Wahlerfolg der Rechten Ich bin das Volk!

Nur knapp 13 Prozent haben die AfD gewählt - also alles nicht so schlimm? Von wegen. Für Menschen mit Migrationshintergrund wird es übel. Dagegen müssen wir uns wehren.
Anti-Fremdenhass-Demonstration Berlin, Dezember 2016

Anti-Fremdenhass-Demonstration Berlin, Dezember 2016

Foto: Michael Kappeler/ picture alliance / Michael Kappeler/dpa

In Sachsen ist die AfD jetzt stärkste Kraft, in Ostdeutschland auf dem zweiten Platz, bundesweit Nummer drei. Die allermeisten, das belegen Umfragen, haben sie nicht in der Hoffnung gewählt, dass diese Partei die Wirtschaft stärkt, sich für bessere Bildung einsetzt, soziale Ungerechtigkeiten bekämpft, überhaupt irgendetwas Konstruktives für Deutschland und die Gesellschaft leistet - sondern weil sie Angst vor "Überfremdung" schürt und gegen jeden und alles hetzt, was irgendwie fremd ist.

Wer die AfD gewählt hat, ist also in erster Linie nicht um bezahlbare Wohnungen, um gute medizinische Versorgung oder um eine solide Alterssicherung besorgt, sondern er will nicht, dass Menschen wie ich in Deutschland leben. Nur weil wir eine dunklere Hautfarbe haben. Wie sonst kann man die Aussage mehrerer AfD-Politiker verstehen, sie würden "kaum noch Deutsche auf der Straße sehen"? Zuletzt sagte das AfD-Chef Jörg Meuthen in der "Berliner Runde" am Wahlabend, woraufhin Bundeskanzlerin Angela Merkel die einzig richtige Antwort parat hatte: "Ich kann auf der Straße nicht erkennen, wer einen deutschen Pass hat und wer nicht."

Man muss diesen Menschen ganz deutlich sagen, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit niemals die Antwort auf ihre "Sorgen und Nöte" sein werden. Bitter genug, dass so manche Partei im Wahlkampf auf den Zug aufgesprungen ist und Flucht und Migration nur als "Problem" thematisiert hat. In Zukunft dürfte es noch schlimmer werden. Es steht zu befürchten, dass die CSU jetzt fordern wird, man müsse wieder nach rechts rücken, um die Wähler, die man an die AfD verloren habe, zurückzugewinnen. Man wird, einmal wieder, die eigenen christlichen Werte und das Bekenntnis zu einer pluralistischen, weltoffenen Gesellschaft vergessen und in rechte Polterei verfallen. Schon tönt CSU-Chef Horst Seehofer, man müsse "national orientierten Menschen" eine Heimat bieten.

Die Begleitmusik des rechten Aufstiegs bekomme ich seit einiger Zeit zu spüren. Wie oft habe ich in den zurückliegenden Monaten gehört, dass Menschen wie ich gefälligst dankbar zu sein und still unsere Arbeit zu verrichten hätten, damit wir dem Staat nicht auf der Tasche liegen, aber bitte keinem "richtigen Deutschen" die Arbeit wegnehmen sollten, denn das wäre ja wohl noch schöner? "Warum bist du Kanake Journalist für ein deutsches Medium? Warum darf so einer wie du das deutsche Volk belehren?", schrieb mir einer vor ein paar Tagen. Ansonsten sollte ich "die Fresse halten" oder mich "verpissen, da wo du herkommst", wie mir am Wahlsonntag ein AfD-Anhänger schrieb. Noch am Sonntagnachmittag ließ mich ein anderer AfD-Fan wissen: "Ab heute gibt es für Leute wie dich nur noch einen Platz in Deutschland: AM GALGEN!!!!"

Seit Sonntagabend, nach Bekanntwerden des Wahlerfolgs, gibt es kein Halten mehr. Mit "Ausländer raus!"- und "Ab heute weht ein anderer Wind, Drecksmusel!"-Ausrufen verschaffen diese Leute sich Luft. Die Anzahl derer, die glauben, dass dieses Drohen und Pöbeln im Schutze der Anonymität eine angemessene Form der Auseinandersetzung ist, hat schon in den vergangenen Jahren beängstigendes Ausmaß angenommen. Wahrscheinlich nimmt das jetzt, nach diesem Wahlergebnis, noch zu.

Das alles schmerzt, denn obwohl die Mehrheitsgesellschaft diesen Rechtsruck durchaus mit Sorge sieht, fühlt man sich von ihr oft im Stich gelassen. Sie bekommt nicht mit, mit welchem Hass wir konfrontiert sind. Äußert man das, ist man wahlweise "weinerlich", stilisiert sich zum "Opfer" oder will nur Aufmerksamkeit. Strafanzeigen laufen fast immer ins Leere. Manche rufen zu Gelassenheit auf, aber das ist leicht gesagt, wenn man nicht betroffen ist.

Doch wir dürfen diese Drohungen nicht akzeptieren. Wer hasserfüllt redet und schreibt, der bereitet der physischen Gewalt den Weg. Und wer glaubt, dass wir das hinnehmen, uns unsichtbar machen, gar Deutschland den Rücken kehren, der täuscht sich gewaltig.

Ich werde für mein schönes, freies, tolerantes, liberales Deutschland streiten. Ich werde nicht schweigen. Ich bin 87 Prozent. Ich bin das Volk.