Führungsstreit unter Rechtspopulisten Petry keilt gegen AfD-Chef Lucke

AfD-Vorsitzende Frauke Petry: Macht den Führungsstreit öffentlich
Foto: Sean Gallup/ Getty ImagesBerlin - Im Dezember will Bernd Lucke alleiniger Vorsitzender der Alternative für Deutschland (AfD) werden, vorher teilt die Co-Parteichefin noch kräftig gegen ihn aus: Es falle ihr schwer, "Luckes Willen zur Integration zu erkennen", sagte Frauke Petry der "Bild"-Zeitung. Lucke habe auf dem jüngsten Parteitag versprochen, die von Flügelstreitigkeiten zerrüttete Partei zu einen. "Ich fordere ihn dazu auf, sich an dieses Versprechen zu halten und den Kompromiss mit Leben zu füllen", so Petry.
Die AfD-Frau richtete auch eine persönliche Forderung an den Parteigründer: "Ich erwarte von Bernd Lucke jetzt ein klares Bekenntnis zu meiner Person", sagte Petry: "Ohne eine starke Co-Vorsitzende geht es nicht."
Derzeit bilden Petry und Lucke gemeinsam mit Konrad Adam die Dreierspitze der AfD. Auf einem Parteitag im Juni sollen zunächst zwei Parteichefs bestimmt werden, ab Jahresende wird dann nur noch ein Vorsitzender die Partei führen - diesen Posten strebt Lucke an. Petry sagte dazu: "Wenn Bernd Lucke das Gebot zur Zusammenarbeit ernst nimmt, ist seine Wiederwahl mit Sicherheit nicht gefährdet."
Der gemeinsamen Zusammenarbeit im Vorstand stellte Petry ein schlechtes Zeugnis aus. Hier gebe es "noch großes Verbesserungspotenzial und Luft nach oben", sagte sie. Lucke müsse nun demonstrieren, dass er zur Teamarbeit bereit sei.
In dem Personalstreit bei der AfD geht es auch um eine Auseinandersetzung um den Kurs der Rechtspopulisten. Lucke möchte die Partei auf einen wirtschaftsliberalen Kurs führen, Petry steht für eine konservativ-nationalliberale Ausrichtung.
"Kopftuch ist auch ein Instrument der Unfreiheit"
Die AfD-Spitze hat sich unterdessen zu einer gemeinsamen Position in der Kopftuch-Frage durchgerungen. Der AfD-Bundesvorstand stellte am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung fest: "Bei allem Respekt vor dem höchsten deutschen Gericht darf man nicht vergessen, dass das Kopftuch auch ein Instrument der Unfreiheit von muslimischen Frauen ist." Das Bundesverfassungsgericht hatte am 13. März das pauschale Kopftuchverbot für Lehrerinnen gekippt.
Petry und einige andere Angehörige der Parteispitze hatten die Grundsatzentscheidung als Ausdruck der Religionsfreiheit begrüßt. Dagegen kritisierten der Co-Vorsitzende Konrad Adam und weitere führende Mitglieder der rechtskonservativen Partei das Urteil.
In seiner Erklärung wirft der AfD-Parteivorstand dem Gericht vor, es erschwere den Schulleitern mit seinem Urteil die Arbeit. Der Gesetzgeber solle deshalb Regelungen treffen, "die es den Schulleitern erleichtern, den Religionsfrieden an den staatlichen Schulen zu wahren".
Zusammengefasst: Die AfD-Co-Sprecherin Frauke Petry hat Parteigründer Bernd Lucke mangelhafte Kooperation vorgeworfen: Wenn die Zusammenarbeit künftig besser funktioniere, sei seinen Wiederwahl nicht gefährdet. In der Kopftuch-Frage hat sich die Partei zu einer gemeinsamen Position durchgerungen: Das Kopftuch sei "auch ein Instrument der Unfreiheit von muslimischen Frauen".