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Strohmann-Affäre der AfD

Meuthen schweigt zu mutmaßlichem Großspender

Half der Milliardär Henning Conle im Wahlkampf von AfD-Chef Meuthen mit verdeckten Spenden? Mindestens drei angebliche Unterstützer haben nach Informationen von SPIEGEL und "Report Mainz" Verbindungen zu Conle.

Von

Patrick Seeger/EPA-EFE/REX

AfD-Chef Jörg Meuthen (im Europaparlament in Straßburg):

Samstag, 06.04.2019   08:36 Uhr

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In der Affäre um womöglich illegale Wahlkampfhilfen aus der Schweiz wächst der Druck auf AfD-Chef Jörg Meuthen. Profitierte auch er von Zahlungen des umstrittenen Immobilienunternehmers Henning Conle?

Auf Anfrage des SPIEGEL und des ARD-Magazins "Report Mainz", wollte sich der AfD-Chef nicht zu dem Vorgang äußern. Über einen Sprecher ließ er ausrichten, dass er nicht bereit sei zu sagen, ob er Conle kenne oder nicht. Auch zu der Frage, ob der Milliardär die AfD finanziell unterstützt habe, wollte er nichts sagen.

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In einer schriftlichen Erklärung teilte der AfD-Chef kurz darauf mit: "Ich bin darum gebeten worden, mich zu den Vorgängen im Zusammenhang mit den vorgeblichen Spenderlisten nicht mehr gegenüber den Medien zu äußern. Daran werde ich mich ab sofort halten."

Mutmaßliche Strohleute mit Verbindungen zu Conle

Dabei bezieht sich Meuthen offenbar auf eine Liste mit den Namen zehn angeblicher Finanziers, die seinen baden-württembergischen Landtagswahlkampf im Jahr 2016 indirekt mit etwa 90.000 Euro unterstützt haben sollen.

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Die offenbar gefälschte Liste hatte die AfD im September 2018 im Rahmen eines Prüfverfahrens bei der Bundestagsverwaltung eingereicht. Auf ihr stehen die Namen mehrerer Strohleute, die zuvor, teilweise gegen Bezahlung, falsche Zuwendungsbestätigungen unterschrieben hatten.

Mindestens drei der zehn vermeintlichen Meuthen-Unterstützer haben nach Recherchen von SPIEGEL und "Report Mainz" aber auch Verbindungen zu Milliardär Conle und dessen Umfeld.

Bei einer der Personen auf der angeblichen Unterstützerliste Meuthens handelt es sich um einen Mitarbeiter Henning Conles im belgischen Antwerpen. Er hat im Gespräch mit "Report Mainz" eingeräumt, nur als Strohmann auf der Liste gelandet zu sein. Ein weiterer angeblicher Finanzier betreibt ein Geschäft in Zürich und bestreitet ebenso, Geld für Meuthen gegeben zu haben. Auf Nachfrage räumt er allerdings ein, mit dem Sohn Henning Conles bekannt zu sein.

Auch der ehemalige Notar S. aus Sonthofen im Allgäu steht auf Meuthens Unterstützerliste. Nach Recherchen von SPIEGEL und "Report Mainz" hatte er früher beruflich mit den Conles zu tun.

In Sonthofen haben mehrere Firmen aus Conles Familienimperium ihren Sitz. Brisant: Der ehemalige Notar fungiert gleichzeitig als Vize-Chef des AfD-Unterstützerklubs "Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten", der seit Jahren die Partei mit millionenschweren Werbekampagnen unterstützt. Der Mann wollte sich auf Anfrage nicht äußern.

Die Finanziers im Hintergrund sind bislang unbekannt. Die Kampagnen des Unterstützerklubs werden von der Schweizer Werbeagentur Goal AG koordiniert, die von Alexander Segert, einem persönlichen Freund Meuthens, geleitet wird.

Der Vorsitzende des Vereins, David Bendels, stammt wie Henning Conle aus Duisburg. Auf Anfrage, ob er Conle kenne und ob der Milliardär den Verein finanziell unterstützt habe, teilte Bendels mit: "Ich werde diesen Themenkomplex nicht kommentieren."

Henning Conle war bislang für eine Stellungnahme nicht zu erreichen

Meuthen, der im Mai als Spitzenkandidat der AfD bei der Europawahl antreten will, ist womöglich nicht der einzige AfD-Funktionär, der von verdeckten Zuwendungen Conles profitierte. Nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" könnte auch eine verdeckte Großspende für AfD-Fraktionschefin Alice Weidel von dem Immobilienunternehmer Conle stammen.

Die umgerechnet etwa 130.000 Euro waren im Bundestagswahlkampf 2017 über das Firmenkonto eines Zürcher Drogisten an Weidels AfD-Kreisverband geleitet worden. Später erklärte die Firma des Drogisten, das Geld stamme von 14 Einzelspendern. Nun aber räumte ein Anwalt des Schweizers gegenüber NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" ein, dass die Liste gefälscht gewesen sei.

Fünf der 14 falschen Weidel-Spender tauchen auch auf der Liste mit den zehn angeblichen Meuthen-Unterstützern auf.

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