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31. Dezember 2014, 12:26 Uhr

Nach Neujahrsansprache der Kanzlerin

AfD-Vize verteidigt Pegida gegen Merkel-Kritik

Angela Merkel hat die Pegida-Märsche in ihrer Neujahrsansprache scharf verurteilt - nun springt die AfD der Anti-Islam-Bewegung bei: Laut Vize-Parteichef Gauland verurteile die Kanzlerin "Menschen von oben herab".

Berlin - Wenn in Dresden die sogenannten "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) marschieren, sind auch viele Mitglieder der Alternative für Deutschland (AfD) dabei. Mitte Dezember war beispielsweise Vize-Parteichef Alexander Gauland nach Sachsen gereist und mitgelaufen. Rechte Parolen will er dort nicht bemerkt haben, wie er im Interview mit SPIEGEL ONLINE versicherte. Im Gegenteil: Er habe "keine Probleme" mit der Teilnahme von AfD-Leuten.

Sehr wohl ein Problem hat er dagegen offenbar mit der Kritik der Kanzlerin an den Aufmärschen, bei deren letzter Auflage in Dresden mehr als 17.000 Menschen zusammengekommen waren. Angela Merkel warnt in ihrer Neujahrsansprache für ihre Verhältnisse ungewöhnlich deutlich vor "Hass und Kälte" bei vielen Teilnehmern der Demos .

Das passt Gauland nicht. Über Merkel sagte er an diesem Mittwoch: "Sie verurteilt Menschen von oben herab, die sie gar nicht kennt." Die Kritik der Kanzlerin an den Kundgebungen werde der Protestbewegung noch mehr Zulauf als bisher bescheren, so der AfD-Politiker.

Merkel sagt in ihrer Rede für den Silvesterabend, deren Text vorab verbreitet wurde, über Pegida, ohne den Namen der Bewegung ausdrücklich zu nennen: "Heute rufen manche montags wieder 'Wir sind das Volk'. Aber tatsächlich meinen sie: Ihr gehört nicht dazu - wegen eurer Hautfarbe oder eurer Religion."

Gaulands Pro-Pegida-Kurs ist in der eigenen Partei durchaus umstritten. Offen hatte dieser zuletzt gesagt: "Wir sind die natürlichen Verbündeten dieser Bewegung." Das sieht Hans-Olaf Henkel, ebenfalls AfD-Vize, anders. Er warnt ausdrücklich vor einer Zusammenarbeit mit Pegida. "Wir sollten uns tunlichst von dieser Bewegung fernhalten", sagte er dem SPIEGEL (die ganze Geschichte lesen Sie hier). Rechtspopulistische Ausfälle von Demonstranten könnten sonst schnell auf die Partei zurückfallen. Vor allem vom Besuch Gaulands in Dresden war Henkel alles andere als begeistert: "Wieso muss man extra aus Brandenburg anreisen, um diese Truppe zu sehen?"

Bei den Grünen hat man die unverblümten Worte der Kanzlerin mit Wohlwollen aufgenommen - schickt aber gleich noch eine Forderung mit: "Frau Merkel sollte nicht nur in ihrer Neujahrsansprache mal klare Kante zeigen, sondern auch im Parlament und in ihrer täglichen Politik. Regieren statt präsidieren, mehr Klarheit statt Nebel - das wäre für Frau Merkel doch ein guter Vorsatz für 2015", sagte die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt, am Mittwoch.

Immer mehr Gegendemos im Westen

Das Pegida-Bündnis verzeichnet vor allem in Dresden massiven Zulauf, aus wenigen Hundert Teilnehmern wurden rasch Massendemos. Die Gruppe wendet sich diffus gegen eine Überfremdung in Deutschland (zum Faktencheck gelangen Sie unten und hier), Flüchtlinge und Migranten. Unter die Demonstranten mischen sich regelmäßig auch Neonazis, Hooligans und Vertreter der NPD.

Abseits von Dresden findet Pegida jedoch keinen vergleichbaren Zulauf. Im Gegenteil, der Widerstand wächst: Vor allem in westdeutschen Städten sehen sich Grüppchen von Islam-Kritikern oft Tausenden Gegendemonstranten gegenüber.

jok/dpa

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