfD in Sachsen und Brandenburg stärkste Kraft. In beiden Bundesländern finden in wenigen Wochen Landtagswahlen statt, ebenso wird in Thüringen gewählt. Am Samstag präsentierten sich die drei AfD-Landeschefs Andreas Kalbitz (Brandenburg), Björn Höcke (Thüringen) und Jörg Urban (Sachsen) zum Wahlkampfauftakt in Cottbus. Alle drei gehören dem "Flügel" an und versprachen auf der Veranstaltung eine "Vollendung der Wende" bei den Wahlen.

Der "Flügel" ist ein Netzwerk der Rechtsaußen in der Partei, der vom Bundesamt für Verfassungsschutz als Verdachtsfall im Bereich extremistischer Bestrebungen eingestuft wurde. Die Gruppierung befindet sich derzeit im Streit mit der Parteispitze und attackierte diese zuletzt heftig. (Lesen Sie hier , wie sich die Fraktionsvorsitzende Alice Weidel mit dem "Flügel" und Björn Höcke arrangiert.)

Höcke soll sich trauen

Trotz relativ hoher Wahlergebnisse (zwischen 20 und 25 Prozent) sind die Ostverbände innerhalb der AfD schwach aufgestellt. Von den 35.000 AfD-Mitgliedern lebt lediglich knapp ein Fünftel in Ostdeutschland.

Im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" fordern nun mehrere Landesvorsitzende und stellvertretende Bundesvorsitzende aus Westdeutschland, dass Björn Höcke als Parteivorsitzender kandidiert.

Klaus Herrmann, einer der beiden Landesvorsitzenden aus Hessen, stellte fest, mit seinen Attacken habe Höcke "die Machtfrage" gestellt. Deshalb dürfe er sich auf dem Bundesparteitag im November nicht verstecken. Er müsse "den Mut haben, sich zu stellen". Die AfD-Politiker hoffen, dass Höcke bei einer Bewerbung in der Bundespartei scheitern werde, weil die ostdeutschen Landesverbände, in denen der "Flügel" stark sei, nur wenig Parteitagsdelegierte stellten.

tin/dpa
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