Mögliche Gauland-Nachfolge Antisemit Gedeon will AfD-Chef werden

Gegen Wolfgang Gedeon läuft ein Parteiausschlussverfahren wegen antisemitischer Aussagen. Nun will er beim AfD-Parteitag am Wochenende als Co-Vorsitzender und Gauland-Nachfolger kandidieren.

Wolfgang Gedeon
Tom Weller/ DPA

Wolfgang Gedeon


Kurz vor dem Bundesparteitag der AfD hat der wegen antisemitischer Aussagen umstrittene baden-württembergische Landtagsabgeordnete Wolfgang Gedeon seine Kandidatur für den Parteivorsitz bekannt gegeben.

In seiner Ankündigung auf einer AfD-Webseite attackierte Gedeon den Bundesvorstand: Es sei skandalös, wenn die Führung der Partei versuche, durch Parteiausschlussverfahren den innerparteilichen Meinungskampf zu steuern, schrieb er.

Der Mediziner Gedeon hält unter anderem das Leugnen des Holocaust für eine legitime Meinungsäußerung. In seinem Buch "Der grüne Kommunismus und die Diktatur der Minderheiten" bezeichnet er den Massenmord an den Juden als "Zivilreligion des Westens". Das Holocaust-Mahnmal in Berlin erinnere laut ihm an "gewisse Schandtaten".

Die Formierung einer Gruppe jüdischer AfD-Mitglieder im Jahr 2018 nannte Gedeon einen strategischen Fehler und "überflüssig wie ein Kropf". Sie sei "im ungünstigsten Fall (…) eine zionistische Lobbyorganisation, die den Interessen Deutschlands und der Deutschen zuwiderläuft". In seinem Buch "Ich, die AfD und der Antisemitismus" schrieb Gedeon über eine "zionistische Verschwörung", zu der womöglich auch Teile der AfD gehörten.

AfD versucht seit 2016 Gedeon auszuschließen

Ende Oktober war ein Parteiausschluss gegen den wegen antisemitischer Aussagen belasteten Landtagsabgeordneten erneut gescheitert. Nun soll auf Wunsch der AfD-Spitze das Bundesschiedsgericht darüber entscheiden. Schon seit 2016 betrieb zunächst der baden-württembergische Landesvorstand den Parteiausschluss Gedeons. Das Landesschiedsgericht im Südwesten hatte den Antrag aber unter Verweis auf formale Gründe zurückgewiesen.

Gedeon selbst weist die Antisemitismusvorwürfe zurück. Er sitzt derzeit als fraktionsloser Abgeordneter im Stuttgarter Landtag und löst mit seinen Redebeiträgen immer wieder Empörung aus.

Die AfD will auf ihrem zweitägigen Parteitag in Braunschweig, der am Samstag beginnt, einen neuen Bundesvorstand wählen. Als aussichtsreiche Kandidaten für die zwei Chefposten gelten der aktuelle Vorsitzende Jörg Meuthen und der sächsische Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla. Letzterer wurde vom bisherigen AfD-Co-Chef Alexander Gauland als Wunschnachfolger auserkoren, es bewerben sich aber auch der AfD-Bundestagsabgeordneten Gottfried Curio und weitere.

Gauland, 78, möchte den Vorsitz offenbar räumen, um Ehrenvorsitzender der Partei zu werden und sich auf die Arbeit als Fraktionschef zu konzentrieren. Allerdings will der langjährige CDU-Politiker nach eigenem Bekunden erst auf dem Parteitag entscheiden, ob er erneut antritt.

Das Feld der Bewerber ist in den vergangenen Tagen unübersichtlicher geworden. Als chancenreiche gelten auch die niedersächsische Landeschefin Dana Guth und die Bundestagsabgeordnete Nicole Höchst.

cht/dpa



insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
der.tommy 29.11.2019
1.
Ja er soll bitte Parteichef werden, dann ist endlich absolut offensichtlich, dass die afd nichts weiter als die nsdap im Schafspelz ist und man kann sie endlich verbieten.
heinihuckeduster 29.11.2019
2. Wenn der gewählt wird,
kann die restliche AfD ihre Camouflage endlich an der Garderobe abgeben!
observerlbg 29.11.2019
3. Jetzt werden endgültig Weichen gestellt.
Wofür steht die AfD und wer steht hinter ihr? Wer sind ihre Wähler und was wollen diese? Solche Fragen könnten mit der Wahl des Parteivorsitzes geklärt werden. Ich bin gespannt.
claus7447 29.11.2019
4. Gedeon!
Der AfDler, der neben Räpple die größten Ausfälle im Landtag von BW zeigt. Und bezeichnend, die Parteiverfahren ziehen sich und ziehen sich. Bisher immer abgeleht. Begründung: keine ausreichenden Beweise.
hansdampf01 29.11.2019
5. Warum nicht?
Gedeon eignet sich im gleichem Maße wie die anderen genannten Kandidaten für den AFD Vorsitz. Fände das Duo Höcke / Gedeon ideal und repräsentativ.
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