Flügelkämpfe AfD-Funktionäre greifen Höcke an

Mit seinem Auftritt beim Kyffhäuser-Treffen hat Rechtsaußen Björn Höcke für heftigen Unmut in der AfD gesorgt. In einem Appell stellen sich nun mehrere Parteipolitiker gegen den Thüringer Fraktionschef.

Björn Höcke
Bodo Schackow/DPA

Björn Höcke


In der AfD eskaliert der alte Streit zwischen radikalen und halbwegs gemäßigten Rechten. Mittendrin in der Auseinandersetzung: Björn Höcke. Der Thüringer Fraktionschef war jüngst mit seinem Auftritt beim Kyffhäuser-Treffen seiner Rechtsaußen-Gruppierung "Flügel" auf heftige Kritik gestoßen. Höcke hatte sich dort in großer Inszenierung als Führungsfigur im rechten Lager feiern lassen - und zugleich den AfD-Bundesvorstand verbal angegriffen.

In seiner Rede schimpfte er etwa auf die "Spalter" in der Partei. Seinen Anhängern rief er zu: "Ich kann euch garantieren, dass dieser Bundesvorstand in dieser Zusammensetzung nicht wiedergewählt wird."

Ein Teil der AfD will Höckes Provokation allerdings nicht ohne Weiteres hinnehmen. Mehrere AfD-Politiker richteten nun einen Appell gegen ihren umstrittenen Parteifreund. In dem Schreiben "für eine geeinte und starke AfD" heißt es: "Mit seiner Rede beim Kyffhäuser-Treffen am Sonnabend hat Björn Höcke die innerparteiliche Solidarität verletzt und ist damit unseren Wahlkämpfern und Mitgliedern in den Rücken gefallen."

Der überwiegende Teil der Mitgliedschaft lehne zudem den "exzessiv zur Schau gestellten Personenkult" um Höcke ab. Dieser hatte am Samstag etwa ein" Flügel"-Abzeichen für treue Dienste verliehen. Ein Imagefilm unterstrich seine dominante Rolle in der Vereinigung, die der Verfassungsschutz als Verdachtsfall im Bereich des Rechtsextremismus einstuft.

"Keine Björn-Höcke-Partei"

Höckes Gegner schreiben weiter: "Die AfD ist und wird keine Björn-Höcke-Partei". Höcke solle sich auf seine Aufgaben in Thüringen beschränken. Zu den Unterzeichnern des Appells gehören unter anderem Bundesschatzmeister Klaus Fohrmann, die Parteivizes Albrecht Glaser, Kay Gottschalk und Georg Pazderski. Mehrere Bundestagsabgeordnete schlossen sich dem Appell an. Auch der rheinland-pfälzische Landeschef Uwe Junge und die niedersächsische AfD-Chefin Dana Guth haben unterschrieben.

Parteichef Alexander Gauland hatte am Samstag gesagt, die AfD sei nicht gegründet worden, um "einen Raum zu schaffen, in dem jeder alles sagen kann". Laut einem Schreiben, aus dem die Nachrichtenagentur dpa zitiert, fürchtet der Parteivorstand gar eine "Unterwanderung" durch Rechtsextremisten.

Zuletzt hatte es neben Höckes Rede mehrere Ereignisse gegeben, die die Gräben innerhalb der AfD verdeutlichten. Ende Juni wählte der Landesverband in Schleswig-Holstein Doris von Sayn-Wittgenstein zur Vorsitzenden, obwohl gegen sie ein Parteiausschlussverfahren wegen einer Fördermitgliedschaft in einem rechtsextremen Verein läuft. In Nordrhein-Westfalen wiederum führten die Flügelkämpfe auf dem jüngsten Parteitag dazu, dass sich ein großer Teil der Führung zurückzog.

kev/dpa



insgesamt 85 Beiträge
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themistokles 10.07.2019
1.
Der Realitätsverlust der "Gemäßigten" (gibt es die überhaupt in dieser Partei?) der AfD ist wirklich atemberaubend. Der "Erfolg" der AfD beruht im Wesentlichen auf die rassistische und hetzerische Rethorik der Ostverbände. Rechtsradikale Kräfte haben diese Partei schon vor langem komplett übernommen und Netzwerke in die extremsten Kreise geknüpft.
Augustusrex 10.07.2019
2. Kennen wir schon
Da blökt einer rum und markiert den starken Mann. Bisher hat er immer Demokraten angegriffen. Da konnten dann die anderen so tun, als wäre alles gar nicht so schlimm. Jetzt sind es seine eigenen Parteioberen, und da kommt nun langsam : "Nein, nein, Bernd." Wahrscheinlich haben einige Angst um ihre Posten. Sollten sie auch, denn der Bernd wird diesen Verein, der sich Partei nennt, noch weiter nach rechts schieben als er jetzt schon ist. Die Feigenblätter werden verschwinden und der rechte Geist wird sich unverhüllt zeigen.
fradu-koeln 10.07.2019
3.
Glaubt irgendjemand allen Ernstes daran, dass diese angeblichen Flügelkämpfe echt sind? Alles nur Taktik, um konservative Wähler zu gewinnen. Diese ganze Blase ist extrem rechts und sonst gar nichts.
bwk 10.07.2019
4. Höcke
schädigt mit seinen Auftreten und Reden die AfD. Er sollte mit seinen Anhängern austreten und einen eigenen Verein gründen. Dazu fehlt ihm aber einiges.
flux71 10.07.2019
5.
100 Feigenblätter, sonst nichts. Zu den Unterzeichnern gehört auch Uwe Junge. Das sagt eigentlich schon alles.
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