Richtungsstreit in der Union CDU-Politiker nennt Absage an AfD töricht

Kanzlerin Merkel schließt eine Zusammenarbeit ihrer Partei mit der AfD aus - doch vom konservativen CDU-Flügel kommt Widerspruch. Christean Wagner, Mitbegründer des Berliner Kreises, hält eine Absage an die Euro-Kritiker für falsch.
CDU-Politiker Wagner: "Darauf müssen wir Antworten finden"

CDU-Politiker Wagner: "Darauf müssen wir Antworten finden"

Foto: Jörg Carstensen/ picture alliance / dpa

Berlin - CDU-Chefin Angela Merkel trifft mit ihrer Absage an jegliche Zusammenarbeit mit der Europa-skeptischen Alternative für Deutschland (AfD) auf Widerstand in ihrer Partei. "Die AfD ist mir als politischer Konkurrent nicht willkommen, aber ich halte es für politisch töricht zu sagen, mit denen werden wir nie zusammengehen", sagte der CDU-Politiker Christean Wagner SPIEGEL ONLINE.

Wagner war bis zum Januar Fraktionschef der CDU im hessischen Landtag. Er ist Mitbegründer des Berliner Kreises in der Union, der in der Vergangenheit immer wieder eine Schärfung des konservativen Profils von CDU und CSU forderte.

Wagner begründete seine Haltung vor allem mit der anhaltenden Schwäche der FDP. Die Union müsse weiter daran interessiert sein, dass die FDP trotz ihres erneuten Absturzes bei der Europawahl wieder auf die Beine komme, sagte Wagner. "Ich bevorzuge eindeutig die FDP, aber halte es für einen taktischen Fehler, jetzt schon eine Zusammenarbeit mit der AfD für unmöglich zu erklären." Ein nicht geringer Teil der AfD-Wähler habe zuvor Union oder FDP gewählt. "Darauf müssen wir Antworten finden", so Wagner.

Zuvor hatte bereits der CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch eine Koalition mit der AfD für die Zukunft nicht ausgeschlossen. "Wir müssen für künftige Koalitionen nüchtern darauf blicken, mit wem wir die größten Schnittmengen haben: mit der SPD, mit den Grünen oder mit der AfD. Da sehe ich die größten Schnittmengen mit der AfD", sagte Willsch SPIEGEL ONLINE. AfD-Chef Bernd Lucke hatte sich daraufhin erfreut über "gewisse Lockerungsübungen gegenüber der AfD" in der Union gezeigt und Regierungsbeteiligungen seiner Partei auf Länderebene ins Spiel gebracht.

Kanzlerin Angela Merkel schloss am Montag jedoch eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch aus. Diese Meinung wurde auch einhellig in den CDU-Führungsgremien vertreten. Umstritten blieb aber, ob die Union künftig die offensive Auseinandersetzung mit den Europa-Kritikern suchen soll.

In der Vorstandssitzung am Montag zählte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier zur Veranschaulichung jene Gegenden auf, in denen die AfD in Hessen besonders starke Ergebnisse holte. "Man muss sich damit auseinandersetzen", wurde der CDU-Vize von Teilnehmern zitiert. Generalsekretär Peter Tauber habe dagegen betont, dass er davon ausgehe, dass die AfD das gleiche Schicksal wie die Piraten ereile. Diese haben an ihre Wahlerfolge in einigen Bundesländern in den Jahren 2011 und 2012 zuletzt nicht mehr anknüpfen können.

Die AfD kam bei der Europawahl auf sieben Prozent. CDU und CSU mussten im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren leichte Verluste hinnehmen, sie erreichten gemeinsam 35,3 Prozent.