Umstrittener Pressesprecher Die Affäre Lüth der AfD-Fraktion

AfD-Fraktionschef Gauland ließ den bisherigen Pressesprecher Christian Lüth von seinem Job entbinden. Nun soll es weitere Untersuchungen in der Affäre geben - es geht auch um einen U-Boot-Kommandanten aus der Nazizeit.
AfD-Fraktion in der Corona-Zeit: Schutzmasken verteilt

AfD-Fraktion in der Corona-Zeit: Schutzmasken verteilt

Foto: Christian Spicker/ imago images/Christian Spicker

Seit Tagen ist Christian Lüth für die Medien nicht zu sprechen. Der Pressesprecher der AfD-Fraktion ist von seinem Posten freigestellt - auf Geheiß des Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland.

Der hatte dem Fraktionsvorstand kürzlich die Maßnahme mitgeteilt, am Dienstag nun trug Gauland den Fall selbst noch einmal vor der Bundestagsfraktion in Berlin vor. Dort folgten die anwesenden Abgeordneten der AfD der Linie Gaulands, ohne dass es zu einer förmlichen Abstimmung über den Vorgang kam, wie es von Teilnehmern hieß. Bis auf Weiteres sei Lüth von seiner Funktion enthoben, wurde dem SPIEGEL bestätigt. Auch sollen weitere Details rund um den Vorgang von Gauland und weitere Fraktionsmitgliedern untersucht werden.

Dass der Fall mit den Abgeordneten diskutiert wurde, hat einen Grund: Nach der sogenannten Arbeitsordnung der AfD-Fraktion wird ihr Pressesprecher auf Vorschlag des Fraktionsvorstands gewählt, muss also demnach auch abgewählt werden - sollte es dazu kommen.

Wie zu erfahren war, wurde auf der Fraktionssitzung der Fall Lüth in allen seinen Facetten "kontrovers" diskutiert.

Der Hintergrund der Affäre, die in der AfD hohe Wellen schlägt, ist ein komplexer Vorgang, in dem es unter anderem um einen Chatverlauf mit einer Frau aus der konservativen WerteUnion in der CDU geht. In der Online-Unterhaltung vom Ende vergangenen Jahres, die "Zeit Online" in Teilen veröffentlicht hat, hatte sich der 43-jährige Pressesprecher gegenüber der Frau als "Faschist" bezeichnet und auf die "arische" Abstammung seines angeblichen Großvaters verwiesen, des zu Nazizeiten hochdekorierten U-Boot-Kommandanten Wolfgang Lüth.

Letztes Staatsbegräbnis Nazideutschlands

Dieser war im Zweiten Weltkrieg von der deutschen Propaganda als Held aufgebaut worden. Wolfgang Lüth wurde wenige Tage nach Kriegsende im Mai 1945 von einem deutschen Wachsoldaten in Flensburg erschossen. Der Kapitän zur See erhielt noch nach der Kapitulation das letzte Staatsbegräbnis Nazideutschlands - an der Spitze Hitlers Nachfolger, Großadmiral Karl Dönitz.

Wie Recherchen von "Zeit Online" und SPIEGEL ergaben, ist Christian Lüth aber nicht der Enkel des U-Boot-Kommandanten Wolfgang Lüth. Diese Legende hatte er nach Aussagen mehrerer AfD-Vertreter und Abgeordneter wiederholt in der Partei und Fraktion erzählt.

Jan Lüth, der jüngste Sohn des U-Boot-Kommandanten, zeigte sich kürzlich in einem Interview mit dem SPIEGEL empört über den AfD-Fraktionspressesprecher. "Es ist einfach nur unglaublich", so Jan Lüth, der über seinen Vater sagte: "Ich bin heute mit dem, was ich über ihn weiß, der Meinung, dass er ein Nazi war." Jan Lüth ging auch auf die AfD-Affäre mit kritischen Worten ein: "Was auch immer Herr Christian Lüth gesagt hat, er scheint ja damit in seiner Partei etwas erreicht haben zu wollen - Anerkennung womöglich."

Aus der Familienchronik, die Jan Lüth dem SPIEGEL übermittelte, geht eindeutig hervor, dass der U-Boot-Kommandant nicht der Großvater, sondern Großonkel von Christian Lüth ist.

Der freigestellte Fraktionspressesprecher Christian Lüth bestätigte nunmehr dem SPIEGEL in einer SMS, dass Wolfgang Lüth sein "Großonkel" sei. Warum er das intern lange Zeit anders dargestellt hatte, beantwortete er - bislang - nicht.