PR-Coup gegen Rivalen Lucke AfD-Frau Petry reist nach Athen

Der Parteitag der Euro-Gegner ist in wenigen Tagen. Um sich vor der Kampfkandidatur gegen ihren Kontrahenten Bernd Lucke zu profilieren, plant AfD-Frau Petry eine PR-Aktion. Sie geht auf Athen-Reise.

AfD-Frau Petry: "Zeit, das Thema nicht mehr nur vom Schreibtisch zu behandeln"
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AfD-Frau Petry: "Zeit, das Thema nicht mehr nur vom Schreibtisch zu behandeln"


Am 4. Juli werden die Mitglieder der Anti-Euro-Partei AfD die Wahl haben, wen sie an ihrer Spitze sehen wollen: Den VWL-Professor Bernd Lucke, der wohl prominenteste Parteivertreter und EU-Abgeordnete, oder die sächsische Landeschefin Frauke Petry. Diese ist zwar smarter und menschlich gewinnender als Lucke, aber im Wettstreit mit ihm hatte sie bislang immer eine klare Schwachstelle: Petry ist keine Euro-Expertin.

Ihre Stärke sind die nationalkonservativen Sprüche für die Familie und gegen allzu viel Zuwanderung. Da dieses Profil für den Spitzenposten in einer Anti-Euro-Partei ungünstig ist, will Petry diese Flanke nun schließen: Kommende Woche reist die AfD-Frau mit einer Partei-Delegation für drei Tage nach Athen.

"Es wird Zeit, dass die AfD das Thema Griechenland nicht mehr nur vom Schreibtisch in Brüssel und Berlin aus behandelt", sagte Petry SPIEGEL ONLINE - ein klarer Seitenhieb gegen den Schreibtischtäter Lucke, von dem noch keine Dienstreise zur Akropolis bekannt ist. Petry wird nun in jeder Rede sagen können: "Ich habe in Athen gesehen..." Aber offiziell geht es ihr natürlich nicht um die Macht in der Partei, sondern um das Schicksal der Griechen: "Ich treffe mich mit den Betroffenen vor Ort, um mich aus erster Hand zu informieren und um gemeinsam nach Lösungen zu suchen."

In Athen hat die deutsche Botschaft für die sächsische Landtagsabgeordnete und ihre Mitreisenden schon ein Besuchsprogramm vorbereitet, das SPIEGEL ONLINE vorliegt: So wird zunächst der Ständige Vertreter Deutschlands, Klemens Semtner, die Euro-Gegner empfangen und über die Lage in Griechenland unterrichten.

Ferner stehen ein Besuch bei einem griechischen Unternehmerverband und bei der Leiterin der Asylbehörde von Athen auf dem Programm. Obwohl die AfD bislang noch nicht im Bundestag vertreten ist, sondern nur in mehreren Landtagen und im EU-Parlament, wird auch ein griechischer Vizeminister die AfD-Gäste empfangen. Allerdings ist es kein Vertreter der linken Syriza-Partei, sondern Terence Quick, ein Vertreter von Syrizas rechtspopulistischem Koalitionspartner, den Unabhängigen Griechen (ANEL).

Mit Petry werden mehrere Mitstreiter vom rechten Rand der Partei nach Athen reisen: Bundesvorstandsmitglied Alexander Gauland etwa, und die EU-Abgeordnete Beatrix von Storch. Auch der NRW-Landeschef Markus Pretzell fährt mit.

Formal hat Petry auch ihren Co-Bundessprechern Lucke und Konrad Adam inzwischen angeboten, doch einfach mitzukommen nach Griechenland. Aber das tat sie erst, als das Programm schon stand. Und Petry ist die Delegationsleiterin.



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jetzttexteich 19.06.2015
1. Endlich enttarnt sie sich als das was sie ist!
Eine Heuchlerin! Unsymphatisch und karrieregeil egal zu welchem Preis! ...genau wie Pretzell, der sich selbst nach undurchsichtigem Finanzgebaren nicht scheut seine *Machtansprüche* zu verteidigen! Seriös geht anders! Schade, ich wäre so gerne AfD-Mitglied geblieben!
mymindisramblin' 19.06.2015
2. Wen interessiert denn schon
Wo diese geistig minderbemittelte, von nichts eine Ahnung habende aber dumpfe anti-Flüchtlinge und anti- europäische Parolen plappernde Schaluppe hinsegelt? Wieso gebt ihr dieser sogenannten 'Partei ' immer wieder eine Plattform? Und was hat deutsche Botschaft damit zu tun? Ich muss mich doch auch selbst um mein Besuchsprogramm kümmern wenn ich nach Athen fahre, das soll die gefälligst auch machen.vielleicht kriegt sie ja einen Termin bei der 'griechischen Morgenröte '
EduardtStorberg 19.06.2015
3.
Ein Besuch in Griechenland macht aus Petry keine Euroexpertin. Nach meiner Ansicht werden die "persönlichen Erfahrungen" ohnehin völlig überbewertet. Welche Erkenntnisse soll jemand aus einer solchen Urlaubsreise gewinnen, welche über wissenschaftliche Untersuchungen und umfangreiche Erhebungen hinaus gehen. Die Probleme in Griechenland löst man nicht, wenn man ein paar griechischen Rentnern über den Kopf streichelt.
MMIL 19.06.2015
4. Gute Idee von Frau Dr. Petry
Und auch ein cleverer PR-Coup, sicher. Aber da Petry demnächst Parteivorsitzende sein wird, macht die Reise sehr viel Sinn. Zumal der Grexit jetzt spürbar nahe ist.
hotgorn 19.06.2015
5. Unnütz
Da kommt die Nudel aber früh drauf, ich war schon längst in gr. um mich solidarisch zu zeigen und nicht wie die afd Frau verplant in der griechischen Sonne zu stehen.
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