AfD-Machtkampf Petry verteidigt ihre Moskau-Reise

Weil sie den russischen Rechtspopulisten Wladimir Schirinowski traf, sorgt die Moskau-Reise von Frauke Petry für Unmut in ihrer Partei. Nun hat sich die AfD-Chefin erstmals zu der Kritik geäußert.

AfD-Chefin Petry (in Berlin)
Getty Images

AfD-Chefin Petry (in Berlin)

Von


Über die Reise nach Moskau an diesem Montag wollte Frauke Petry eigentlich nicht viele Worte verlieren. Knappe vier dürre Zeilen ließ die AfD-Chefin danach über ihren Büroleiter an die Medien versenden: Eine "Delegation der AfD" habe "auf Einladung der Bezirksregierung Moskau" Gespräche geführt und am Rande den Duma-Präsidenten Wjatscheslaw Wolodin sowie seinen Stellvertreter Pjotr Tolstoi und "weitere Duma-Abgeordnete" getroffen.

Dass aber unter diesen weiteren Duma-Abgeordneten auch Wladimir Schirinowski war, der Rechtspopulist und Fraktionsvorsitzende der "Liberaldemokratischen Partei" - das wurde in Petrys Mitteilung zunächst nicht erwähnt. Dafür aber standen die Namen in einer Pressemitteilung des russischen Parlaments.

Am kommenden Montag nun soll Petry in einer Telefonschalte des Bundesvorstands zu ihrer Reise Auskunft geben, wie SPIEGEL ONLINE aus Parteikreisen erfuhr.

Sie habe nicht gewusst, dass Schirinowski an dem Treffen teilnehmen würde, erklärte sie via "Bild". Und der rechtskonservativen Wochenzeitung "Junge Freiheit" sagte sie, es sei wichtig, gute Kontakte ins Ausland zu haben, auch nach Moskau. "Um eben solche Kontakte herzustellen und zu intensivieren, bin ich nach Russland gereist." Und weiter: "Hätte ich gewusst, dass Herr Schirinowski auch dabei sein würde, hätte ich dem Treffen nicht zugestimmt." Sie teile weder seine Äußerungen noch seine Ansichten.

Petrys Treffen mit Schirinowski wird nun von ihren Gegnern im internen Machtkampf um das Ausschlussverfahren gegen den Thüringer Rechtsausleger Björn Höcke ins Feld geführt. So sagte AfD-Vize Alexander Gauland der "Bild"-Zeitung: "Frauke Petrys Handeln passt nicht zusammen. Für Sprüche, wie sie Schirinowski reißt, wäre Björn Höcke schon dreimal aus der AfD geflogen."

Schirinowski fällt immer wieder durch radikale Positionen auf, hier lesen Sie ein Porträt von ihm.

Machtkampf in der AfD

Jüngst hatte der AfD-Vorstand mit einer Mehrheit von neun gegen vier Stimmen das Ausschlussverfahren gegen Höcke eingeleitet - mit Zustimmung von Petry. Gauland votierte dagegen.

Anlass war Höckes Rede am 17. Januar in Dresden, die bundesweit für Empörung gesorgt hatte. Mit Verweis auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin hatte der Thüringer Landes- und Fraktionschef erklärt: "Wir Deutschen (...) sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat." Zudem sprach er von einer "dämlichen Bewältigungspolitik" und forderte eine "erinnerungspolitische Wende um 180 Grad". Unterdessen nannte Höcke seine Rede einen "Fehler".

Der interne Streit um Höcke hatte am Dienstag eine weitere Wendung erhalten, als das Petry-Lager verhinderte, dass über die AfD-Bundesgeschäftsstelle eine Mail von Gauland an die 26.000 Mitglieder verschickt werden konnte. In der Mail, über die SPIEGEL ONLINE berichtet hatte, forderte Gauland neuerlich, das Ausschlussverfahren gegen Höcke zurückzuziehen.

insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ambulans 22.02.2017
1. ach,
isses nich einfach herrlich, wie sie sich z.zt. gegenseitig zerfleischen? bitte mehr davon!
RudiLeuchtenbrink 22.02.2017
2. kann nicht sein,
Herr Schirinowski ist der Mann der Warschau und Berlin schon mehrmals zu Zielen von Atombomben deklariert hat. Was ist das für ein Verhalten ohne die Basis zu befragen einfach zu tun was man für gut hält- Frau Merkel sagt wenigstens wenn sie in Algerien einen Diktator treffen möchte. Die AfD verkommt zur Petry Sekte !
karin_mainz 22.02.2017
3.
"Hätte ich gewusst, dass Herr Schirinowski auch dabei sein würde, hätte ich dem Treffen nicht zugestimmt." Ich bin sicherlich nicht die einzige Foristin, die Ihr das nicht abnimmt...oder?
apfeldroid 22.02.2017
4.
Schirinowski ist kein Rechtspopulist, er ist zwar ein Populist aber vielmehr ein Dummkopf, hätte eher was mit Trump als mit Hitler zu tun, webei er höchstens auf 7-10% kommt und somit für den Herrn sehr nützlich. Man sollte sich vorher informieren bevor man sich mit ihm trifft, es ist etwa wie mit Höcke - solange der Mensch Holocaust indirekt als Schande leugnet - dann Licht aus. Einfach dumm.
P.Delalande 22.02.2017
5.
Kleine Korrektur: Wladimir Schirinowski ist nicht nur "Rechtspopulist", sondern ganz eindeutig ein Rechtsradikaler; wenn auch nur ein kleiner, aber doch entscheidender Unterschied.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.