Vor Treffen mit Zentralrat AfD-Chefin Petry warnt vor weiterer Zuwanderung von Muslimen

Mit seiner Einladung an Frauke Petry hatte der Zentralrat der Muslime die Basis für einen Dialog mit der AfD schaffen wollen. Doch vor dem Treffen verschärft die Parteichefin den Ton.
AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry: Anti-Islam-Kurs bestärkt

AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry: Anti-Islam-Kurs bestärkt

Foto: Andreas Gebert/ dpa

Vor ihrem Treffen mit der Spitze des Zentralrats der Muslime schlägt die AfD-Vorsitzende Frauke Petry scharfe Töne an. Sie warnte in der "Bild am Sonntag" vor einer weiteren Zuwanderung von Muslimen nach Deutschland und Europa: "Wir sehen wesentliche Errungenschaften der Aufklärung in Gefahr, wenn wir diesen Weg der ungeregelten Migration, verbunden mit dem Import eines religiösen Radikalismus weitergehen."

Petry sagte weiter: "Wenn mehr als die Hälfte der Muslime im Zweifel der Scharia den Vorrang vor dem jeweiligen Landesrecht geben, braut sich etwas zusammen, was nicht mehr kontrollierbar ist." Dies stelle die Existenz der bürgerlichen Grundrechte für die Menschen in Europa in Frage.

Neben Minaretten lehnte sie in einem Zeitungsinterview auch das Kopftuch für muslimische Frauen ab. "Weder Minarette noch der Muezzinruf oder die verschiedenen Verschleierungsarten von Frauen sind entscheidend für die islamische Religionsausübung", sagte Petry der "Bild am Sonntag".

"Mitverantwortung für extremistische Gewalttaten"

Die AfD-Chefin verwies darauf, dass ihrer Wahrnehmung nach gerade Frauen, die sich vom Islam emanzipiert hätten, das Kopftuch ablehnten. "Es gibt Muslimas, die es freiwillig tragen, bei anderen ist es ein Unterdrückungssymbol. Wir haben in der Tat ein Problem damit."

Massive Kritik an den Positionen Petrys kommt von der Integrationsbeauftragten der Unions-Bundestagsfraktion, Cemile Giousouf. Sie gibt der AfD-Vorsitzenden in einem Streitgespräch in der "Bild am Sonntag" eine persönliche Mitverantwortung für rechtsextreme Gewalttaten. "Wenn heute Molotowcocktails fliegen, dann ist das ein Produkt Ihrer zündelnden Sprache und Ihrer Politik, Frau Petry. Sie hetzen die Menschen gegeneinander auf."

Giousouf, die die erste CDU-Bundestagsabgeordete muslimischen Glaubens ist, beklagt eine zunehmende Islamfeindlichkeit in Deutschland. Die Integrationsbeauftragte verglich die AfD mit den radikalislamischen Salafisten. "Salafisten entfremden Verse aus dem Koran, um die Menschen zu manipulieren. Genauso macht die AfD das auch, um zu zeigen, dass der Islam abzulehnen ist."

Die Spitzen der rechtspopulistischen AfD und des Zentralrats der Muslime (ZDM) wollen sich am Montag in Berlin zu einem Gespräch treffen. Anfang Mai hatte die AfD ein Parteiprogramm verabschiedet, in dem es heißt, "der Islam gehört nicht zu Deutschland". Daraufhin erklärte der ZDM-Vorsitzende Aiman Mazyek, zum ersten Mal seit dem Ende der Naziherrschaft gebe es in Deutschland eine Partei, "die erneut eine ganze Religionsgemeinschaft diskreditiert und sie existenziell bedroht".

Mazyek sagte der "Welt am Sonntag" vor dem Treffen mit der AfD-Spitze: "Populismus, persönliche Angriffe und Hass sind keine Form des Dialoges, noch ersetzen sie die Kraft der Argumente."

mik/dpa/AFP
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