Nordrhein-Westfalen AfD sperrt Journalisten von Parteitag aus

Die rechtspopulistische AfD in Nordrhein-Westfalen schließt Journalisten von ihrem Landesparteitag aus. Pressevertreter sind entsetzt.

NRW-AfD-Chef Marcus Pretzell
DPA

NRW-AfD-Chef Marcus Pretzell


Die AfD in Nordrhein-Westfalen will ihren Parteitag anders als andere Parteien unter Ausschluss von Journalisten abhalten. Die Landespressekonferenz kritisiert das Vorhaben.

Man habe das Vorgehen der AfD "irritiert zur Kenntnis genommen", schrieb der Vorsitzende der Landespressekonferenz, Tobias Blasius, in einem Brief an die Pressesprecherin der Landes-AfD.

Im Namen von 120 landespolitischen Korrespondenten bitte man die Partei, "diesen schweren Eingriff in die Freiheit der Berichterstattung zu überdenken", so Blasius. Es sei "seit Jahrzehnten geübte Praxis, dass alle Parteien, die im Landtag vertreten sind oder realistische Chancen auf den Einzug ins Parlament besitzen, ihre Landesparteitage medienöffentlich abhalten".

Angeführt wird die NRW-AfD von Marcus Pretzell, dem Lebensgefährten von AfD-Bundeschefin Frauke Petry. Die Landespartei hatte Journalisten Anfang der Woche zu lediglich zwei rund einstündigen Pressegesprächen am Rande ihres Landesparteitags in Werl eingeladen. Die Teilnahme am Parteitag Anfang Juli selbst soll demnach den Delegierten sowie angemeldeten Mitgliedern und Förderern der Partei vorbehalten bleiben.

AfD: "Schutz der Persönlichkeitsrechte von Delegierten"

Dazu erklärte die Partei, die Entscheidung basiere "auf der nicht einfachen Güterabwägung zwischen den legitimen Interessen der Medien an der unbeschränkten Verfolgung des gesamten Parteitagsgeschehens einerseits und den ebenso legitimen Interessen unserer Delegierten, Mitglieder und Förderer am Schutz ihrer Persönlichkeitsrechte andererseits".

Beim AfD-Bundesparteitag in Stuttgart hätten politische Gegner der Partei sich als Journalisten angemeldet, um "gezielt Foto- und Filmaufnahmen der anwesenden Parteimitglieder zum Zweck der Veröffentlichung auf Internetplattformen zu machen".

Landespressekonferenz-Chef Blasius argumentiert, "volle journalistische Bewegungsfreiheit, der ungehinderte Zugang zu Parteitagsdokumenten und eine ungefilterte Sicht auf den vollständigen Diskussionsprozess" seien Basis jeder Berichterstattung. Nur so ließen sich die Entstehung des Landtagswahlprogramms sowie die aktuelle Lage innerhalb der Partei seriös abbilden.

Die Landespressekonferenz sei darum nicht bereit, "bei journalistischen Standards Abstriche zu machen". Man appelliere an den Vorstand der AfD NRW, in Werl "akzeptable Arbeitsbedingungen zu schaffen" und "eine Berichterstattung ohne Einschränkung zuzulassen."

cht/AFP

insgesamt 89 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
lini71 23.06.2016
1. Auch wieder typisch
Erstmal alle aussperren, weil angeblich irgendwo Bilder aufgetaucht sind
globalundnichtanders 23.06.2016
2. Persönlichkeitsrecht?
Den Damen und Herren scheint es einfach peinlich zu sein auf diesem Parteitag dabei zu sein. Da will man halt nicht gesehen werden bzw. unter seinesgleichen bleiben...
clé-serena 23.06.2016
3. Mein Verständnis haben sie
Die Medienvertreter gerieren sich der AfD gegenüber zumeist als Abgesandte einer politischen Kampfpresse. Auch die CDU hat keine Vertreter des "Vorwärts" -als der noch existierte- zugelassen. "Beim AfD-Bundesparteitag in Stuttgart hätten politische Gegner der Partei sich als Journalisten angemeldet (...)". Wenn der deutsche Journalismus solche Praktiken duldet (ja unterstützt) geht es ihm nicht mehr um Information der Öffentlichkeit, sondern um Hetze.
mynonys 23.06.2016
4. verständlich
eine objektive berihterstattung seitens der doch sehr weit links orientierten Zeitungen ist kaum zu sehen, viele aussagen der Afd sind zugegebener maßen komplett daneben aber zur schau stellen lassen muss man sich dafür nicht. Eine unpartaiische Berichterstattung wäre wünschenswert und würde vorallem mehr stoff zum diskutieren beifügen... abet ständig rechtspopulistisches pack und hin und her hilft keinem weiter.. wir haben ein Integrationsproblem und in einigen Jahren, da wir kaum Geburten aufweisen können wird sich hier noch sehr viel zum schlechteren ändern das kann ich mit Sicherheit hier behaupten...
jj2005 23.06.2016
5. Angst vor peinlichen Fotos?
Siehe "taz" darf Björn Höcke mit ausgestrecktem Arm zeigen, http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/taz-darf-afd-mann-bjoern-hoecke-mit-ausgestrecktem-arm-zeigen-a-1099094.html
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.