Junge Alternative Teile der AfD wollen härter gegen Nachwuchs vorgehen

Die Junge Alternative wird vom Verfassungsschutz als "Verdachtsfall" geführt und gab sich zuletzt zurückhaltender. Doch moderate Kräfte in der AfD verlangen weiter einen genauen Blick auf den Nachwuchs.

Junge Alternative in Magdeburg
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Junge Alternative in Magdeburg

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Erst vor eineinhalb Wochen gab sich der Nachwuchs der AfD auf einem Bundeskongress in Magdeburg eine neue Führungsstruktur und beschloss Satzungsänderungen. Das Ziel der "Jungen Alternative" (JA): Eine mögliche Beobachtung durch das Bundesamt für Verfassungsschutz zu vermeiden. Dort wird die JA derzeit als "Verdachtsfall" geführt, zusammen mit dem rechten parteiinternen Netzwerk "Der Flügel" um den AfD-Politiker Björn Höcke.

In Magdeburg hatte die JA unter anderem auch Maßnahmen beschlossen, mit denen sie sich künftig schneller von extremistischen Mitgliedern trennen kann.

Doch die jüngsten Ergebnisse sieht die "Alternativen Mitte" (AM), die sich einst in der AfD als Gegenstück zu Höckes rechtem "Der Flügel" gründete, äußerst kritisch. Das geht aus einem zweiseitigen Brief des AM-Sprechers Jens Wilharm hervor, der dem SPIEGEL vorliegt.

Darin wird nicht nur eine kritische Bestandsaufnahme des jüngsten JA-Kongresses gezogen, sondern es werden auch konkrete Erwartungen an den AfD-Bundesvorstand und die Landesvorstände gestellt. Die Gremien sollten die Entwicklungen beim Nachwuchs "sehr genau ansehen und sich nicht von Worthülsen beruhigen lassen", heißt es. Konkret fordert die AM die AfD-Landesverbände auf, jenen JA-Verbänden ihren Status als Jugendorganisation zu entziehen, die sich "zu weit von der Mutterpartei" entfernt hätten.

Plakat mit einem Konterfei des früheren Reichskanzlers Otto von Bismarck auf JA-Kongress
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Plakat mit einem Konterfei des früheren Reichskanzlers Otto von Bismarck auf JA-Kongress

Die JA hat in den vergangenen Monaten eine regelrechte Austrittswelle von Mitgliedern erfahren, von einst 2000 Personen sollen derzeit noch 1600 dem Nachwuchs angehören.

Der Grund waren zunehmend extremistische Tendenzen in den eigenen Reihen, die auch durch Medienberichte publik wurden. So hatte jüngst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) aus einem Chatprotokoll des hessischen JA-Ablegers zitiert, wonach das dortige Landesvorstandsmitglied Elliot Murray die Todesstrafe für Politiker gefordert haben soll, die "ihr Volk verraten". Das Jungmitglied soll mittlerweile nicht mehr der JA angehören. In Niedersachsen hatte die JA wegen ähnlicher Vorkommnisse ihren eigenen Landesverband im November 2018 aufgelöst, zuvor geriet er durch das dortige Landesamt für Verfassungsschutz in die Beobachtung, ebenso der Bremer JA-Verband durch die dortige Geheimdienstbehörde. Auch in Baden-Württemberg wird der JA-Landesverband durch den Verfassungsschutz seit November 2018 beobachtet.

In dem Schreiben der "Alternativen Mitte" wird auf diese drei Entwicklungen explizit eingegangen: "Dass es so weit kommen konnte, lag nicht zuletzt daran, dass mit einer gewissen Portion Gleichmut problematischen Entwicklungen innerhalb der Jugendorganisation lange Zeit zugesehen wurde - wenn man die Entwicklungen nicht gar deckte."

Hier seien nicht nur die Verantwortlichen in der Jugendorganisation selbst, sondern auch Mitglieder der Mutterpartei angesprochen, heißt es weiter. "Wer sich mit Parteimitgliedern unterhält, erfährt zudem nicht selten, dass diese es nicht mehr gut fänden, wenn ihre eigenen Kinder bei der Jungen Alternative mitmachen", so die AM.

JA-Vorsitzender Damian Lohr in Magdeburg
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JA-Vorsitzender Damian Lohr in Magdeburg

Die AM geht auch auf den jüngsten Bundeskongress - auf dem der rheinland-pfälzische AfD-Landtagsabgeordnete Damian Lohr erneut zum Vorsitzenden gewählt wurde - ein. Was man darüber habe lesen können, klinge nach instrumenteller Vernunft. "Programmpositionen werden nun angepasst, nachdem der Verfassungsschutz sie in seinem Gutachten rügte", lautet die Kritik. Wer aber problematische Programmpassagen nur deshalb umzuschreiben bereit sei, um "taktisch Angriffsfläche zu verhindern, hat das eigentliche Problem nicht begriffen".

Auch die Mutterpartei wird deutlich kritisiert. Sie habe "zunächst einmal nicht viel" unternommen, die JA scheine nach Magdeburg "etwas Zeit gewonnen" zu haben, um "sich erneut zu beweisen". Deutlich schimmert in dem AM-Schreiben auch Skepsis gegenüber einer Besserung durch. Viele Probleme in der JA hätten bis jetzt nur deshalb anwachsen können, weil es am ausreichenden Willen gefehlt habe, ihnen entschlossen entgegenzutreten. "Dass dieses Entgegentreten nun besser wird, nachdem es eine Austrittswelle des eher gemäßigten Lagers gab, ist unwahrscheinlich", hält das Papier fest.

Die AM geht auch auf den jüngsten baden-württembergischen AfD-Landesparteitag ein, auf dem sich am vergangenen Wochenende der moderate Vertreter Bernd Gögel mit 380 gegen 320 Stimmen gegen den Vertreter des rechten Flügels, Emil Sänze, auf einem zeitweilig turbulent verlaufenen Parteitag durchsetzen konnte.

Die JA-Vertreter hätten dort gemeinsam mit den Anhängern des "Stuttgarter Aufrufs" - einer seit einigen Monaten kursierenden Unterschriftenliste rechter Parteimitglieder - gestimmt, um gemäßigte Kandidaten im neu gewählten Landesvorstand zu verhindern und diejenigen dorthin zu bringen, die sich vehement "gegen das Ziehen und Einhalten roter Linien" wehrten. "Zum Glück war dieses Ansinnen erfolglos", heißt es in dem AM-Schreiben.



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claus7447 27.02.2019
1. Wieder nur heiße Luft
Ich bewerte dies mal aus der Sicht Baden Württemberg. Da sitzen im Landtag zwei AfD Abgeordnete, namens Räpple und Gedeon. Der erste müsste wegen Ausfälligkeiten ggü. der Landtagspräsidentin mit der Polizei aus dem Landtag geführt werden. Der andere ist durch antisemitische Schriften bekannt und aktuelles der Fraktion ausgeschlossen. Rausschmeißen will die AfD die beiden schon seit über 7 Monaten. Ergebnis NULL. Beim Besten Willen, ich kann nicht ersehen, dass die AfD sich von denen trennt. Abgesehen davon müsste dann Weidel, Gauland und Höcke auch weg. Nur wer vertritt dann noch die Partei?
draco2007 27.02.2019
2.
"Moderate" Kräfte in der AfD. Welche denn? Die Vogelschiss-Kräfte, oder die Denkmal der Schande Kräfte? Oder doch lieber die Auf-Frauen-Und-Kinder-Schießen-Kräfte. Der Fisch stinkt vom Kopf her. Und solange Gauland, Weidel und Höcke die Zügel in der Hand haben, macht die JA exakt das, was ihnen vorgelebt wird.
Wmeinberg 27.02.2019
3. Es ist also...
...festzustellen, dass eine öffentlich nicht mehr als Prüffall zu bezeichnende sogenannte Partei namens "AFD" eine selbsternannte "Alternative Mitte" hat, welche in einem Schreiben verlangt, dass man deren Nachwuchsorganisationen namens "JA", bzw. was davon übrig geblieben ist, dass man denen stärker auf die Finger schaut. Dabei sei gesagt, dass die sogenannte "Mutterpartei" selbst einen Beobachtungsfall in den eigenen Reihen, der sich "Flügel" nennt und Aushängeschlild namens HöckeB. vor sich herträgt, beheimatet... Was ist eigentlich in diesem Land los, dass Vertreter solcher Zusammenrottungen überhaupt in ein Parlament gewählt werden?
spon1899 27.02.2019
4.
Wieso nur die JA? Es gibt weitere ganz üble Rechte in der AfD mit Höcke, Storch und Gauland. Diese Leute müssen weg. Sie sind eine Schande für unser Land angesichts dessen was die gesagt haben.
kelcht 27.02.2019
5.
Zitat von draco2007"Moderate" Kräfte in der AfD. Welche denn? Die Vogelschiss-Kräfte, oder die Denkmal der Schande Kräfte? Oder doch lieber die Auf-Frauen-Und-Kinder-Schießen-Kräfte. Der Fisch stinkt vom Kopf her. Und solange Gauland, Weidel und Höcke die Zügel in der Hand haben, macht die JA exakt das, was ihnen vorgelebt wird.
Zuvor gab es noch die wer für den Euro ist ein Krebsgeschwür Kräfte aus dem Bernd Lucke Flügel. Der Aluminiumhut für Deutschland war schon immer ein Witz.
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