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13. Mai 2016, 13:02 Uhr

Frankreichs Rechte

Front National lädt Frauke Petry ein

Die Einladung dürfte für Streit sorgen: Der rechtsextreme Front National will nach SPIEGEL-Informationen mit AfD-Chefin Frauke Petry über eine Zusammenarbeit reden. Parteifreunde raten zur Vorsicht.

Der Front National (FN) aus Frankreich wünscht sich eine engere Kooperation mit der AfD. Die beiden Parteien hätten gemeinsame Interessen, sagte Edouard Ferrand, Delegationsleiter des Front National im Europaparlament, dem SPIEGEL.

Er wolle AfD-Chefin Frauke Petry zu einem Gespräch sowie zum Besuch des nächsten FN-Parteitags einladen. Ferrand wertet es als "Riesenerfolg", dass der AfD-Europaabgeordnete Marcus Pretzell in die antieuropäische ENF-Fraktion gewechselt ist, zu der auch der Front National gehört. Pretzell sei "ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen die EU und gegen Madame Merkel", sagte Ferrand. Der nordrhein-westfälische AfD-Landesvorsitzende Pretzell ist der Lebensgefährte von Parteichefin Petry. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Der bayerische AfD-Landeschef Petr Bystron forderte seine Partei dazu auf, enger mit dem FN zusammenzuarbeiten. "Selbstverständlich sollten AfD-Vertreter wie Frauke Petry den Front National treffen und gemeinsame Schnittmengen erkunden", sagte er. Die französische Rechte habe sich "sehr beachtlich entwickelt".

Sorge in der AfD-Bundesspitze

In der Bundesspitze allerdings geht die Angst um, dass eine Kooperation mit dem FN die AfD in die rechtsextreme Ecke rückt. "Wir dürfen nicht voreilig handeln", warnt Vorstandsmitglied Georg Pazderski. "Die große Mehrheit des Bundesvorstands sieht den Front National sehr kritisch", so der Berliner Vorstandssprecher. Pretzell dürfe als Abgeordneter seine Fraktion frei wählen. "Aber über die parlamentarische Arbeit hinausgehende Kontakte zu ausländischen Parteien muss erst der Bundesvorstand genehmigen", so Pazderski weiter. Petrys Co-Parteichef Jörg Meuthen sagte zum SPIEGEL: "Ich schaue mir die Aktivitäten von Herrn Pretzell ganz genau an."

Gauland hält Spitzentreffen der FN mit Petry nicht für sinnvoll

Bundesvize Alexander Gauland mahnte Vorsicht im Umgang mit dem FN an. "Ich würde es zum Beispiel nicht für sinnvoll halten, jetzt ein symbolträchtiges Treffen zwischen Marine Le Pen und Frauke Petry zu organisieren", sagte er der Agentur dpa.

Eine Kooperation mit Front-National-Chefin Marine Le Pen im Europäischen Parlament sei für die AfD zwar kein Problem, weil beide Parteien für ein "Europa der souveränen Vaterländer" einträten, sagte Gauland. Das "innenpolitische Gesicht" der französischen Partei sehe aber ganz anders aus als das der AfD: "Bis vor Kurzem war der Front National auch antisemitisch."

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