Berliner Kreis CDU-Konservative betrachten AfD-Strategie ihrer Partei als fehlgeschlagen

Die AfD hat bei den Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg zweistellige Ergebnisse eingefahren - nun fordern konservative CDU-Politiker laut einem Bericht Konsequenzen: Die Union müsse den Kurs gegenüber den Euroskeptikern ändern.

"Berliner Kreis"-Mitglied Bosbach: "Deutlich an Anziehungskraft verloren"
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"Berliner Kreis"-Mitglied Bosbach: "Deutlich an Anziehungskraft verloren"


Berlin - Der konservative Berliner Kreis in der Union forderte nach den Wahlerfolgen der Alternative für Deutschland (AfD) in Thüringen und Brandenburg einen Kurswechsel. Die Strategie der Union, die AfD zu ignorieren, sei fehlgeschlagen, schreiben die CDU-Politiker laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung in einem dreiseitigen Manifest. "Gerade im liberal-konservativen Bereich hat die Union in den letzten Jahren - leider - deutlich an Anziehungskraft verloren", schreibt die Gruppe.

Die Autoren, darunter CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach und Hessens früherer CDU-Fraktionschef Christean Wagner, fordern die Unionsspitze auf, auf die konservativen Wähler der AfD zuzugehen. Gerade in Zeiten einer Großen Koalition bestehe die Gefahr, dass das Profil der beteiligten Parteien leide, und damit auch das Profil von CDU und CSU. Auch vor diesem Hintergrund dürfe die Union im Hinblick auf ihre ureigenen Kernthemen "keinen politisch-programmatischen Raum für andere Parteien lassen". Wenn ihr das nicht gelinge, schwäche sie das bürgerliche Lager und trage dazu bei, "dass das Pendel nach rechts ausschlägt".

Auch Arnold Vaatz, stellvertretender Chef der Unionsbundestagsfraktion, warnte davor, eine Entscheidung zum Umgang mit der AfD zu lange aufzuschieben: "Wer seinen Kopf in den Sand steckt, muss aufpassen, dass der Sand nicht zu fest wird", sagte der CDU-Politiker SPIEGEL ONLINE.

Kauder: "Keine Koalitionen mit der AfD"

Unionsfraktionschef Volker Kauder erklärte indes, das sich CDU und CSU mit den Themen der AfD auseinandersetzen müssten, nicht jedoch mit der Partei. "Wir bleiben bei unserem Kurs, wir sagen den Menschen, was wir wollen, was wir vorhaben, wir werben für unseren Kurs", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin". Eine Zusammenarbeit mit der AfD schloss er erneut kategorisch aus. "Wir haben einen klaren Kurs", sagte er, "keine Koalitionen mit der AfD."

Der Berliner Kreis hatte Kanzlerin Merkel bereits im Februar aufgefordert, sich klarer gegen die AfD abzugrenzen. Nach der Europawahl, bei der die AfD sieben Prozent der Stimmen erhalten hatte, waren die CDU-Konservativen erneut an die Öffentlichkeit gegangen: "Die AfD einfach zu ignorieren, ist nicht die richtige Strategie", erklärten sie schon im Mai in einer Stellungnahme.

Die AfD hat nach ihrem ersten Einzug in einen deutschen Landtag vor zwei Wochen in Sachsen an diesem Sonntag erneut hohe Ergebnisse bei den Wahlen der Parlamente in Brandenburg und Thüringen eingefahren. In Thüringen erhielten die Euroskeptiker 10,6 Prozent der abgegebenen Stimmen, in Brandenburg sogar 12,2 Prozent. Analysen der Wählerwanderungen zeigen, dass die Partei Stimmen aus allen politischen Lagern erhalten hat - auch von ehemaligen CDU-Wählern.

mxw/dpa/AfP

insgesamt 68 Beiträge
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ludna 15.09.2014
1. Mahatma Gandhi:
"Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du." Immer wieder schön zu beobachten.
austromir 15.09.2014
2. Selbstmörder?
Nur Selbstmörder versuchen populistischer zu sein als Populisten. Der CDU Kurs bringt derzeit 40% + und damit die Möglichkeit stabile Regierungen zu bilden. Die Hasardeure in der CDU spekulieren auf eine rechte Mehrheit und werden bald den Zeiten nachtraueren als man noch mehr als 30% hatte. Bis dahin sind sie aber in Rente und können sagen: nach mir die Sintflut.
Achmuth_I 15.09.2014
3. Das ist einer der Hauptgründe der Politikverdrossenheit...
...die Volksparteien wollen nicht von ihren Standpunkten überzeugen, sondern sie suchen mit welchen Standpunkten sie Stimmen fangen können. Aber das Anbiedern an die Rechten ist ekelhaft. Alternativen? Ich bin gespannt was aus den neuen sozialliberalen wird.
herent 15.09.2014
4. Als Bayer hat man mit der AfD keine Probleme
Die CSU hat ihre Konservativen nicht vergrault. Die CDU ist dagegen die parteigewordene schwammige Beliebigkeit geworden, jedem Furz des "Zeitgeistes " nachjagend.
Banause_1971 15.09.2014
5. Das Profil leidet?
Welches Profil? Es ist egal, ob ich CDU, CSU, SPD, Grüne, oder FDP wähle, denn alle Parteien haben eins gemeinsam: Sie handel nach der Wahl völlig anders, als vor der Wahl versprochen. Vor der Wahl war Maut ein Unwort für Frau Merkel, heute bekommt sie leuchtende Augen bei der nächsten Stufe der KFZ-Halter-Abschröpfung. Den Politikern ist der Wähler einfach scheißegal. Solange er nur treudoof alle Jahre wieder an die hohlen Wahlversprechen glaubt, und seinen Argwohn über gebrochene Versprechen nach 4 Jahren wieder vergessen hat und den gleichen Fehler wieder und wieder begeht, ist für die Politiker alles in bester Ordnung. Daher sehe ich in der AfD auch keine Partei des Umschwungs. Sie werden haargenau so agieren, wie alle Parteien vorher auch,... wenn sie denn erstmal an der Macht sind.
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