Zur Ausgabe
Artikel 11 / 62
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Verdoppelte Erbschaft 14,4 Millionen Euro für die AfD

Immobilien, Bargeld - und vor allem Gold: Das Millionenerbe eines niedersächsischen Ingenieurs an die AfD ist nach SPIEGEL-Informationen doppelt so viel wert wie ursprünglich angenommen.
aus DER SPIEGEL 32/2020
Goldbarren und -münzen: Millionen für die AfD

Goldbarren und -münzen: Millionen für die AfD

Foto: Michael Dalder / REUTERS

Die größte bekannte Einzelzuwendung in der bundesdeutschen Parteiengeschichte ist in Wahrheit doppelt so hoch wie angenommen. Das Erbe des Ingenieurs Reiner Strangfeld an die AfD liegt bei einem Wert von aktuell 14,4 Millionen Euro statt, wie zuvor geschätzt, bei rund sieben Millionen Euro. Das geht aus der Stellungnahme eines Steuerberaters für den AfD-Bundesvorstand hervor, die dem SPIEGEL vorliegt.

Parteichef Tino Chrupalla hatte auf die Expertise gedrängt. Die Wertsteigerung basiert vor allem auf dem Goldpreis, der Ende Juni deutlich höher lag als am 3. Juli 2018, dem Todestag Strangfelds. Vermacht wurden laut Auflistung Immobilien, Bargeld, zwei Fahrzeuge sowie Gold: 133 Barren zu je einem Kilogramm, zehn Barren zu 500 Gramm und 4542 Krügerrand-Münzen, dazu noch mehr als 300 Silbermünzen.

DER SPIEGEL 32/2020

Corona Teil II: Sind wir zu leichtsinnig?

Feiern, Urlaub, Schulanfang: Warum jetzt eine neue Welle droht - und was sie stoppen kann

Zur Ausgabe

Der Steuerberater empfiehlt eine weitere "rechtliche Prüfung der Abwicklung des Nachlasses von juristischer Seite". Er warnt davor, dass Steuern nachgefordert werden könnten, sollte der Erblasser diese nicht oder nur teilweise erfüllt haben.

Das Erbe soll in den nächsten zwei Wochen der AfD übergeben werden, Bankschließfächer sind bereits angemietet. Ein AfD-Sprecher verweist lediglich auf den Rechenschaftsbericht.

Der millionenschwere Nachlass war im Februar dieses Jahres bekannt geworden. Schon in der ursprünglich geschätzten Größenordnung handelte es sich um einen der höchsten Geldzuflüsse der deutschen Parteiengeschichte.

Ingenieur Strangfeld verdankte sein Vermögen offenbar einer Reihe von Erfindungen in den Siebziger- und Achtzigerjahren, für die er insgesamt 25 Patente anmeldete - unter anderem für eine neuartige "WC-Spülanlage". Im Alter von 79 Jahren nahm sich Strangfeld, der bis dahin in der niedersächsischen Kleinstadt Bückeburg wohnte, im Juli 2018 das Leben. Erbberechtigte Verwandte hatte er offenbar keine, er vermachte sein gesamtes Vermögen der AfD-Bundespartei.

Eine Mitgliedschaft in der AfD ist nicht dokumentiert. In seiner Wohnung fand die Polizei eine frühere Fassung seines Testaments. Darin hatte Strangfeld geschrieben, er hinterlasse sein Vermögen jener Partei, "die sich am ehesten gegen den Zuzug von Ausländern wendet". Die AfD fügte der Millionär wohl erst später als Erben ein.

akm
Zur Ausgabe
Artikel 11 / 62
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.