AfD-Chefin Petry allein zu Haus

In Umfragen steht die AfD glänzend da, doch intern hängt der Haussegen schief: Frauke Petry sorgt mit ihren Alleingängen zunehmend für Kopfschütteln. Sind ihre Tage an der Spitze gezählt?
AfD-Vorstandssprecherin Petry

AfD-Vorstandssprecherin Petry

Foto: Axel Schmidt/ Getty Images

Wer in diesen Tagen die Homepage der AfD besucht, dem fällt eines auf: Meldungen der Vorstandssprecherin Frauke Petry sucht man vergeblich. Hingegen finden sich ausführliche Presseerklärungen anderer Führungsmitglieder, unter anderem ihres Co-Sprechers Jörg Meuthen, des AfD-Vizes Alexander Gauland oder des sachsen-anhaltischen Landeschefs André Poggenburg. Es geht meist um aktuelle Themen: die Politik des Internationalen Währungsfonds, das EU-Türkei-Abkommen, den Tod des FDP-Politikers Hans-Dietrich Genscher.

Von Petry aber, immerhin das bekannteste Gesicht der Partei: kein Bild, kein Text. Nichts. Fast wirkt es so, als habe sie die AfD schon verlassen, wie einst der frühere Partei-Mitgründer Bernd Lucke. Hat sie aber nicht.

Ihre derzeitige Abwesenheit auf der offiziellen Seite ist ein Symptom für den schleichenden Prozess, der sich seit Längerem in der rechtspopulistischen AfD abzeichnet: Petry, auch sächsische Landes- und Fraktionschefin, ist an der Spitze zunehmend isoliert. Es sind weniger inhaltliche Differenzen, es ist ihr Stil, der manche in der Partei bereits an das Agieren Luckes erinnert - einst hatte sie ihm fehlenden Integrationswillen vorgehalten.

Nun sprechen sie in der Partei immer öfter über Petrys Egozentrik.

Ihre Alleingänge sorgen intern für Kopfschütteln und Unverständnis. So hatte sie jüngst dem Bundesvorstand mitgeteilt, nicht mehr die Dienste von Parteisprecher Christian Lüth in Anspruch nehmen zu wollen.

Äußerer Anlass für ihre Verärgerung war ein geplatzter Termin bei der ZDF-Moderatorin Dunya Halali, der in den Medien für Wirbel sorgte. Petry kritisierte vor ihren Vorstandskollegen die Arbeit des Pressesprechers. Das allerdings konnten und wollten die anderen Vorstandsmitglieder nicht nachvollziehen: "Der Bundesvorstand ist mit Herrn Lüth zufrieden", bekräftigt etwa AfD-Vize Alexander Gauland gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Petry brachte sich mit ihrem Entschluss in eine absurde Situation: Lüth soll nicht mehr für die Parteichefin arbeiten, aber für die anderen Führungsmitglieder darf er nichtsdestotrotz weiterhin sprechen und Hintergrundgespräche organisieren. In der Medienlandschaft der Hauptstadt hat sich Petry damit selbst geschwächt.

Der Ärger um Lüth ist nicht der einzige Vorgang, der in der AfD irritiert zur Kenntnis genommen wurde. So gab die 40-Jährige kürzlich zusammen mit dem nordrhein-westfälischen Landeschef Markus Pretzell ein Interview in der Prominentenzeitschrift "Bunte", in der beide über ihre Liebesbeziehung plauderten: Petry pries darin die "männliche Stärke" ihres Gefährten, und der erklärte, sie habe "so etwas dämonenhaft Schönes". Das fanden viele in der AfD peinlich. Ein Anhänger schrieb erbost im Internet, mit "solch spätpubertären, kindisch-naiven Auftritten wie in der 'Bunten' geben Sie die Mitglieder und Anhänger der AfD dem Spott und der Lächerlichkeit preis". Was komme denn "als Nächstes - das 'Dschungelcamp'"? Fazit: Petry solle den Vorsitz "an seriöse AfD-Vertreter (wie z.B. Herrn Meuthen oder Herrn Gauland )" abgeben.

Tatsächlich steht eine Ablösung Petrys zwar nicht an, aber es gebe für die AfD durchaus Möglichkeiten, die Vorsitzende loszuwerden:

  • Variante I: Die Partei könnte einen Sonderparteitag einberufen und eine neue Führung ohne ihre Vorstandssprecherin wählen.

  • Variante II: Petry würde intern von Führungsmitgliedern bedeutet, dass sie im kommenden Frühjahr nicht zu einer der möglichen Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gewählt wird. Sie müsste sich dann auf ihre Parteiämter in Sachsen konzentrieren.

  • Variante III: Würde Petry nicht von sich aus zurücktreten oder es zu keinem Sonderparteitag kommen, könnte sie spätestens im Herbst 2017 - nach der Bundestagswahl - auf einem Parteitag abgewählt werden.

Wie realistisch aber sind solche Szenarien? Auffällig ist, dass AfD-Vize Gauland sich mit keinem Wort öffentlich zum Interview in der "Bunten" äußert, obwohl er darin selbst von ihr angegriffen wurde. So nannte Petry Gaulands Bemerkung, die vielen Flüchtlinge seien wegen der großen politischen Aufmerksamkeit ein "Geschenk für uns", einen "fatalen Satz". Auch Petrys Co-Vorsitzender Meuthen, Landes- und Fraktionschef in Baden-Württemberg und Vertreter des wirtschaftsliberalen Flügels, schweigt bislang eisern zu den jüngsten Volten Petrys.

Die rund 20.000 Mitglieder zählende AfD konnte zuletzt bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt große Erfolge einfahren und steht jetzt in bundesweiten Umfragen zwischen zehn und 13 Prozent.

Es wird in der intrigenerprobten AfD ohnehin munter zugehen, wenn Ende April auf einem Parteitag in Stuttgart ein Bundesprogramm verabschiedet werden soll. Bis dahin will man jetzt vor allem eines: Ruhe.

Zusammenfassung: In der AfD sorgte Vorstandssprecherin Frauke Petry zuletzt mit einem Interview für Unruhe in der rechtspopulistischen Partei. Manche wünschen sich sogar schon ihren Rücktritt, doch einen Sturz der 40-Jährigen dürfte es so bald nicht geben.

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