Rechtsextremer Verein AfD-Spitzenkandidat Kalbitz erhielt E-Mail von HDJ-"Bundesführer"

Der AfD-Spitzenpolitiker Kalbitz hat seine Verbindungen in die rechtsextreme Szene immer kleingeredet. Eine Mail legt nach SPIEGEL-Informationen nahe: Die Kontakte waren womöglich enger als bisher bekannt.
AfD-Spitzenkandidat Andreas Kalbitz: Mail vom HDJ-"Bundesführer"

AfD-Spitzenkandidat Andreas Kalbitz: Mail vom HDJ-"Bundesführer"

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Markus Schreiber / AP

Der Brandenburger AfD-Landeschef Andreas Kalbitz war offenbar enger mit der rechtsextremen Szene vernetzt als bislang bekannt.

Am 12. Mai 2009, sechs Wochen nachdem die rechtsextreme "Heimattreue Deutsche Jugend" (HDJ) vom Bundesinnenministerium verboten worden war, bekam Kalbitz eine E-Mail von Sebastian Räbiger, dem letzten "Bundesführer" der HDJ. Die E-Mail liegt dem SPIEGEL vor.

Neben Kalbitz erhielten nur sechs weitere Personen die E-Mail, darunter Führungskräfte der HDJ, eine Frau von der rechtsextremen "Gemeinschaft Deutscher Frauen" und ein NPD-Mann. Außerdem ging die Mail an eine Adresse, die offenbar mit der "Deutschen Stimme" zu tun hat, der Zeitschrift der NPD.

In der E-Mail schrieb der "Bundesführer": "moin, für die, die es interessiert. mittwoch 19-21 Uhr www.netzradio-germania.de noch ein paar dinge zur hdj und zum drum herum." Er hoffe, dass "nichts wichtiges geschnitten wurde, gruß s". In dem Radiobeitrag erzählt Räbiger, dass alle Mitglieder "aus dem nationalen Lager" stammten, man nicht an Schulen oder sonstwo geworben habe.

2018 hatte der "rbb" Bildmaterial veröffentlicht, das Kalbitz 2007 in einem HDJ-Lager zeigt. Der AfD-Mann hatte daraufhin behauptet, er sei dort nur "als Gast" gewesen, "mutmaßlich, um mir das mal anzuschauen". Zu der E-Mail sagte Kalbitz auf Anfrage: "Mir ist eine entsprechende Mail von vor zehn Jahren nicht bekannt."

Außerdem erhielt Kalbitz am 10. August 2008 eine E-Mail von Horst Mahler. Der Rechtsextremist hat die NPD als Anwalt im Verbotsverfahren vertreten und später die "Verkündung der Reichsbürgerbewegung" veröffentlicht. In der E-Mail, die ebenfalls vorliegt, berichtet er von seinem ersten Prozesstag. Mahler stand damals wegen Holocaustleugnung vor Gericht. Bis heute sitzt er unter anderem deswegen in Haft.

Der Verteiler der Mail ist in diesem Fall allerdings groß, er umfasst 276 Adressen, viele von der NPD, andere mit rechtsextremen Wortspielen oder Kürzeln.

"Von einer E-Mail von Herrn Mahler vor elf Jahren weiß ich nichts", sagt Kalbitz auf Anfrage. "Ich habe keinerlei Kontakt mit Horst Mahler und distanziere mich schärfstens von den von ihm aufgestellten Thesen."

akm