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AfD-Chef Meuthen und seine Pläne Ein rechter Saubermann

Jörg Meuthen hatte sich mit dem extremen "Flügel" verbündet, jetzt inszeniert er sich als dessen Gegner. Bremst er den Niedergang der Partei oder beschleunigt er ihn?
aus DER SPIEGEL 32/2020
AfD-Chef Meuthen: "Weil ich Jörg Guck-in-die-Luft bin"

AfD-Chef Meuthen: "Weil ich Jörg Guck-in-die-Luft bin"

Foto:

Ronny Hartmann / AFP

Meuthen ist wegen falscher uneidlicher Aussage angezeigt worden. Sein ehemaliger Büroleiter, Ralf Özkara, behauptet, Meuthen habe in der Verhandlung vom 9. Januar rund um seine Spendenaffäre "vorsätzlich falsch" ausgesagt. "Herrn Prof. Dr. Meuthen war sehr wohl bewusst, woher die Spenden kamen, für welchen Zweck sie genutzt wurden, und er kannte auch, zumindest teilweise, den finanziellen Umfang", schreibt Özkara in der Anzeige. Meuthen dementiert die Vorwürfe.

Lesen Sie hier die ganze Geschichte:

Jörg Meuthen lehnt entspannt im Ledersessel, das linke Bein über das rechte geschlagen. Der Termin am Dienstagabend im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus des Bundestags könnte kaum angenehmer sein für den AfD-Chef. Die 35 Gäste sind handverlesen, geladen von einem Abgeordneten der "Alternativen Mitte", also jenem Grüppchen, das sich mal gegründet hat, um dem rechtsextremen "Flügel" etwas entgegenzusetzen.

Die Fragen an "Herrn Professor Meuthen" sind harmlos. Was er denn am liebsten tun würde, wenn es in seinem Leben mal nicht mehr um Politik ginge? "Dann würde ich endlich wieder segelfliegen", sagt Meuthen. 20 Jahre lang habe er das gemacht, erst gestern habe er Lenticularis am Himmel gesehen, linsenförmige Wolken. "Bei gutem Wetter laufe ich Gefahr, gegen einen Laternenmast zu rennen, weil ich Jörg Guck-in-die-Luft bin."

Es ist Meuthens liebste Selbstinszenierung. Einer, der abgelenkt durch die Welt wandelt und dabei wie Hanns Guck-in-die-Luft aus dem "Struwwelpeter" auch mal aus Versehen baden geht.

Der nicht geahnt haben will, dass es sich um eine illegale Spende handelte, als er sich im Wahlkampf Plakate finanzieren ließ. Der über Jahre nicht mitbekommen haben will, wie rechtsextrem Andreas Kalbitz ist, der Fraktionschef aus Brandenburg, dessen Ausschluss aus der Partei das Schiedsgericht vergangene Woche bestätigt hat.

Meuthen hat die Rolle in den vergangenen Jahren perfektioniert. Wenn eine kritische Frage kommt, lacht er erst mal laut auf, wirft den Kopf nach hinten, antwortet mit einem spitzbübischen Lächeln.

"Ich habe nichts Unrechtes getan", sagte Meuthen zu seiner Spendenaffäre, die die Partei nun 269.400 Euro Strafzahlung kostet, plus Anwaltshonorar.

"Von dem kann ich gesichert sagen: Dieser Mann ist nicht rechtsextrem", sagte Meuthen noch im Herbst über Kalbitz.

Die Inszenierung funktioniert, seit fünf Jahren ist Meuthen Parteichef der AfD, so lange hielt sich keiner vor ihm. "Das waren fünf Jahre auf einem Rodeobullen", sagt Meuthen, "und ich bin noch nicht runtergefallen." Momentan allerdings buckelt der Bulle ganz schön. Die AfD steht vor ihrer größten Zerreißprobe.

Wie der Machtkampf in der Führung ausgeht, entscheidet über das Schicksal der gesamten Partei. Bleibt der Graben zwischen den Rechtsextremen und den vermeintlich Moderaten tief, könnte die Spaltung der Partei folgen. Denn in ihrem jetzigen Zustand würde die Partei nur schwer einen klaren Bundestagswahlkampf im kommenden Jahr führen können.

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