AfD-Zoff in Brandenburg Wirbel um Kalbitz - und einen Boxhieb

Der Streit um Andreas Kalbitz in der AfD Brandenburg geht weiter. Nun soll er einem Parteifreund einen Schlag verpasst haben, der diesen ins Krankenhaus gebracht habe. Oder war es nur ein "freundschaftlicher" Knuff?
Dennis Hohloch und Andreas Kalbitz: Kam es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung?

Dennis Hohloch und Andreas Kalbitz: Kam es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung?

Foto: Wolfgang Kumm/ dpa

In der AfD-Landtagsfraktion gibt es erneut Streit um den derzeit im Ruhestand befindlichen Fraktionsvorsitzenden Andreas Kalbitz. Wie es aus Kreisen der Landesverbands heißt, soll Kalbitz seinen Vertreter als Fraktionsführer, den Parlamentarischen Geschäftsführer Dennis Hohloch, am Abend des 10. August im Büro eines Referenten einen Faustschlag verpasst haben. Hohloch sei daraufhin am nächsten Tag auf die Intensivstation gebracht worden. Dabei hätten Ärzte in einem Berliner Krankenhaus einen Milzriss diagnostiziert.

Kalbitz habe "Hohloch krankenhausreif" geschlagen, heißt es aus Parteikreisen. Weitere Abgeordnete bestätigen den Aufenthalt im Krankenhaus, wollen sich aber nicht zu den Hintergründen äußern. Zuerst hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) über den Vorfall berichtet.

Derzeit macht ein Screenshot in der AfD die Runde, das einen Facebook-Post von dem Mitglied der Jungen Alternative aus Sachsen-Anhalt, Steven Hellmuth, zeigt. Zu sehen ist darauf Hellmuth beim Krankenhausbesuch mit Hohloch, der auf einem Bett liegt. Auf Nachfrage des SPIEGEL verweist Hellmuth auf verabredete Verschwiegenheit zu dem Vorfall. Kurz darauf ging ein Anwaltsschreiben von ihm beim SPIEGEL ein.

Gestreutes Gerücht von Kalbitz-Gegnern?

In einem AfD-internen WhatsApp-Chat mit dem Titel "Plenum Quasselgruppe", der dem SPIEGEL vorliegt, schreibt der sachsen-anhaltische AfD-Bundestagsabgeordnete Frank Pasemann von einem "Märchen von der handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen Hohloch und Kalbitz". Dieses werde von der "bekannten Opposition in der brandenburgischen Fraktion verbreitet", er meint die internen Kalbitz-Kritiker der AfD-Landtagsfraktion in Potsdam. Pasemann gilt als Anhänger des formal aufgelösten rechtsextremistischen "Flügel" in der AfD.

Tatsächlich, so beschreibt Pasemann den Vorgang, habe Kalbitz Hohloch "freundschaftlich in die Seite gebufft". Es habe "keinerlei Streit" zwischen den beiden gegeben. "Hohloch klagte Stunden später über Schmerzen und Übelkeit. Er wurde dann ins Krankenhaus gefahren und es wurde festgestellt, dass eine nicht diagnostizierte, aber schon lange vorhandene Zyste in der Milz geplatzt war."

Hohloch selbst soll von einem "Milzriss" gesprochen haben, wie ihn mehrere Parteifreunde zitieren. Auch ein Screenshot mit einer Nachricht vom 11. August macht die Runde. Darin schreibt Hohloch: "Guten Abend, ich werde wohl die ganze Woche ausfallen. Bin im Krankenhaus mit einem Milzriss." In der Fraktionssitzung am Dienstag soll geklärt werden, was genau vorgefallen ist.

"Bedauerliche Sache"

In einem Telefonat mit dem SPIEGEL wollte sich Kalbitz zunächst nicht zu dem Vorfall äußern, reichte nach Veröffentlichung dieses Artikels jedoch am Montagabend eine Stellungnahme nach: "Das ist alles viel unspektakulärer, als es teilweise bewusst aufgebauscht wird. Diese bedauerliche Sache wird sich völlig aufklären", so Kalbitz. Er verwies darauf, dass die Berichte wohl nicht zufällig fünf Tage vor der Verhandlung vor dem Landgericht Berlin auftauchten. Am kommenden Freitag wird dort über einen Eilantrag gegen die Annullierung seiner AfD-Mitgliedschaft verhandelt.

Der betroffene Hohloch reagierte am Montag auf Anrufe und SMS nicht. Er gehört eigentlich zu den Kalbitz-Anhängern. Auf Anfrage erklärten sowohl die Polizei als auch die Staatsanwaltschaft Potsdam am Nachmittag, dass ihnen bislang keine Erkenntnisse zu dem Vorfall vorlägen.

Selbst wenn die Verletzung Hohlochs nicht vorsätzlich verursacht worden wäre, könnte sie dennoch unter Umständen strafrechtlich relevant sein. In Betracht käme etwa der Straftatbestand der fahrlässigen Körperverletzung.

In der AfD wird seit Monaten erbittert um Kalbitz gestritten. Derzeit befindet er sich noch im Rechtsstreit mit seiner Partei, da der Parteivorstand seine Mitgliedschaft annulliert hatte. Der AfD-Bundesvorstand hatte im Mai in einer knappen Entscheidung, die der Parteivorsitzende Jörg Meuthen eingebracht hatte, als Grund für den Entzug der Mitgliedschaft von Kalbitz festgehalten, dieser habe beim Parteieintritt 2013 eine frühere Mitgliedschaft in der inzwischen verbotenen rechtsextremen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) sowie bei den Republikanern nicht angegeben. Kalbitz bestreitet die HDJ-Mitgliedschaft, in einem Gutachten des Bundesamts für Verfassungsschutz wird allerdings eine HDJ-Mitgliedschaft für eine "Familie Andreas Kalbitz" unter der Nummer "01330" angegeben.

Das Landgericht Berlin verhandelt am Freitag einen Eilantrag von Kalbitz, der sich gegen die Entscheidung des Bundesparteischiedsgericht richtet, das die Annullierung der Mitgliedschaft von Kalbitz für rechtens erklärt hatte.