Strohmannaffäre der AfD Bundestag verlangt Auskunft über weitere dubiose Spende

Von wem stammen die 38.000 Euro, die auf ein Konto des Kreisverbands von AfD-Fraktionschefin Alice Weidel flossen? Nach Informationen von SPIEGEL und "Report Mainz" hat die Bundestagsverwaltung ein neues Prüfverfahren eingeleitet.

AfD-Chef Meuthen, Fraktionschefin Weidel
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AfD-Chef Meuthen, Fraktionschefin Weidel

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Fragwürdige Geldflüsse, gefälschte Unterstützerlisten, dubiose Wahlkampfhilfen aus der Schweiz - seit Wochen wird die AfD von einer Spenden- und Strohmannaffäre erschüttert. Im Zentrum des Skandals stehen ausgerechnet Parteichef Jörg Meuthen, derzeit Spitzenkandidat im Europawahlkampf, sowie die Nummer zwei der AfD-Europaliste, Guido Reil. Von gleich mehreren Spendenaffären belastet ist die Chefin der AfD-Bundestagsfraktion, Alice Weidel.

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Nun kommt in ihrem Fall noch eine weitere dazu: Im Zusammenhang mit mutmaßlichen Strohmannspenden an ihren AfD-Kreisverband hat die Bundestagsverwaltung nach Informationen des SPIEGEL und des ARD-Politikmagazins "Report Mainz" ein neues Prüfverfahren eingeleitet. Laut Behörde wurde die AfD aufgefordert, zu Medienberichten über neue dubiose Geldflüsse Stellung zu nehmen. Es geht um rund 38.000 Euro, die, gestückelt in Tranchen, im Frühjahr 2018 auf einem Konto des Kreisverbands Bodenseekreis eingegangen waren, wie NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" berichtet hatten.

Nach Recherchen von SPIEGEL und "Report Mainz" fungierten drei Personen als Absender: ein Geschäftsmann aus Antwerpen, ein Pensionär aus Mülheim an der Ruhr und eine Duisburgerin. Ob sie die echten Geldgeber sind, ist jedoch fraglich, der Antwerpener bestritt das bereits gegenüber "Report Mainz". Die AfD bat nun die drei zu bestätigen, dass sie "das Geld selbst gespendet" haben und nicht "auf Rechnung eines Dritten".

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Einiges spricht dafür, dass das Geld in Wahrheit aus dem Umfeld des Immobilienmilliardärs Henning Conle stammen könnte, der in der Schweiz lebt und mit mehreren fragwürdigen Zuwendungen an AfD-Politiker in Verbindung gebracht wird. Der angebliche Spender aus Antwerpen etwa arbeitet für eine Conle-Firma und taucht auch auf mutmaßlich gefälschten Listen mit angeblichen Finanziers auf, die AfD-Chef Jörg Meuthen und AfD-Vorstandsmitglied Guido Reil 2016 und 2017 mit Werbekampagnen im Wert von rund 135.000 Euro unterstützt haben sollen (SPIEGEL 13/2019). Auch in diesen Fällen prüft die Bundestagsverwaltung - der AfD drohen Strafzahlungen in Höhe von rund 400.000 Euro. Milliardär Conle war für eine Stellungnahme bislang nicht erreichbar.

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insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
surfingod 12.04.2019
1. na super
So ziemlich alle hatten ihren Parteispenden Skandale, vorweg die CDU mit ihrem sehr schweigsamen Herrn Kohl. Bei der AFD muss natürlich jetzt ein riesen Fass aufgemacht werden. Na und, was solls. Korruption hat und wird es in Deutschland und auf der Welt immer geben, aber wie heißt es so schön "wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein".
nurdieruhe 12.04.2019
2. Investigativer Journalismus sei Dank!
Ich möchte hier mal eine Lanze brechen für die vielen guten und hochengagierten Journalisten, die von den Anhängern der alternativen Fakten in geeinter Niedertracht als Lügenpresse diffamiert werden. Großartig, dass ihr solche Sachen aufdeckt - ein unbezahlbarer Dienst für die Demokratie. Anders als Parteien bekommt ihr keine Steuergelder, sondern kämpft ums wirtschaftliche Überleben. Deshalb mein Appell an uns alle, für guten Investigativ-Journalismus zu bezahlen- es ist eine exzellente Investition in unsere Zukunft!
Interzoni 12.04.2019
3. Miethai und AFD
"Milliardär Conle war für eine Stellungnahme bislang nicht erreichbar." Genau so ging es mir damals auch, nachdem meine Mietwohnung von Conle übernommen wurde. Das Haus verfiel, die Mieten würden hochgeschraubt, die Verwaltung hatte wöchentlich eine kurze Sprechstunde für Tausende Mieter. Statt Geschäften kamen unten ins Haus zwei Spielhallen rein. Soviel zum sauberen Afd-Spender Conle.
starseed 12.04.2019
4.
Zitat von surfingodSo ziemlich alle hatten ihren Parteispenden Skandale, vorweg die CDU mit ihrem sehr schweigsamen Herrn Kohl. Bei der AFD muss natürlich jetzt ein riesen Fass aufgemacht werden. Na und, was solls. Korruption hat und wird es in Deutschland und auf der Welt immer geben, aber wie heißt es so schön "wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein".
Glücklicherweise wird bei rechtswidrigem Verhalten von Parteien immer ein Fass aufgemacht. Kohl wurde, wenn ich mich richtig erinnere, sogar Beugehaft angedroht...
burlei 12.04.2019
5. Kommen die Spenden ...
... wirklich von diesem dubiosen Milliardär H. Conle oder dient er auch nur als Verteiler? Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass das Geld seinen Ursprung in Russland hat. Dafür spricht die enge Anlehnung der AfD an Russland, ihre Kontakte und die Weigerung, sich von Mitgliedern zu distanzieren, die unter Kontrolle der russischen Administration stehen. Wäre es so, kann man dann wohl nicht mehr von einer Spendenaffäre reden. Herzlichen Glückwunsch, liebe AfD! Ihr seid dann nicht mehr der Korruption verdächtig, ihr seid dann nur die 5. Kolonne einer fremden Macht, simple Marionetten an deren Fäden.
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