Gauland will Gustav-Stresemann-Stiftung Walter Stresemann empört über AfD-Plan

Die AfD will eine parteinahe Stiftung gründen. Diese soll nach Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann benannt werden. Dessen Enkel will nun "alle rechtlichen Schritte" prüfen.
AfD-Bundesvorstand

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Foto: Michael Kappeler/ dpa

Es hat lange gedauert, aber nun will die AfD über die Gründung einer parteinahen Stiftung entscheiden. "Die AfD strebt die Anerkennung einer parteinahen Stiftung an. Ich würde es begrüßen, wenn sie Gustav-Stresemann-Stiftung heißen würde", sagte der Parteivorsitzende Alexander Gauland der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Der Enkel des ehemaligen deutschen Reichskanzlers reagiert nun empört. "Wir werden alle rechtlichen Schritte prüfen, um das zu unterbinden", sagte der 62-jährige Walter Stresemann der "Stuttgarter Zeitung" (Donnerstagsausgabe). Seine Schwester und er seien "schockiert" von den AfD-Plänen. Christina Stresemann leitet am Bundesgerichtshof einen Zivilsenat.

"Dreist, was diese Partei da plant"

Die politischen Stiftungen waren als Reaktion auf die Erfahrungen aus der Weimarer Republik gegründet worden. Sie leisten einen Beitrag zur politischen Bildung, etwa durch Veröffentlichungen und Stipendien, und werden überwiegend aus öffentlichen Mitteln finanziert. Zu den bundesweiten Stiftungen gehören bisher etwa die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung oder auch die Konrad-Adenauer-Stiftung (CDU).

Der "Bild"-Zeitung sagte Stresemann bereits am Mittwoch, über die Pläne seien weder er noch seine Schwester unterrichtet worden. "Wir hätten das natürlich abgelehnt", betonte er. "Das ist derart dreist, was diese Partei da plant." Stresemann fügte hinzu: "Was mein Großvater schließlich aus Überzeugung vertrat, steht ja fundamental gegen das, was die AfD verkörpert."

Der nationalliberale Außenpolitiker war ursprünglich Monarchist gewesen, wandelte sich später aber zum überzeugten Republikaner und Demokraten. Stresemann erhielt für seine Politik der Verständigung mit Frankreich 1926 den Friedensnobelpreis, zusammen mit dem französischen Staatsmann Aristide Briand.

FDP nennt Idee "makaber"

Auch das Gustav Stresemann Institut in Bonn signalisierte Ablehnung. Ansgar Burghof, Vorstand der Geschäftsleitung, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Die Ausgrenzungsstrategie der AfD widerspricht den Idealen Gustav Stresemanns."

Der zweite AfD-Vorsitzende, Jörg Meuthen, sagte indes: "Die Persönlichkeit Gustav Stresemann würde gut zu uns passen, deshalb begrüße ich diesen Vorschlag, sofern es keine namensrechtlichen Probleme gibt." Eine abschließende Entscheidung wolle der AfD-Bundesvorstand am 19. Januar treffen.

Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki zeigte sich in der "FAZ" empört über den Vorstoß: "Es ist nicht nur makaber, sondern vor allem geschichtslos, den Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann zum Namensgeber für eine AfD-nahe Stiftung zu machen."

Im heutigen Bundestagsgebäude gibt es einen Gustav-Stresemann-Saal. Dieser war unter anderem bis Herbst 2013 von der damaligen FDP-Bundestagsfraktion genutzt worden und anschließend von der Linkspartei.

dop/dpa/AFP
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