Rechtsextremer Verein AfD-Spitzenkandidat Kalbitz erhielt E-Mail von HDJ-"Bundesführer"

Der AfD-Spitzenpolitiker Kalbitz hat seine Verbindungen in die rechtsextreme Szene immer kleingeredet. Eine Mail legt nach SPIEGEL-Informationen nahe: Die Kontakte waren womöglich enger als bisher bekannt.

AfD-Spitzenkandidat Andreas Kalbitz: Mail vom HDJ-"Bundesführer"
Markus Schreiber / AP

AfD-Spitzenkandidat Andreas Kalbitz: Mail vom HDJ-"Bundesführer"


Der Brandenburger AfD-Landeschef Andreas Kalbitz war offenbar enger mit der rechtsextremen Szene vernetzt als bislang bekannt.

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Heft 35/2019
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Am 12. Mai 2009, sechs Wochen nachdem die rechtsextreme "Heimattreue Deutsche Jugend" (HDJ) vom Bundesinnenministerium verboten worden war, bekam Kalbitz eine E-Mail von Sebastian Räbiger, dem letzten "Bundesführer" der HDJ. Die E-Mail liegt dem SPIEGEL vor.

Neben Kalbitz erhielten nur sechs weitere Personen die E-Mail, darunter Führungskräfte der HDJ, eine Frau von der rechtsextremen "Gemeinschaft Deutscher Frauen" und ein NPD-Mann. Außerdem ging die Mail an eine Adresse, die offenbar mit der "Deutschen Stimme" zu tun hat, der Zeitschrift der NPD.

In der E-Mail schrieb der "Bundesführer": "moin, für die, die es interessiert. mittwoch 19-21 Uhr www.netzradio-germania.de noch ein paar dinge zur hdj und zum drum herum." Er hoffe, dass "nichts wichtiges geschnitten wurde, gruß s". In dem Radiobeitrag erzählt Räbiger, dass alle Mitglieder "aus dem nationalen Lager" stammten, man nicht an Schulen oder sonstwo geworben habe.

2018 hatte der "rbb" Bildmaterial veröffentlicht, das Kalbitz 2007 in einem HDJ-Lager zeigt. Der AfD-Mann hatte daraufhin behauptet, er sei dort nur "als Gast" gewesen, "mutmaßlich, um mir das mal anzuschauen". Zu der E-Mail sagte Kalbitz auf Anfrage: "Mir ist eine entsprechende Mail von vor zehn Jahren nicht bekannt."

Außerdem erhielt Kalbitz am 10. August 2008 eine E-Mail von Horst Mahler. Der Rechtsextremist hat die NPD als Anwalt im Verbotsverfahren vertreten und später die "Verkündung der Reichsbürgerbewegung" veröffentlicht. In der E-Mail, die ebenfalls vorliegt, berichtet er von seinem ersten Prozesstag. Mahler stand damals wegen Holocaustleugnung vor Gericht. Bis heute sitzt er unter anderem deswegen in Haft.

Der Verteiler der Mail ist in diesem Fall allerdings groß, er umfasst 276 Adressen, viele von der NPD, andere mit rechtsextremen Wortspielen oder Kürzeln.

"Von einer E-Mail von Herrn Mahler vor elf Jahren weiß ich nichts", sagt Kalbitz auf Anfrage. "Ich habe keinerlei Kontakt mit Horst Mahler und distanziere mich schärfstens von den von ihm aufgestellten Thesen."

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akm

insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
zeichenkette 23.08.2019
1. Sowohl als auch geht immer gut
Kontakte in die rechtsextreme Szene pflegen, aber bei Nachfragen von nichtrechter Seite aus sich einfach ohne weitere Folgen distanzieren, damit bedient man beide Seiten. Die Rechten grinsen sich nur einen (Lügen sind ja nur bei den Gegner unmoralisch, eigene Lügen sind immer nur Notwehr) bei solchen Distanzierungen und die anderen, tja. Was will man schon machen? Solange man den ganzen rechten Haufen nicht als Terrorgruppe definiert und alle Kontakte als strafbare Unterstützung einer solchen betrachtet, fährt die Demokratie sich unter Einhaltung aller Regeln vor die Wand. Darin hat dieses Land durchaus Übung.
R.W.1955 23.08.2019
2. Und....
der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes Stephan J. Kramer hat ENGE Beziehungen zu Anetta Kahane (Amadeu Antonio Stiftung), die wiederum sehr eng mit der Antifa kooperiert. Stört aber anscheinend niemanden. Wetten ,dass mein Kommentar NICHT veröffentlicht wird.
Matzescd 23.08.2019
3. Das tut mir jetzt aber leid!
Zitat von R.W.1955der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes Stephan J. Kramer hat ENGE Beziehungen zu Anetta Kahane (Amadeu Antonio Stiftung), die wiederum sehr eng mit der Antifa kooperiert. Stört aber anscheinend niemanden. Wetten ,dass mein Kommentar NICHT veröffentlicht wird.
Was machen Sie denn jetzt? Ihre Vorhersage traf nicht ein.
smartinus 23.08.2019
4. Bitte bei den Fakten bleiben.
Zitat von R.W.1955der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes Stephan J. Kramer hat ENGE Beziehungen zu Anetta Kahane (Amadeu Antonio Stiftung), die wiederum sehr eng mit der Antifa kooperiert. Stört aber anscheinend niemanden. Wetten ,dass mein Kommentar NICHT veröffentlicht wird.
Bitte keine Verschwörungstheorien. Die Amadeu Antonio Stiftung kooperiert NICHT eng mit der Antifa. Sie ist vielmehr als gemeinnützig anerkannt, wird vom Bundesfamilienministerium gefördert und engagiert sich gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus. Was ist dagegen einzuwenden?
thomasfriedrich1 23.08.2019
5. Zurück zur Sachlichkeit
Die Dämonisierung von Teilen der Gesellschaft nützt dem demokratischen Diskurs in keiner Weise. Um die Demokratie zu schützen, muß man gesprächsbereit bleiben . In den "neuen" Bundesländern werden Extremisten von rechts und links mehrheitlich abgelehnt. Deshalb ist es nicht gut wenn das "Pension-Schöller-Syndrom" journalistisch kultiviert wird. Ostdeutsche haben in 40 Jahren DDR sehr gut gelernt, Realität und Ideologie voneinander zu unterscheiden. SPON sollte uns daher intellektuell nicht unterfordern, sonst sind wir zu Recht beleidigt. Mit allen politischen Kräften , die auf dem Boden des Grundgesetzes stehen, muß man reden können, sonst ist man selbst an der Spaltung der Gesellschaft beteiligt, die man vorgibt, verhindern zu wollen. Davon unberührt ist natürlich die Pflicht des Journalismus, seiner Informationspflicht nachzukommen.
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