IG-Metall-Chef Gewerkschaftschef erklärt AfD-Erfolg auch mit Agenda 2010

Woher kommen die Erfolge der AfD? IG-Metall-Chef Hofmann sieht eine zunehmende soziale Ungleichheit und schlecht bezahlte Jobs als Gründe für den Aufstieg der Rechtspopulisten.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann
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IG-Metall-Chef Jörg Hofmann


Der Vorsitzende der IG Metall erklärt den Erfolg der AfD auch mit der Agenda 2010. "Digitalisierung, Globalisierung und demografischer Wandel treffen auf eine Gesellschaft, die von Unsicherheit und Ungleichheit gekennzeichnet ist", sagte Jörg Hofmann dem "Tagesspiegel". Die "Prekarisierung, die gerade einen Teil der Arbeiterschaft betrifft", sei mit ursächlich für die Attraktivität der AfD.

Nach Angaben der Bundesregierung nimmt die Tarifbindung der Arbeitnehmer in Deutschland weiter ab, wie die "Saarbrücker Zeitung" unter Berufung auf einen Entwurf des Armuts- und Reichtumsberichts berichtet. Insgesamt würden in Westdeutschland derzeit noch rund 59 Prozent und in Ostdeutschland 49 Prozent aller Arbeitnehmer nach Tarif bezahlt. Den Angaben zufolge geht es mit der Tarifbindung im Westen schon seit den Siebzigerjahren bergab. Damals habe die Quote noch im Bereich von 90 Prozent gelegen.

Die AfD will für die Polarisierung und die Gewaltbereitschaft keine Schuld haben. Parteivize Alexander Gauland macht stattdessen dafür Angela Merkel verantwortlich. Die Kanzlerin habe durch die Griechenlandrettung und dadurch, dass sie eine Million Flüchtlinge ins Land gelassen habe, die Gesellschaft gespalten, erklärte Gauland. "Das hat eine Zunahme der Aggressivität ausgelöst, die auch ich spüre", sagte der Brandenburger Fraktionsvorsitzende, der im kommenden Jahr für den Bundestag kandidieren will, der dpa.

Vergleiche zwischen der heutigen Situation und der Spätphase der Weimarer Republik, als sich Nazi-Schlägertrupps mit linken Gruppen Straßenschlachten lieferten, seien unangebracht, betonte Gauland. "Wir haben keine Situation wie nach dem Ersten Weltkrieg und keine Situation wie kurz vor 1933", sagte er. Auch weil es der Bundesrepublik wirtschaftlich viel besser gehe. Dennoch sei festzustellen, dass die "Spaltung der Gesellschaft" zugenommen habe. Dies führe zu "Aggressionen und auch zu Regelverstößen". Die Sicherheitsbehörden hätten die Aufgabe, dem entgegenzutreten.

als/dpa



insgesamt 165 Beiträge
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mostly_harmless 19.12.2016
1. Nachdem die AfD in Bawü ...
.. die NPD deutlich rechts überholt hat http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-12/afd-claudia-martin-austritt-baden-wuerttemberg ist auch der Begriff "Rechtspopulisten" überholt. Rechtsextremisten ist der korrekte Term.
spon_3511963 19.12.2016
2. Gewerkschaftschef erklärt AfD-Erfolg auch mit Agenda 2010
Wo er recht hat hat er recht ! Aber wo waren die Gewerkschaften als Schröder 2010 einrichtete. Da war Schweigen im Walde jetzt wo man glaubt es ist Gras über das Versagen der Gewerkschaften gewachsen traut man sich aus der Deckung.
reifenexperte 19.12.2016
3. Schröders SPD hat die Arbeiterschaft ans Kapital verkauft
und auf die Niedriglohnschiene gesetzt. Ihm selbst hat das Kanzlergehalt und die Pension dazu nicht gereicht und er hat seine Seele an Putin verkauft.
moistvonlipwik 19.12.2016
4. Er ist nicht allein
Sogar - die nicht eben als links verschriene - Financial Times warnte: "wenn eine Reform schon in guten Zeiten so viel schlechte Laune verursacht - was soll erst werden, wenn es nicht mehr so gut geht?"
frank57 19.12.2016
5. Ach
Die Gewerkschaft gibt es auch noch? Um diese Analyse zu erstellen hat das mehr als 10 Jahre gedauert!? Echt tolle Leistung! SPD und die Gewerkschaft haben einen grossen Anteil an dieser gesellschaftlichen Entwicklung!
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