Vorbereitete Werbebanner AfD will nach Terroranschlägen Stimmung gegen Merkel machen

Die AfD berät nach Informationen des SPIEGEL darüber, nach islamistischen Attentaten künftig gezielte Plakatkampagnen gegen die Kanzlerin zu starten. So soll sie "möglichst schnell zum Rücktritt" bewegt werden.

Führende Politiker der AfD wollen nach möglichen "islamistischen Anschlägen mit Todesopfern oder Schwerverletzten" künftig gezielt Stimmung gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel machen.

Hessens AfD-Chef Peter Münch fordert nach Informationen des SPIEGEL den Bundesvorstand auf, "professionelle Plakate/Banner" zu beschaffen, die nach Attentaten "an stark frequentierten Orten aufgehängt" werden können. Darauf solle "in großen Lettern stehen (z. B.): ,DANKE, FRAU MERKEL!'" (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

So steht es in einem Antrag der hessischen AfD-Spitze an den Bundeskonvent der Partei, der am 24. September in Kassel tagt. "Durch eine Personifizierung zukünftiger Anschläge" soll das Ziel erreicht werden, "die Bundeskanzlerin möglichst schnell zum Rücktritt zu bewegen/ihres Amtes zu entheben", heißt es in dem Antrag. Die Spruchbänder seien "aus wetterbeständigem Material herzustellen und im typischen ,AfD-Look' zu gestalten". Sie sollen an die Landes- und Kreisverbände verteilt und "vorrätig" gehalten werden.

Die Beratung des Antrags, den Münch und zwei weitere Vorstände der hessischen AfD, Manfred Mattis und Robert Rankl, gestellt haben, ist als Punkt 6 auf die vorläufige Tagesordnung der Sitzung des AfD-Bundeskonvents gesetzt worden. Münch sagte auf Anfrage, er habe den Inhalt des Antrags "nicht mehr haarklein im Hinterkopf", sei damit aber einverstanden gewesen und habe deshalb "mit unterschrieben".

Neue Spur in die Schweiz

Unterdessen gibt es neue Erkenntnisse zu der anonymen Werbekampagne, mit der ein ominöser Klub die AfD seit Monaten im Wahlkampf unterstützt.

Auf der Suche nach den anonymen Finanziers der Aktionen führt nun eine weitere Spur in die Schweiz: Auch die Gratiszeitung "Extrablatt" wurde offenbar von der PR-Firma Goal AG im Kanton Zürich gestaltet. Die Zeitung wurde vor den Landtagswahlen an Hunderttausende Haushalte in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin verteilt.

Die PR-Firma hatte laut Insidern mehrere Fotos gekauft, die in den "Extrablättern" verwendet wurden. Herausgegeben wird die Zeitung von einem "Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten". Er hetzt darin gegen Migranten und ruft zur Wahl der AfD auf. Zuletzt war bekannt geworden, dass die Goal AG die Plakatkampagnen des "Vereins" zugunsten der AfD betrieben hat. Wer die Hilfe für die Rechtspopulisten finanziert, ist unklar. Die AfD behauptet, nichts damit zu tun zu haben. Alexander Segert, Chef der Goal AG, wollte sich nicht äußern.

Das Finanzgebaren des ominösen Vereins wirft indes weitere Fragen auf. So wird in den "Extrablättern" direkt neben dem Aufruf "Jetzt AfD wählen" um Spenden geworben. "Sobald Ihre Spende bei uns eingetroffen ist", so ist dort zu lesen, "erhalten Sie eine Bestätigung für Ihre Steuererklärung." Dabei ist die Organisation bislang kein Verein, der Spendenbescheinigungen ausstellen könnte. Eine Sprecherin erklärte dazu: "Dieser Satz wurde verfrüht abgedruckt." Ein Verein befinde sich in der Gründung.

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