Frühere Parteichefin Frauke Petry erhebt schwere Vorwürfe gegen AfD-Spitzenpersonal

Die einstige AfD-Chefin Frauke Petry greift aktuelle Spitzenvertreter der Partei an: Parteichef Meuthen und Spitzenkandidatin Weidel hätten illegale Spenden angenommen. Das Geld soll aus der Schweiz stammen.
Frauke Petry im Bundestag

Frauke Petry im Bundestag

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

Die ehemalige AfD-Vorsitzende Frauke Petry wirft dem aktuellen Spitzenpersonal der Partei schwere Verstöße gegen das Parteiengesetz vor. Sie habe Kenntnis davon, dass AfD-Chef Jörg Meuthen illegale Spendengelder des umstrittenen Immobilien-Milliardärs Henning Conle »vorbei an den offiziellen Parteigremien in illegale Kanäle gelenkt hat«, sagte Petry dem ZDF-Magazin »Frontal 21«  und dem Recherchezentrum »Correctiv«. Mit dem Geld sollte Petry zufolge vor allem der Facebook-Auftritt der AfD zur Bundestagswahl 2017 gestärkt werden.

Neben Meuthen wirft Petry auch Alice Weidel, Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, vor, illegale Spenden angenommen zu haben, was sie selbst stets abgelehnt habe. »Was für mich ein Tabu war, war für andere offenbar kein solches«, sagte Petry den Medien.

Auf SPIEGEL-Anfrage wies Meuthen Petrys Vorwürfe zurück. Petry gebe vor, »Kenntnis von etwas zu haben, was nicht wahr ist«, sagte der AfD-Chef. Zu etwaigen Kontakten zu Milliardär Conle schwieg Meuthen, er sage »grundsätzlich nichts zu persönlichen Kontakten«.

Auch Weidels Pressesprecher Daniel Tapp wies Petrys Vorwürfe zurück. »Die Unterstellungen von Frau Petry sind unerhört«, sagte er dem SPIEGEL. »Für sie steht offensichtlich im Vordergrund, von den eigenen Verfehlungen abzulenken und aus PR-Gründen Frau Weidel mit unhaltbaren Vorwürfen zu überziehen. Vermutlich benötigt sie einen Anheizer, um ihr Büchlein zu bewerben.« Petrys Buch »Requiem für die AfD« erscheint am Freitag.

Verdeckte Wahlkampfhilfen für Meuthen, Weidel und weitere Spitzenpolitiker hatten der AfD bereits Strafzahlungen der Bundestagsverwaltung in jeweils sechsstelliger Höhe eingebracht: Im Fall Meuthen belief sich das Strafgeld auf rund 270.000 Euro, im Fall Weidel fast 400.000 Euro.

Kontakt in die Schweiz

Mit den Spenden, über die Petry nun spricht, sollte der ehemaligen Parteichefin zufolge vor allem der Facebook-Auftritt der AfD zur Bundestagswahl 2017 gestärkt werden. »Bei dem potenziellen Unterstützer handelt es sich nach meinen Informationen um Henning Conle«, sagte Petry »Frontal21« und »Correctiv«: »Das Geld zur Unterstützung der Social-Media-Aktivitäten floss wohl über die Schweizer Goal AG.«

Die Vorwürfe untermauert die Ex-AfD-Vorsitzende auch in ihrem Buch. Darin heißt es: »Die Goal AG finanzierte über rund ein Jahr umfangreich die Arbeit in den digitalen Medien.« Außerdem heißt es dort, die Parteispitze habe den »Kontakt mit der Goal AG und Conle« hergestellt.

Petry will ihr Buch im Paul-Löbe-Haus des Bundestages vorstellen. Die Präsentation gehört zu ihren letzten Terminen im Abgeordnetenhaus – nach vier Jahren kandidiert sie nicht erneut für den Bundestag.

Die 46-Jährige war neben Bernd Lucke und Konrad Adam 2013 Gründungsvorsitzende der AfD, ein Jahr später zog sie in den sächsischen Landtag ein. Gemeinsam mit Höcke verschob Petry die AfD weiter nach rechts, 2015 wurde sie Parteivorsitzende. Nach der Bundestagswahl 2017 trat Petry vom Vorsitz zurück und verließ die Partei – die Extremen vom »Flügel« hatten sie überholt. Ein Neustart mit der von ihr gegründeten Partei »Die Blauen« misslang.

mrc/sev/srö
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.