Alternative für Deutschland Euro-Gegner feiern den Beinahetriumph

Die Alternative für Deutschland ist die Überraschung des Wahlabends, selbst wenn es nicht zum Einzug in den Bundestag gereicht hat. Enttäuschte Konservative und Liberale machen die Euro-Gegner stark. Spitzenkandidat Lucke hatte zwar auf mehr Stimmen gehofft, jubelt aber dennoch.

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Berlin - Lucke! Lucke! Lucke! Sie grölen den Namen ihres Spitzenkandidaten, Männer mit Einstecktuch und polierten Schuhen jubeln außer sich vor Freude. Am Bühnenrand stößt ein älteres Paar an: "Auf Deutschland!"

Vorne winkt Bernd Lucke, Wirtschaftsprofessor, Ex-CDU-Mitglied, fünffacher Vater. Ihm ist tatsächlich eine Beinahesensation gelungen. Nur haarscharf verpasste sein Geschöpf, die Alternative für Deutschland (AfD), den Einzug in den Bundestag. Immer wenn die Fernsehsender ihre Hochrechnungen veröffentlichten, starrten die Euro-Gegner zu den Leinwänden, halten die Luft an - und atmeten enttäuscht aus, wenn der blaue Balken wieder bei 4,8 oder 4,9 stoppte.

"Wir haben unendlich viel geleistet", ruft Lucke von der Bühne herab. Das ist zwar mathematisch nicht korrekt, aber ja, es ist ein "bemerkenswertes Ergebnis", wie die rechtskonservative Netzwerkerin Beatrix von Storch sagt, die auf Platz zwei der Berliner Landesliste kandidierte. Wenige Monate nach Gründung schafft die Neu-Partei fast den Sprung über die Fünfprozenthürde, liegt deutlich vor den glücklosen Liberalen.

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Feier der Euro-Gegner: "Wir haben unendlich viel geleistet"
Über deren Niederlage freuen sich die Euro-Gegner besonders, die Schadenfreude ist groß. Jubel und Applaus branden immer wieder auf, wenn der kümmerliche gelbe Balken auf den Leinwänden flimmert. Ein Parteimann sagt, die FDP habe ihre Funktion als Korrektiv der Union nicht erfüllt. In der Euro-Krise seien die Liberalen im "Orkus des Opportunismus" verschwunden.

Das vorherrschende Gefühl am Wahlabend in dem Hotel-Festsaal, den die AfD angemietet hat: Wir haben es allen gezeigt. Im Wahlkampf hatten sich die Euro-Gegner immer wieder als Opfer von Massenmedien, etablierten Parteien und Demoskopen inszeniert. Gegen die Meinungsforscher von Forsa hatte die AfD dann allerdings eine Niederlage einstecken müssen: Sie durfte nach der Entscheidung des Kölner Landgerichts nicht mehr behaupten, das Institut habe seine Daten bewusst manipuliert, um die AfD kleinzurechnen. Forsa analysierte später zudem: Die Anhängerschaft der Euro-Gegner reiche bis ins "rechtspopulistische und rechtsradikale Milieu".

Grenzwertige Töne, auch am Wahlabend

Auch solche Berichte sehen viele AfD-Anhänger als Teil einer Kampagne. Sie hat sich als Protestpartei enttäuschter Konservativer und Euro-Gegner formiert und als Stimme der Vernunft zu positionieren versucht. Doch muss sie sich mit dem Populismus-Vorwurf auseinandersetzen, im Wahlkampf schlug sie selbst immer wieder grenzwertige Töne an. So polterte Spitzenkandidat Lucke gegen die "Altparteien" und warnte vor unqualifizierten Zuwanderern, die eine "Art sozialen Bodensatz" bilden würden - "einen Bodensatz, der lebenslang in unseren Sozialsystemen verharrt". Auch am Wahlabend entgleist seine Jubelrede einmal, Lucke spricht von "Entartung der Demokratie", womit er Teile der Euro-Rettung meint.

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Jubel und Entsetzen: Der Wahlabend in Bildern
Auch waren ehemalige Mitglieder der rechtspopulistischen Partei "Die Freiheit" zur AfD gewechselt. Der Hamburger AfD-Sprecher Jörn Kruse räumte vor einigen Wochen im SPIEGEL ein: "Es lässt sich leider nicht leugnen, dass sich in mehreren Ländern systematisch rechte Gruppen formieren, die auf Inhalte und Image unserer Partei Einfluss nehmen wollen."

An diesem Wahlabend feiert hier allerdings keine bürgerliche Version der NPD. Zur AfD-Wahlparty sind Rechtskonservative gekommen, auch viele ehemalige Liberale, die ihre politische Heimat nicht mehr bei Union und FDP sehen. Sie halten eher wenig von Homo-Ehe und Frauen-Quote, dafür umso mehr vom traditionellen Familienmodell, bei dem der Mann das Geld verdient und sich die Frau um die Kinder kümmert.

Lucke jedenfalls sagt, er und seine Leute hätten die anderen Parteien "das Fürchten gelehrt". Ja, er habe sich mehr erhofft, aber das Ergebnis der AfD sei ein "kräftiges Signal des Widerspruchs". Dann bittet er die Familien der Parteispitze mit auf die Bühne, seine Kinder überreichen Blumensträuße.

Als die Zahlen am späteren Abend wieder etwas schlechter werden für die AfD, macht sich ein wenig Ernüchterung breit. Erste Partei-Anhänger holen ihre Mäntel von der Garderobe. Die Berliner Kandidatin Storch ist sich aber sicher: Die Bewegung werde auch außerhalb der Parlamente nicht zu stoppen sein.

Lesen Sie die Höhepunkte des Wahlabends im Minutenprotokoll hierund sehen Sie die Ergebnisgrafiken hier.

Wahlergebnisse

insgesamt 233 Beiträge
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Seite 1
peter234 22.09.2013
1.
Die Schmutzkampagne auf allen Kanälen war also leider erfolgreich.
Senf-Dazugeberin 22.09.2013
2. Trotzdem froh, die AfD gewählt zu haben
Ich hoffe immer noch, der Abend ist noch nicht zuende. Und falls es doch nicht reicht, dann kann ich meinen Kindern demnächst wenigstens hoch erhobenen Hauptes in die Augen sehen und sagen, dass ich mit meiner Stimme versucht habe, das Geld-zum-Fenster-rauswerfen zu stoppen.
julius_justus 22.09.2013
3. Das Beste...
...an der AfD ist dieses Phallus-Logo. Schade, dass es so viele Leute gibt, die sie für wählbar halten. Die erinnern mich an die österreichische FPÖ, mit ihrem "Nächstenliebe"-Wahlkampf, bei dem es darum geht, dass sie sich selbst (also natürlich den Österreichern) am nächsten sind. Nix für mich.
Nevermeind 22.09.2013
4.
Von Triumph kann keine Rede sein, die "AfD" bleibt draussen, und das ist gut so.
bachanwohner 22.09.2013
5. grandios!
Ich hab die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben, dass es die AfD im Lauf des Abends doch noch über die 5% schafft. Aber auch wenn nicht, dann kommt die richtig gute Zeit für die AfD eben nach dieser Wahl, in dem Augenblick, wenn die Altparteien den nächsten Offenbarungseid in Sachen Euro-Rettung leisten müssen (und dieser Augenblick wird kommen!).
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