Radtour mit der AfD: Stimmenfang an der Elbe
Radtour mit der AfD in Sachsen Viel Deutschland, wenig Alternativen
Schon kurz hinter Dresden ist Frauke Petry voll in Fahrt. Die Spitzenkandidatin der AfD rollt den Elberadweg hinab, der Fluss glitzert, ein paar Schafe grasen, ab und an Barock am Ufer. Schönstes Sachsen, deshalb die kurze Frage, was ihr die Heimat bedeutet. Petry schaltet hoch in den siebten Gang.
Für das Elb-Idyll hat sie jetzt keinen Blick mehr. Die Deutschen müssten positiver auf das schauen, wofür man sie im Ausland bewundere: Fleiß, Ordnung. "Dafür müssen wir uns doch nicht schämen." Die Schulen verödeten, die Bevölkerung schrumpfe, und die Politik müsse endlich mal wieder deutsche Interessen vertreten, sagt sie.
Man soll merken: Diese Frau sorgt sich um Deutschland.
Frauke Petry, 39 Jahre alt, will die Alternative für Deutschland Ende August erstmals in einen Landtag führen. Die Chancen stehen gut: Die Umfragen versprechen sieben Prozent. In Sachsen holten die Euro-Gegner schon bei Bundestags- und Europawahl ihr bestes Ergebnis deutschlandweit. Klappt es dort, winken zwei Wochen später auch Erfolge in Thüringen und Brandenburg.
Welche Rolle wird die Partei im Osten spielen? Auf manchen Plakaten grüßt sie in FDP-Manier ("Kein Wohlstand ohne starken Mittelstand"), andere erinnern beinahe an die NPD ("Mut zu Deutschland"). Immer noch rätselt man, wie rechts die AfD ist. Erste Antworten verspricht der Wahlkampfauftakt, eine AfD-Radtour entlang der Elbe von Pirna bis Meißen. Das Motto lautet "Wir strampeln uns für Sie ab". Es geht 48 Kilometer entspannt flussabwärts.
Volksabstimmung vor dem Bau einer Moschee mit Minarett
Petry fährt vorneweg. Dass die sächsischen AfDler gut dastehen, hat auch mit ihr zu tun. Die junge Frau aus dem Osten, vierfache Mutter, ist Gold wert für die als Altprofessorenclub verschriene AfD. "Frau Doktor Petry", wie sie hier alle Parteifreunde nennen, gilt als liberales Aushängeschild der Partei. Warum klingt sie dann auf dem Rad so selten liberal? Lange erklärt sie, warum nur eine Drei-Kind-Politik "bestandswahrend" für die deutsche Bevölkerung ist. Warum es wichtig ist, den Anteil deutschsprachiger Musik im Radio zu erhöhen.
Die Radioquote steht so im Wahlprogramm. Wie auch die Forderung, Volksabstimmungen abzuhalten, wenn eine Moschee mit Minarett gebaut werden soll.
Knapp hinter Petry radelt der kräftige Generalsekretär Uwe Wurlitzer auf einem kleinen Mountainbike. "Schicksalswahl!", ruft er. "Wenn wir's hier schaffen, schaffen wir es auch in Brandenburg und Thüringen. Wenn wir es nicht schaffen, gibt es die Partei Ende des Jahres nicht mehr."
Wurlitzer, wie Petry 39 Jahre alt, war mal Vorsitzender der Bundesarbeitsgruppe Kleinsäuger e.V. und in der CDU. Die personellen Mauscheleien hätten ihn vergrätzt, sagt er. Ein engagierter Bürger, den die etablierte Politik vergrault hat, solche Geschichten hört man oft in der AfD. Man trifft auf Beamte, Polizisten, Selbstständige. Wurlitzer fragt: "Wie seht ihr Wessis uns eigentlich?"
Radelt man eine Weile neben ihm her, ändert sich der Ton ein wenig. Bei der CDU habe ihn auch frustriert, dass man nicht über das Ausländerproblem habe reden können, erzählt er dann. Er glaubt auch, dass Deutschland nicht mehr nur in die Vergangenheit schauen dürfe, sondern "nach vorne". Was könne die heutige Generation für den Zweiten Weltkrieg? Und ob man denn die Studie der sächsischen Polizei kenne, wonach zwei Prozent Ausländer für 15 Prozent der Kriminalität verantwortlich seien?
Die CDU habe dem Patriotismus abgeschworen
Die AfD wehrt sich dagegen, als rechts oder nationalistisch bezeichnet zu werden. Die Partei, das betonen hier alle, nimmt keine Mitglieder der NPD auf. Manche sagen gar, man sei nicht einmal konservativ. Dafür geht es auf der Radtour auffallend viel um Ausländer, um Deutschland und deutsches Selbstbild. Meist erst, wenn das Gespräch schon ein paar Minuten dauert.
Biergarten am Fährhaus, halbe Strecke zwischen Dresden und Meißen, kleine Pause. Für die Männer ein Mittagsbier, für Petry ein Wasser. Schon ist man im Thema. Die CDU ist das Hauptärgernis. Diese habe dem Patriotismus ja abgeschworen. "Die Merkel hat dem doch die Fahne entrissen bei der Wahlparty", sagt einer. "Ja, ja, genau, sehen Sie", ruft Petry. "Total daneben!" Es geht bei der Alternative für Deutschland eher wenig um Alternativen und viel um Deutschland.
Petry sorgt einmal kurz für Irritationen, als sie sagt, sie brauche "keine Fahne im Vorgarten wie die Amerikaner". Warum das denn nicht, fragt prompt ihr Vize. "Na, ich persönlich nicht. Aber wer mag, soll natürlich dürfen, ohne sich schämen zu müssen."
Die Runde nickt, auch der Pressebeauftragte an Petrys Seite. Julien Wiesemann, ein freundlicher junger Mann, war bis vor Kurzem stellvertretender Landeschef der "Freiheit", der Anti-Islam-Partei. Wiesemann will darüber nicht mehr viele Worte verlieren. Das Thema sei abgehakt, außerdem sei der Landesverband der "Freiheit" in Sachsen gar nicht so islamfeindlich gewesen. Für die AfD gibt er Entwarnung: "Ich sehe in der Partei niemanden, den ich am rechten Rand verorten würde."